Finanzen + Vorsorge Flüssig bleiben: Wie eine Reform die Zahlungsmoral heben soll

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"Manche Branchen sind permanent zahlungsunfähig", sagt Christoph Hillebrand, Wirtschaftsprüfer in Köln

"Manche Branchen sind permanent zahlungsunfähig", sagt Christoph Hillebrand, Wirtschaftsprüfer in Köln © Orlando Hötzel

Täglich gehen Dutzende kleine und mittlere Betriebe in Konkurs, weil ihre Rechnungen nicht beglichen werden. Ein neues Gesetz soll Firmen helfen, schneller an ihr Geld zu kommen. Ob es wirkt, ist umstritten.

Friedrich Plaus* Straßenbaufirma hat harte Zeiten überstanden: den Zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau danach, den harten Konkurrenzkampf in den 70er-Jahren, der eine drastische Umstrukturierung erzwang.

Wirklich bedrohlich aber wurde die Lage für das Familienunternehmen, als Plau Straßenbau vor wenigen Jahren große Aufträge der Stadt Hamburg übernahm: Um die Route für das Radrennen Cyclassics herzurichten, sollte die Firma im Westen der Stadt marode Straßen ausbessern. Die rund 40 Mitarbeiter machten sich ans Werk, die Cyclassics wurden ein Erfolg. Doch die Stadt beglich ihre Rechnungen einfach nicht.

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29 offene Rechnungen

Plau schrieb, Plau mahnte – es kam kein Geld. 29 Rechnungen blieben offen. Die Haushaltsmittel, wurde ihm mitgeteilt, seien leider erschöpft, erste Ratenzahlungen tröpfelten erst über ein halbes Jahr später ein. Die Kosten für Gehälter und den Einsatz der Maschinen fielen in der Zwischenzeit natürlich weiterhin an. Plau geriet in Existenznöte.

Was die Lage verschlimmerte: Die Stadt, die den Unternehmer in finanzielle Nöte trieb, pochte auf der anderen Seite auf die fristgerechte Zahlung der Umsatzsteuer. Plau landete sogar als Angeklagter vor Gericht, als er die Steuer samt 47.000 Euro Säumniszuschlag nicht aufbringen konnte. Um sein Unternehmen zu retten, löste er schließlich seine Lebensversicherung auf und leitete Gewinne einer weiteren kleinen Firma an den Fiskus um. Gerade noch rechtzeitig.

Wie können Unternehmer flüssig bleiben?

Neue Richtlinien sollen Unternehmern helfen, flüssig zu bleiben. © Orlando Hötzel© Orlando Hötzel

Bei vielen Tausend kleinen und mittelständischen Betrieben in Europa läuft die Sache nicht so glimpflich ab. Täglich gehen Dutzende in Konkurs, weil ihre Rechnungen nicht beglichen werden. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen gerät durch Zahlungsverzug von Kunden in Liquiditätsschwierigkeiten, moniert die Europäische Kommission. „Manche Branchen sind permanent zahlungsunfähig“, sagt Christoph Hillebrand, Wirtschaftsprüfer bei der Kanzlei NHP in Köln.

Geteiltes Echo

Und die Situation verschärft sich zusehends. „Die Zahlungsmoral wird immer schlechter“, sagt Alexandra Watzlawek, Anwältin und Inkassoexpertin bei Heisse Kursawe Eversheds in München. „Vor 15 Jahren ist von 20 Forderungen, die per Inkasso eingetrieben wurden, vielleicht eine ausgefallen. Heute ist es schon ein Glück, wenn von den 20 Schuldnern einer bezahlt.“

Neue rechtliche Regelungen sollen helfen, die finanzielle Lage von Gläubigern zu verbessern: Kürzlich hat der Bundestag das „Gesetz zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr“ verabschiedet. Damit setzt Berlin eine EU-Richtline von 2011 um. Ob sich dadurch die Finanzlage klammer Auftragnehmer wirklich bessert, ist indes umstritten. Während sich einige Branchen Linderung versprechen, rechnen andere mit wenig Fortschritten.

*Name von der Redaktion geändert
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