Fehler in der Anlageberatung Erschreckend: 95 Prozent der Anlageempfehlungen sind falsch!

Fast alle der in einer Studie untersuchten Anlagevorschläge von Banken und Finanzberatern passen nach Ansicht der Verbraucherzentrale nicht zu den Bedürfnissen der Kunden.

Fast alle der in einer Studie untersuchten Anlagevorschläge von Banken und Finanzberatern passen nach Ansicht der Verbraucherzentrale nicht zu den Bedürfnissen der Kunden.

Zu teuer, unflexibel, riskant: Die Verbraucherzentralen stellen der deutschen Anlageberatung ein vernichtendes Zeugnis aus. Durch falsche Empfehlungen könnten den Kunden mehr als 50.000 Euro entgehen.

95 Prozent der aktuell empfohlenen Anlagevorschläge von Banken und Finanzberatern passen nicht zum Bedarf der Verbraucher. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Verbraucherzentrale Bundesverband, im Zuge derer im vergangenen Jahr mehr als 3000 bestehende sowie hunderte neue Vertragsangebote und Beratungsgespräche von Banken und Finanzdienstleistern ausgewertet wurden.

Das Ergebnis: Fast neun von zehn der neu angebotenen Produkte war zu teuer (87 Prozent). Mehr als die Hälfte der beanstandeten Produkte war zu unflexibel (55 Prozent). Das heißt, die Bankkunden konnten nicht im gewünschten Zeitraum über das Geld verfügen oder mussten Verluste in Kauf nehmen, wenn sie an ihr Geld wollten. Knapp ein Viertel der empfohlenen Geldanlagen war zu riskant, ein Drittel war weniger rentabel als vergleichbare Alternativen.

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Auch bei bereits abgeschlossenen Verträgen wurden viele Verbraucher offensichtlich schlecht beraten. Für etwa jedes zweite Produkt hätte es eine kostengünstigere oder flexiblere Alternative gegeben. „Verbraucher können leider nicht davon ausgehen, dass ihnen von Banken und anderen Finanzvertrieben Geldanlagen angeboten werden, die zu ihrem Bedarf passen“, sagte Werner Bareis von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, die als eine von fünf Schwerpunkt-Verbraucherzentralen den Finanzmarkt für Geldanlage und Altersvorsorge analysiert.

Hohe Kosten schmälern den Vermögenszuwachs um zehntausende Euro

Viele Verbraucher seien sich allerdings häufig überhaupt nicht bewusst, dass ihre Anlageprodukte nicht zu ihren Bedürfnissen passen und teils hohe laufende Kosten produzieren. Die Verbraucherzentrale nennt dafür ein frappierendes Beispiel:

Zwei Verbraucher legen einmalig 10.000 Euro in Geldanlagen mit vergleichbarem Risiko an. Der eine Verbraucher erzielt sechs Prozent Rendite pro Jahr (bei aktienbasierten Geldanlagen im langjährigen Durchschnitt nicht unrealistisch). Der andere Verbraucher investiert in eine ähnliche Anlage. Er erzielt aber nur vier Prozent jährliche Rendite, weil er für seine Anlage zwei Prozentpunkte mehr an jährlichen Kosten zahlen muss. Der Effekt ist immens: Nach zehn Jahren hat Verbraucher A einen Vermögenszuwachs von 7900 Euro, Verbraucher B von nur 4800 Euro.

Nach vierzig Jahren greift der Zinseszinseffekt, der hinter dieser unterschiedlichen Entwicklung steht, noch stärker: Das Vermögen von Verbraucher A hat sich um 93.000 Euro vermehrt, das von Verbraucher B um gerade mal 38.000 Euro. Zwei Prozentpunkte höhere Kosten machen innerhalb von 40 Jahren also einen Unterschied im Vermögen von mehr als 50.000 Euro aus.

„Zu teure Geldanlagen können Verbraucher massiv schaden“

Noch größer ist der Effekt, wenn Verbraucher nicht einmalig eine bestimmte Summe anlegen, sondern jährlich zum Beispiel 1000 Euro ansparen. Das Vermögen von Verbraucher A ist dann in 40 Jahren um 124.000 Euro gewachsen, bei Verbraucher B sind es lediglich 59.000 Euro. „Damit wird deutlich: Zu teure, aber auch zu riskante oder zu unflexible Geldanlagen können Verbrauchern massiv schaden“, warnen die Verbraucherschützer.

Für die aktuellen Untersuchung wertete die Verbraucherzentrale 3502 bestehende Anlageprodukte sowie 362 Vertragsangebote aus, mit denen Verbraucher in die Beratungsstellen gekommen waren. Außerdem wurden Schlüsse aus rund 835 Beratungen der Verbraucherzentralen im Zeitraum November 2014 bis Oktober 2015 gezogen.

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