Finanzen + Vorsorge Edelmetall unter Druck: Ist Gold derzeit die richtige Alternative?

Bei Anlegern vor allem in Krisenzeiten beliebt: Gold

Bei Anlegern vor allem in Krisenzeiten beliebt: Gold© Deutsche Bundesbank

Die US-Notenbank drosselt ihre Notenpresse, damit verfinstert sich der Ausblick für den Inflations- und Krisenschutz Gold weiter. Ausgerechnet jetzt steigt die eurokritische AfD groß ins Geschäft mit dem Edelmetall ein. Ob das ein cleverer Plan ist?

Die Alternative für Deutschland hat mit ihrem Einstieg in den Goldhandel für viel Wirbel gesorgt. Parteichef Bernd Lucke machte zuletzt in der Talkshow „Hart aber fair“ unverhohlen Werbung für das Edelmetall – und erntete dafür viel Kritik. Wer einen Blick auf den Goldchart wirft und sich unter Marktexperten umhört, stellt sich indes fast zwangsläufig die Frage, ob der Münz- und Barrenkauf, den die rechtskonservativen D-Mark-Anhänger anbieten, derzeit eine gute Idee ist.

Nachdem der Goldpreis im letzten Jahr um mehr als 400 Dollar abgestürzt war, ging es 2014 zunächst wieder mühsam bergauf. Doch im Oktober büßte das Edelmetall seine Gewinne wieder ein und stand zuletzt bei etwa 1170 Dollar. Der kleine Bruder Silber geriet noch heftiger unter die Räder und fiel auf den tiefsten Stand seit März 2010. „Spekulanten steigen aus und schauen sich nach renditestärkeren Alternativen um“, sagt Analyst Jasper Lawler vom Handelshaus CMC Markets. Anders als viele Wertpapiere werfen Edelmetalle keine Zinsen ab.

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Gold verliert durch steigende Leitzinsen an Attraktivität

Deshalb liegt ein Grund für die trüben Perspektiven beim Edelmetall in der Aussicht auf steigende Leitzinsen in den USA. In der vergangenen Woche beschloss die US-Notenbank Fed bereits, das milliardenschwere Anleihekaufprogramm zu beenden, mit dem sie die Konjunktur zwei Jahre lang gestützt hatte. Sollte die Wirtschaft ihre aktuelle Fitness behaupten, könnte auch die Zinspolitik bald gestrafft werden. „Die Fed dürfte die Zinsen früher anheben als allgemein erwartet, möglicherweise bereits im März“, sagt US-Chefökonom Paul Ashworth vom Analysehaus Capital Economics.

Steigende Leitzinsen – das bedeutet weniger billiges Geld und damit tendenziell weniger Inflationsgefahr. Gold verliert dadurch an Attraktivität, denn es ist besonders als Wertspeicher bei ausufernder Teuerung gefragt. Zudem wird das Edelmetall vorwiegend in Dollar gehandelt und verteuert sich entsprechend, wenn die US-Währung aufwertet. Genau das ist momentan der Fall. Weil Amerika wirtschaftlich besser in Form ist als beispielsweise die Eurozone, setzen die Finanzmärkte auf den Dollar statt auf den Euro.

Finanzberater: Edelmetall nur als Portfolio-Beimischung

Eine Hoffnung für Goldfans gibt es allerdings. Wenn der US-Notenbank der reibungslose Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik misslingt, könnte es zu Turbulenzen an den Märkten kommen, die das Edelmetall als Antikrisenwährung profitieren lassen. „Wir haben noch nie Erfahrungen mit einer vergleichbaren Situation gemacht“, sagt der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan – und empfiehlt, sich mit Gold abzusichern.

Finanzberater empfehlen das Edelmetall wegen seiner hohen Schwankungsanfälligkeit allerdings nur als Beimischung im Portfolio. Bei der AfD scheint der Goldverkauf unterdessen allen Widrigkeiten zum Trotz zumindest gut angelaufen zu sein. AfD-Sprecher Christian Lüth sagte Anfang Oktober, die Partei habe in den ersten 48 Stunden bereits Münzen und Barren für mehr als 210.000 Euro verkauft.

1 Kommentar
  • Hardy 7. November 2014 13:34

    Gold ist schon seit über 2000 Jahren eine feste Währung und wird als Vermögensspeicher und Inflationsschutz immer seinen Platz finden – genauso wie Silber. Man sehe sich allein die Gold- und Silbernachfrage in den USA im Oktober an. DIe U.S. Mint hat verkauft wie blöde und die Menschen haben anscheinend zugeschlagen ( http://www.goldpreis.de/News/American+Eagle+Silber%3A+Gestiegene+Oktoberverk%C3%A4ufe ). Und das nicht, weil die Fed oder die EZB nur so vor Kompetenz und Stabilität strotzen. Man darf sich ruhig einmal fragen, ob ein fallender Goldpreis und hpyerventilierende Aktienmärkte der Geldpolitik derzeit nicht doch in die Karten spielen. Den Euro um jeden Preis zu retten ist ja eine starke Aussage. Aber den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, ist zumindest fragwürdig.

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