Finanzen + Vorsorge Einkommenssicherung: Diese Policen schützen vor Risiken vor dem Ruhestand

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Mit welchen Policen sollten sich Unternehmer gegen Unfälle absichern?

Mit welchen Policen sollten sich Unternehmer gegen Unfälle absichern?© Stefanie Wunderlich

Unternehmer müssen sich mit Policen gegen gängige Risiken absichern. Doch wann macht beispielsweise eine Risikolebensversicherung Sinn und wann eine Berufsunfähigkeitsversicherung? Ein Überblick über die wichtigsten Fakten - und welche Alternativen es gibt.

RISIKOLEBENSVERSICHERUNG

Diese Versicherung benötigt niemand, der nur für sich selbst sorgt, denn sie zahlt ausschließlich, nachdem man gestorben ist. Wichtig sind Risikolebensversicherungen aber für jeden, der Ehepartner und Kinder hinterlässt. „Unternehmer sind oft die Hauptverdiener einer Familie“, sagt der Frankfurter Vorsorgespezialist Michael Reeg. „Sterben sie plötzlich und unerwartet, ist die finanzielle Not für die Hinterbliebenen schnell groß, weil viele Kosten weiterlaufen.“ Diese Lücke kann eine Risikolebensversicherung überbrücken, die mindestens das Zwei- bis Dreifache eines Jahreseinkommens ausschüttet. Wer hohe Schulden bedienen muss, legt die Versicherungssumme besser noch höher fest. Der Preis dafür ist, jedenfalls für jüngere, ­gesunde, nicht rauchende Versicherte, über­schaubar. Wer 30 Jahre alt ist und sich für die kommenden 35 Jahre versichern will, zahlt je 100 000 Euro kaum mehr als 100 Euro im Jahr.

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BERUFSUNFÄHIGKEITSPOLICE

Es ist schon verrückt: Man zahlt einen Einsatz, ist aber froh, wenn man dafür nichts zurück­bekommt. Das ist bei der Feuerschutzpolice nicht anders als bei der Berufsunfähigkeits­versicherung (BU). Der entscheidende Unterschied: Ein Wohnungsbrand ist viel seltener als eine Herzerkrankung oder ein schwerer Arbeitsunfall, der einen den Job kosten könnte. „Damit kann nicht nur der Traum von der Selbstständigkeit zerplatzen, oft steht die Existenz auf dem Spiel“, warnt Reeg. Inzwischen üben hierzulande nur noch drei von vier Erwerbstätigen ihren Beruf aus, bis sie 65 sind. Der Grund sind nicht selten gesundheitliche Probleme. „Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann dann zumindest die finanziellen Sorgen lindern.“

Billig ist das nicht. Trotzdem sollte jeder Unternehmer darüber nachdenken. „Gerade wenn man für den eigenen Beruf auf seine Hände angewiesen ist, stehen muss oder auf andere Weise unzweifelhaft unfähig sein kann, ihn weiter auszuüben, ist diese Police Pflicht“, sagt Reeg. Auch für Schreibtischtäter ist so eine Versicherung nicht völlig abwegig: Psychische Erkrankungen können die Konzentrationsfähigkeit einschränken, Rückenleiden das Sitzen. Für ­jüngere Büroarbeiter gibt es Einstiegstarife für 500 Euro im Jahr, die im Ernstfall zum Beispiel eine Monatsrente von 1500 Euro sichern. Menschen mit Hochrisikoberufen zahlen deutlich mehr. Die Versicherer schicken ältere und kranke Interessenten erst einmal zum Arzt, bevor sie den Tarif berechnen.

Wer im Ernstfall mehr Rente will, zahlt ebenfalls höhere Beiträge. „Weil das Einkommen von ­Unternehmern oft im Lauf der Zeit stark steigt, ist es sinnvoll, von Beginn an eine Option zu vereinbaren, die einem erlaubt, den Vertrag aufzustocken, und zwar ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung“, rät Reeg. Grundsätzlich zahlen die Versicherer, sobald man mehr als ein halbes Jahr lang nicht mehr als halbtags arbeiten kann.

