Finanzen + Vorsorge Entspannte Märkte vor der Heizperiode

Zum Beginn der kalten Jahreszeit können sich Verbraucher in Deutschland über günstige Energiepreise freuen.

Zum Beginn der kalten Jahreszeit können sich Verbraucher in Deutschland über günstige Energiepreise freuen.© Alexander Raths - Fotolia.com

Die Gaspreise haben seit dem Sommer zwar deutlich angezogen, liegen aber immer noch unter dem Vorjahresniveau. Doch das könnte sich schnell ändern, wenn der Streit zwischen der Ukraine und Russland nicht bald beigelegt ist.

Mit den ersten Nachtfrösten werden die Heizkörper wieder aufgedreht. Und die Kosten beginnen zu rennen. In den vergangenen Jahren sind die Preise für Energie, für Öl und Gas, Fernwärme oder Strom, enorm gestiegen. Verglichen mit der Zeit um die Jahrtausendwende müssen private Haushalte für Gas ungefähr das Doppelte bezahlen, für Heizöl sogar das Dreifache. Heizen ist für viele Haushalte richtig teuer geworden.

Doch seit zwei bis drei Jahren ist der Aufwärtstrend zum Stillstand gekommen. Die Gaspreise für private Verbraucher haben sich beruhigt und liegen nach dem Index des Verbraucherportals Verivox mit 6,52 Cent je Kilowattstunde sogar leicht unter dem Vorjahr. Die internationalen Gashandelspreise haben nach einem Tiefstand Mitte Juli deutlich angezogen, liegen aber immer noch klar unter dem Niveau vom Jahresbeginn. „Still ruht der See“, überschrieb der Energie-Informationsdienst EID seine jüngste Geschichte über Gaspreise.

Anzeige

Doch liegt hier ein Risiko. Sollte Russland im Winter die Gaslieferungen nach Europa einschränken, könnten die Preise schnell in den Himmel schießen. Die Erdgasspeicher sind zwar so gut gefüllt, dass sie locker über den Winter reichen, und zwar sowohl in Deutschland als auch in Westeuropa insgesamt. Aber das ist nicht das ganze Bild. „Schon jetzt ist klar, dass die Ukraine im Winter nicht genug Gas haben wird“, sagt der ehemalige CDU-Politiker und heutige Energieforscher Prof. Friedbert Pflüger. „Kiew erwartet, dass die EU einspringt.“

Ukraine erwartet Gas-Knappheit für diesen Winter

Auch die baltischen Staaten und verschiedene Länder Osteuropas könnten in Bedrängnis geraten. „Die deutsche Gaswirtschaft hat ihre Hausaufgaben erledigt, im Gegensatz zu anderen“, sagt Pflüger. „Aber sie kann sich dem Ruf nach europäischer Solidarität nicht entziehen.“

Bislang gibt es keine Anzeichen für Lieferprobleme aus Russland. Einzelne Meldungen über angeblich gedrosselte Mengen stellten sich als übliche Schwankungen heraus. Für den Gas-Endverbraucher ist der Winter ohnehin schon halb gelaufen. Die Versorger müssen Preisänderungen mit einem Vorlauf von sechs Wochen ankündigen. Und da ist wenig in der Pipeline.

Preise für Heizöl sind stabil

Noch entspannter als für Gaskunden ist bislang die Lage bei Heizöl. Der Verbraucherpreis liegt schon seit Monaten weitgehend stabil bei ungefähr 80 Euro pro 100 Liter und damit deutlich unter den beiden Vorjahren. Der Preis für Rohöl hat seit Juni deutlich nachgegeben und liegt erstmals seit zwei Jahren wieder für eine längere Zeit unterhalb von 100 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent. Von diesem Preisrutsch haben die Verbraucher nicht besonders profitiert, weil gleichzeitig der Euro gegen den Dollar schwächer wurde und so den sinkenden Rohstoffpreis wieder ausglich.

Die Nachfrage nach Heizöl hält sich ohnehin in Grenzen, weil viele Tanks nach dem milden Winter noch gut gefüllt sind. Die Haushalte haben in der vergangenen Heizperiode rund 20 Prozent weniger Energie verbraucht, weil der Winter sehr mild war. So wird das Wetter zum größten Kostenrisiko für die kommenden Monate – je kälter, je teurer.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.