Finanzen + Vorsorge Erlebnisse mit der Bank: „Geschröpft und erpresst“

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Die Frankfurter Skyline

Die Frankfurter Skyline© Heinz Waldukat - Fotolia.com

Hohe Gebühren, teure Kredite, keine Hilfe. Selbstständige haben häufig Ärger mit Geldhäusern. Woran das liegt, was Unternehmer erlebt haben – und wie Firmenchefs ihre Position verbessern.

Sehr knapp, sehr präzise, sehr bürokratisch – und vollkommen inakzeptabel. Andreas Lutz war entsetzt über die Post von seiner Hausbank. Sein Geschäftskundenbetreuer bei der Stadtsparkasse München schrieb ihm, dass „die befristete Sonderpreisregelung“ für seine Konten auslaufe. Er müsse künftig einen monatlichen Grundpreis von 10 Euro sowie 50 Cent pro Buchungsposten und 5 Cent pro Online-Auftrag zahlen. Der Banker schloss mit der Bemerkung: „Auch nach dieser Änderung bewegt sich unser Geschäftsgiroservice weiterhin in einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.“

Kostensteigerung um 93 Prozent

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Eine zweifelhafte Umschreibung für eine drastische Gebührenerhöhung. Statt 1289,50 Euro nach seinen bisherigen Konditionen müsste er künftig 2491 Euro zahlen, hat Lutz berechnet. Eine Kostensteigerung um 93 Prozent. Lutz berät Gründer, bietet Seminare an, vermittelt Mikrokredite für den Start in die Selbstständigkeit. Und er ist Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen. Für jede dieser Aktivitäten hat er gesonderte Konten.

Unternehmer Andreas Lutz

Unternehmer Andreas Lutz© Andreas LutzAndreas Lutz

Der 47-Jährige ist ein ruhiger, besonnener Mann. Die Banker, so vermutet er, hätten sich nur getraut, den Preis zu erhöhen, weil es für ihn ein enormer Aufwand wäre, mit sämtlichen Konten – die stets fünfstellig im Plus gewesen seien – zu einer anderen, günstigeren Bank zu wechseln. Dabei sei er ein guter Kunde gewesen, seit 2005. Anderen Unternehmern habe er die Sparkasse sogar empfohlen. Und dann das. „Geschröpft und erpresst“ habe er sich gefühlt, sagt Lutz.

Kunden zweiter Klasse

Wie Lutz ergeht es vielen Selbstständigen. Sie machen allenfalls sechsstellige Umsätze, haben keine oder nur ein paar Mitarbeiter. Diese Einzelkämpfer fühlen sich häufig von den Banken von oben herab behandelt, wie Kunden zweiter Klasse. Die Gebühren und Kreditzinsen liegen mitunter weit über den Sätzen, die größere Firmen zahlen müssen. Und in den Gesprächen mit den Bankern geht es oft nicht darum, was die Bank für den Kunden tun kann, sondern darum, was die Bank NICHT tun kann. Kein Darlehen, ob für die Firma oder für den privaten Hauskauf. Kein Kontokorrent- oder Dispokredit. Und manche Bank bietet Selbstständigen – Freiberufler wie Rechtsanwälte und Ärzte ausgenommen – erst gar kein Konto an.

Warum das so ist? „Diese Kundengruppe bedeutet für eine Bank vermehrt Stress“, sagt Heike Oetjen von der Hamburger Beratungsgesellschaft Evers & Jung. Oetjen betreut dort das von der Stadt Hamburg finanzierte Projekt Firmenhilfe. Täglich rufen dort Selbstständige an, um sich Rat zu holen. Nicht selten geht es um Probleme mit der Bank. Oetjen weiß, wo es im Argen liegt: Oft geben die Unternehmer ihrer Bank keine ausreichenden oder aktuellen Informationen zu ihrer geschäftlichen Situation. Ist dann noch der Überziehungsrahmen für ein Konto ständig voll ausgeschöpft, schalten Banker auf stur. Schließlich können sie kaum einschätzen, ob die Firma nicht schon morgen pleite ist. Die gute Nachricht: Wer die Entscheidungsmechanismen einer Bank kennt, sich auf Gespräche mit dem Kreditinstitut gut vorbereitet, der hat zumindest eine Chance.

Schuld hat das Controlling

Unternehmer Lutz ging im Juni 2013, sechs Wochen nachdem er die Preiserhöhung schriftlich bekommen hatte, in die Filiale der Stadtsparkasse München in der Rosenheimer Straße 52. Auf dieses Treffen hatte er bestanden.

