Finanzen + Vorsorge Eine Stiftung als Eigentümer

Nicht nur der Optikkonzern Carl Zeiss und der Spezialglashersteller Schott gehören einer Stiftung - auch viele andere Unternehmen. Welche Modelle es dafür gibt und welche Vor- und Nachteile sie haben, erklärt Rechtsanwältin Verena Staats vom Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Welche Stiftungsmodelle gibt es und was sind die Vor- und Nachteile?

Verena Staats: Zum einen gibt es das Modell der Unternehmensträgerstiftung. Dabei betreibt die Stiftung das Unternehmen unmittelbar selbst. Diese Art der Stiftung ist selten und hat sich, wie das Beispiel der Zeiss Stiftung zeigt, teilweise nicht bewährt.

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Weitaus gängiger ist die sogenannte Beteiligungsträgerstiftung. Die Stiftung hält dabei im Rahmen ihres Stiftungsvermögens alle oder wesentliche Geschäftsanteile an einem oder mehreren Unternehmen. Deren Gewinn fließt ganz oder teilweise an die Stiftung.

Die Stiftung selbst kann dabei als gemeinnützige oder als nicht gemeinnützige Stiftung ausgeformt sein.

 
Carl Zeiss und Schott gehören der vor 125 Jahren gegründeten Carl-Zeiss-Stiftung. Vor zehn Jahren wurde sie reformiert. Die Unternehmen wurden aus der Stiftung ausgegliedert und in rechtlich selbstständige Aktiengesellschaften umgewandelt. Warum kann ein solcher Schritt grundsätzlich sinnvoll sein?

Das frühere Modell bei Zeiss, bei dem die Stiftung das Unternehmen selbst betreibt, ist aufgrund der satzungsrechtlichen Vorgaben relativ schwerfällig. Auch auf geänderte ökonomische Rahmenbedingungen können Unternehmen damit oft nicht flexibel reagieren. Um eine Aussage zum konkreten Fall machen zu können, müsste man sich aber auch die Unternehmensgeschichte und die wirtschaftlichen Aktivitäten der damaligen Zeiss-Stiftung genauer ansehen.

 
Viele Familienunternehmen stehen in den kommenden Jahren vor einem Generationswechsel und müssen einen Nachfolger für ihr Unternehmen finden. Gibt es einen Trend bei Familienunternehmen, die Unternehmensnachfolge über eine Stiftung zu regeln?

Konkrete Zahlen können wir noch nicht nennen. Wir haben aber zunehmend Anfragen von Unternehmern, die sich nach Stiftungsmodellen erkundigen.

 
Welches Stiftungsmodell macht für kleine und mittelständische Unternehmen Sinn?

Das kann man leider nicht pauschal sagen. Entscheidend ist, was das Unternehmen mit der Stiftungsgründung bezwecken will (Nachfolgeplanung, der Zersplitterung des Unternehmens entgegenzuwirken, Erbstreitigkeiten zu verhindern, gemeinnützige Zwecke zu verwirklichen). Es bedarf einer individuellen Beratung, die das gesamte Unternehmen und die Wünsche und Interessen des Unternehmers oder der Unternehmerin mit einbezieht.

 
Was muss man bei Stiftungen in steuerrechtlicher Hinsicht beachten?

Im Falle einer gemeinnützigen Stiftung – zum Beispiel wenn sie mit ihren Erträgen Bildungszwecke erfüllt – unterliegen die Erträge grundsätzlich nicht der Körperschaftsteuer. Anders ist es bei einer nicht gemeinnützigen Stiftung. Hier sind die Erträge bzw. Ausschüttungen des Unternehmens an die Stiftung körperschaft- und gewerbesteuerpflichtig.

Bei einer nicht gemeinnützigen Stiftung unterliegt außerdem bereits das Gründungskapital aus den Unternehmensanteilen der Schenkungssteuer.

 

 
Verena Staats ist Rechtsanwältin und arbeitet seit 2009 als Justiziarin im Bundesverband Deutscher Stiftungen. Dort berät sie unter anderem potentielle Stifter bei Fragen rund um die Stiftungsgründung und die Mitglieder des Verbands bei stiftungs- und steuerrechtlichen Themen.

 
Weitere Informationen über Stiftungen erhalten Sie auf der Webseite des Bundesverbands Deutscher Stiftungen.

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