Finanzen + Vorsorge Entspannung an der Strompreis-Front

Die EEG-Umlage macht derzeit 18 Prozent des Strompreises aus.

Die EEG-Umlage macht derzeit 18 Prozent des Strompreises aus.© Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Gute Nachrichten für Verbraucher: Die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Stromkosten könnten sich stabilisieren. Die Ökostrom-Umlage wird 2015 wohl erstmals sinken.

Die Kostenprognosen für Wind- und Solarstrom waren schon so manches Mal unpräzise. Besonders bei den Grünen. Jürgen Trittin meinte als Umweltminister 2004, der Ökostrom-Ausbau koste einen Haushalt im Monat gerade so viel wie eine Kugel Eis. Sein Nach-Nachfolger im Amt, Peter Altmaier (CDU), sagte dazu 2013: „Heute könnte man dafür die Eiskarte rauf und runter essen.“ Die Kosten haben in der Debatte das Positive der Energiewende häufig überlagert – nun dürfte es erstmals eine Entspannung bei den Stromkosten geben.

Warum kann der Strompreis möglicherweise leicht sinken?

Anzeige

18 Prozent des Strompreises macht die Ökostrom-Umlage derzeit aus – pro Kilowattstunde sind es 6,24 Cent bei einem Preis von rund 30 Cent. Damit werden die Förderkosten für Windräder, Solar- Biogas- und Wasserkraftanlagen beglichen. Statt über Steuern wird die Energiewende direkt über den Strompreis bezahlt. In diesem Jahr sind bisher 14,7 Milliarden Förderkosten angefallen, auch weil Bürger und Mittelstand Rabatte für Tausende Industrieunternehmen mitbezahlen. Aber bei der Umlage war ein dicker Liquiditätspuffer eingebaut worden. Nun ist das Konto 1,506 Milliarden Euro im Plus, auch weil der August nicht so sonnenreich war. Allerdings sind noch nicht alle Vergütungszahlungen für den Monat beglichen. Experten rechnen aber unter dem Strich mit einem erstmaligen Sinken der Umlage.

Warum lässt sich das jetzt schon für 2015 absehen?

Weil die Umlage von den zuständigen Übertragungsnetzbetreibern immer am 15. Oktober für das nächste Jahr veröffentlicht wird. Daher ist der Kontostand bis Ende September entscheidend. Zum Vergleich: Vor einem Jahr war das Konto 2,3 Milliarden Euro im Minus. Fachleute der Denkfabrik Agora Energiewende haben errechnet, dass bei dem jetzigen Kontostand die Umlage auf knapp 5,9 Cent sinken könnte. Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden würde dann statt 218 Euro „nur noch“ 206 Euro im Jahr Umlage zahlen – ohne Mehrwertsteuer, die kommt immer obendrauf. Das zeigt: Wenn, dann werden die Preise minimal sinken, zumal ja auch die Netzentgelte durch den Netzausbau steigen können – aber: Die starken Preissprünge sind erstmal passé.

Ist das ein Erfolg der großen Koalition?

Diesen Eindruck könnte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erwecken – bundesweit wirbt er für seine EEG-Reform mit dem Slogan: „Wir haben etwas an der Energiewende gestrichen: Nachteile.“ Aber Förderkürzungen steht die Beibehaltung von Industrierabatten mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro entgegen. Gabriel will die SPD hin Richtung mehr Wirtschaftsfreundlichkeit rücken. Aber die Reform ist erst im August in Kraft getreten, kann also erst für die nächste Umlage in einem Jahr richtig wirksam werden. „Das ist keine Folge der EEG-Reform von Gabriel, sondern liegt allein daran, dass die Umlage vor der Bundestagswahl 2013 aus politischen Gründen zu hoch angesetzt worden war“, meint Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Er fordert, jetzt die Milliarden-Überschüsse an die Verbraucher zurückzugeben.

Ist damit eine Trendwende erreicht?

Möglich, denn ab 2017 soll das System mit einer weiteren Reform umgestellt werden: weg von der 20-Jahres-Fördergarantie. Dennoch bleibt das Hauptproblem: Ohne Speicher für überschüssigen Strom und Netze werden weiter fossile Kraftwerke mit bis zu 80.000 Megawatt Gesamtleistung benötigt, damit auch im Winter der Strom ausreichend fließt.

Warum ist die Umlage derzeit überhaupt so hoch?

Ein Hauptgrund ist der Solarboom 2010 bis 2012, die Politik kürzte die Förderung nicht schnell genug, während die Preise für Module dank der Konkurrenz aus China stark sanken. Dieser Berg wird nun 20 Jahre über die Umlage gewälzt. Nur für die Solarförderung werden in diesem Jahr Kosten von 9,6 Milliarden Euro erwartet. Der Ökostromanteil ist im Gegenzug aber auf über 25 Prozent geklettert. Und bei Atom- und Kohlestrom gab es auch Milliardensubventionen – die Folgekosten für die Umwelt sind in der Stromrechnung zudem nicht berücksichtigt.

Wie funktioniert das Fördersystem?

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bekommen Betreiber von Windparks, Solar- und Biogasanlagen auf 20 Jahre garantiert feste Vergütungen, um den Ausbau zu forcieren. Die Fördersätze sind je nach Anschlussdatum unterschiedlich hoch. Wer seine Anlage 2010 anschloss, bekommt 39,14 Cent die Kilowattstunde. Derzeit sind es wegen des immer billigeren Solarmodule nur noch 12,69 Cent. Von dieser Summe wird der an der Strombörse im Verkauf erzielte Preis abgezogen. Die verbleibende Summe wird per EEG-Umlage auf die Verbraucher abgewälzt. Am Freitag gab es 3,2 Cent an der Strombörse, also betragen bei diesem Rechenbeispiel die Förderkosten also knapp 36 und 9,5 Cent.
 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.