Finanzen + Vorsorge EZB hält still: Leitzins bleibt bei 0,25 Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main© Getty Images

Die Inflation im Euroraum ist auch nach dem jüngsten Anstieg ungewöhnlich niedrig. Europas Währungshüter bleiben deshalb wachsam. Zunächst lockern sie die Zinsschraube aber nicht noch weiter.

Trotz der nach wie vor sehr niedrigen Inflation hält die Europäische Zentralbank (EZB) still. Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag bei seiner auswärtigen Sitzung in Brüssel, den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent zu belassen, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Experten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet, nachdem die Jahresteuerung im Euroraum im April von 0,5 Prozent im Vormonat auf 0,7 Prozent gestiegen war.

Allerdings liegt die Inflation weiterhin deutlich unterhalb der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent. Das wird nach Prognosen der Notenbank auch noch lange so bleiben: Selbst für 2016 gehen die Experten bisher weiter von einem Plus der Verbraucherpreise um 1,5 Prozent aus.

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Schon mehrfach hatte EZB-Präsident Mario Draghi gewarnt: Je länger die Inflation niedrig ist, umso größer seien die Risiken eines weiter sinkenden Preisauftriebs – und damit die Gefahren für eine Schwächung der Konjunktur, weil sich Verbraucher und Investoren sich in Erwartung eines weiteren Preisverfalls zurückhalten könnten. Zuletzt hatte Draghi betont, dass die EZB im Kampf gegen eine anhaltende Niedrig-Inflation notfalls schwere geldpolitische Geschütze auffahren werde wie etwa umfangreiche Anleihekäufe.

Weitere Lockerung der Geldpolitik noch nicht vom Tisch

Auch der starke Euro beschäftigt die Währungshüter und könnte sie zu weiteren Zinsschritten bewegen: Er schwächt den Preisauftrieb zusätzlich, weil Importe aus anderen Währungsräumen billiger werden. Zudem werden Waren aus dem Euroraum auf den Weltmärkten teurer, was die Exporteure und damit die Konjunktur belastet.

Die OECD hatte die EZB angesichts des geringen Preisauftriebs erst am Dienstag aufgefordert, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Dabei solle sie auch „unkonventionelle“ Maßnahmen wie Anleihekäufe in großem Umfang in Erwägung ziehen, falls sich die Inflation nicht wieder dem Zielwert der Notenbank annähere, erklärte die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit der größten Industrieländer.

Bisher ist eine weitere Lockerung der Geldpolitik jedenfalls noch nicht vom Tisch. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Allerdings bergen dauerhafte Niedringzinsen auch Gefahren für die längerfristige Ersparnis und Vorsorge.

Viele Analysten verweisen auf die Zinssitzung im Juni, wenn die EZB ihre neuen Wachstums- und Inflationsprognosen vorlegt. Zunächst setzen Europas Währungshüter aber auf die Konjunkturerholung im Euroraum. Zieht das Wachstum deutlich an, steigt der Preisdruck automatisch. EU-Kommission und OECD trauen den Euroländern 2014 ein Wachstum von 1,2 Prozent zu nach minus 0,4 Prozent im Vorjahr.

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