„Man muss sich zur Wehr setzen“, sagt der Unternehmer. In den Wochen zuvor hatte er sich munitioniert, die Konditionen bei anderen Geldhäusern verglichen. Mit dem Ergebnis konfrontierte er die Banker: Bei mehreren Instituten lägen seine Kontokosten um mindestens ein Drittel niedriger als bei der Sparkasse. Die Banker, erinnert sich Lutz, hätten auf das Controlling ihres Instituts verwiesen. Das habe ermittelt, dass Konten so teuer sein müssten, damit die Bank keinen Verlust macht.

Mit Verweis auf das Bankgeheimnis wollte die Stadtsparkasse München sich nicht zu dem Vorgang äußern, führt aber „kaufmännische Gründe“ für die Gebührenpolitik an. „Da sich Art und Umfang des Zahlungsverkehrs im Laufe der Geschäftsverbindung ändern können, gelten Sonderkonditionen stets ‚bis auf Weiteres'“, heißt es.

„Vorsicht bei Sonderkonditionen“

Ein paar Tage nach dem Banktermin erhielt Lutz wiederum Post. Nun räumte ihm die Sparkasse doch wieder Sonderkonditionen ein, „aufgrund der guten Geschäftsbeziehungen mit Ihnen“. Lutz rechnete. Er hätte immer noch gut 2000 Euro im Jahr zahlen müssen. Zu viel. Er wechselte Ende 2013 zur Commerzbank, wo er nach seiner Berechnung auf etwas mehr als 1000 Euro Gebühren jährlich kommen dürfte. Nach Preisliste, ohne jeden Rabatt. Sein Rat: „Vorsicht bei Sonderkonditionen! Die kann die Bank schnell gegen Sie ausspielen.“

Eine häufig gehörte Klage von Selbstständigen und Inhabern kleiner Firmen ist zudem, dass es keine Kredite gibt. Oder wenn doch, dann zu Konditionen, die kaum annehmbar sind. Der Grund: „Geschäftsdarlehen unter 20 000 Euro lohnen sich für die Banken in der Regel nicht“, sagt Peter Barkow, Inhaber der Frankfurter Finanzierungsberatung Barkow Consulting. Das liegt vor allem am großen Aufwand für die Risikoprüfung. Der ist bei einem kleinen Darlehen kaum geringer als bei einem Großkredit.

Selbstständige in der Kreditklemme

Barkow hat mit einem selbst entwickelten Modell berechnet, welchen Zins eine Bank nehmen muss, um an einem Kredit für eine Firma mit hoher Bonität nach Abzug aller Kosten etwas zu verdienen. Während bei 500.000 Euro die Gewinnschwelle für das Kreditinstitut bei 3,45 Prozent erreicht ist, muss das Institut für ein Darlehen über 50.000 Euro bereits 9,15 Prozent nehmen. Bei höherem Ausfallrisiko, wie es viele Selbstständige haben, sogar noch deutlich mehr. Dass viele Banken daher erst gar keine Kredite an Kleinunternehmer vergeben, hält Barkow für logisch. Im Bereich niedriger Bonität, sagt er, „haben wir definitiv eine Kreditklemme“.

Treue wird nicht honoriert

Wer überhaupt Chancen auf einen Kredit haben will, muss die Bank mit Informationen versorgen. Und speziell bei Selbstständigen reicht der Wissensdurst der Banker bis ins Private hinein. Ist Vermögen vorhanden, verdient der Ehepartner Geld, gibt es Kinder? Wer das Geld für den Lebensunterhalt direkt aus den geschäftlichen Einnahmen entnimmt, muss sich auch die Frage nach den privaten Ausgaben gefallen lassen. „Und wer die nicht detailliert beantworten kann, sieht schlecht aus“, sagt Markus Hübner, der als Finanzierungsberater Kleinunternehmer und Gründer bei Verhandlungen mit Banken unterstützt. Hübner sagt, worauf es ankommt im Umgang mit Banken: Flexibilität. Wenn es bei der Hausbank nicht klappt, sollten Selbstständige es bei anderen Geldhäusern probieren. „Treue wird bei langjährigen Bankkunden ohnehin nicht honoriert“, sagt er.

So wie es auch der Münchner Unternehmer Andreas Lutz erkennen musste, als seine Kontogebühren erhöht wurden. Die Kündigung bei seiner alten Hausbank sollte ein Zeichen setzen: „Ich wollte zeigen, dass ich mich nicht für dumm verkaufen lasse.“

 

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