Was das mit Altersvorsorge zu tun hat? Wer für den Ruhestand mit einer Renten- oder Kapital­lebensversicherung spart, muss weiter seine Raten einzahlen – egal ob man gerade Geld verdienen kann. „Wer seine eigene Arbeitskraft verliert, hat oft genug später auch noch ein Rentenproblem“, warnt der Düssel­dorfer Finanzplaner Robert Hiotoglou: „Schon deshalb ist eine BU-Police mit ausreichend ­hoher Leistung Pflicht.“

ALTERNATIVEN

Nicht jeder kann die Beiträge für eine BU-Police aufbringen. Das gilt vor allem in besonders ­gefährlichen Berufen: Dachdecker und Gerüstbauer, aber auch Reitlehrer und Sicherheitsdienste müssen teilweise viermal so hohe Beiträge zahlen wie Unternehmer mit Bürojobs. Andere bekommen erst gar keinen Schutz an­geboten. In solchen Fällen kann man auf eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) ausweichen: Die kostet rund die Hälfte, zahlt aber nur bei Invaliden, die gar nicht arbeiten können, auch nicht in einem anderen Beruf. Wenn ein Fitnesstrainer aus gesundheitlichen Gründen auf Ernährungsberater umsattelt, würde er mit einer EU-Versicherung leer ausgehen.

Nur unvollständig schützen auch sogenannte Dread-Desease-Versicherungen gegen Schwerst­erkrankungen. Sie zahlen nach Diagnosen wie Krebs oder Schlaganfall oder wenn man nicht mehr sehen, hören oder laufen kann. „Gerade für körperlich anstrengende Berufe kann das eine bedenkenswerte Alternative sein“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer des Anbieters für ­Ver­sicherungsvergleiche Franke und Bornberg. ­Anders als bei der BU fehlt aber ein Schutz ­gegen die meisten psychischen Erkrankungen

 

 
Der Beitrag ist Teil der großen impulse Altersvorsorge-Serie:

TEIL I: Vorsorgestrategien: Für Gründer / Für Durchstarter / Für Arrivierte
TEIL II: Vermögensaufbau mit Wertpapieren
TEIL III: Vermögensaufbau mit Immobilien: Eigenheim / Betriebsimmobilie / Immobilienfonds
TEIL IV: Vorsorge mit Versicherungen: Einkommenssicherung / Rentenversicherung / Staatshilfe

 

 

cover0114Aus der impulse 03/2014

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1 Kommentar
  • MartinN 28. März 2015 10:24

    Guten Tag,

    eine Risikolebensversicherung ist für Alleinstehende nicht geeignet. Dieser Sachverhalt stimmt. Doch selbst hier besteht die Möglichkeit einer Vorsorgeleistung. Denn mit dem Versicherer kann eine Rückzahlung der Beiträge vereinbart werden, falls der Versicherungsnehmer nicht in der Laufzeit verstirbt. Die kosten der Police sind hier deutlich höher, doch die Leistungen sind ebenso für den Kunden angepasst.

    Wer eine Familie hat und eine Immobilie besitzt, kommt in der heutigen Zeit nicht mehr herum eine Police abzuschließen. Um das Darlehen abzusichern, verlangen Banken den Nachweis einer Versicherung und das sie als Bezugsberechtigter eingetragen werden.

    Partnerversicherungen machen für Lebenspartner und Geschäftspartner ebenfalls Sinn, wenn die gemeinsame Zukunft finanziell abgesichert werden soll.

    Die Aufnahmebedingungen in die BU sind in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Immer mehr Menschen werden von der Versicherung ausgeschlossen oder müssen Risikoaufschläge in Kauf nehmen.

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