Immobilienpreise Commerzbank-Chefvolkswirt warnt vor Immobilienblase

Altbauwohnungen in Berlin

Altbauwohnungen in Berlin© Tiberius Gracchus - Fotolia.com

Die extrem günstigen Zinsen lassen die Nachfrage nach Wohnimmobilien weiter wachsen. Die Folge: Vor allem in Ballungszentren schießen die Immobilienpreise in die Höhe. Droht bald eine Preiskorrektur?

Baugeld ist extrem günstig, Investitionen in Betongold angesichts der Mini-Zinsen beliebt. Experten sind daher überzeugt: Die Nachfrage nach Wohnraum wird auch im kommenden Jahr hoch bleiben – das treibt die Preise, vor allem in den In-Vierteln der Ballungsräume.

Und inzwischen mehren jedoch sich die Stimmen, die vor Übertreibungen auf dem Immobilienmarkt warnen. „In den deutschen Städten steigen die Immobilienpreise rasant. In ein paar Jahren drohen an den Finanz – und Immobilienmärkten wieder Blasen, deren Platzen große wirtschaftliche Schäden verursachen“, warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Ein wichtiger Grund für die Entwicklung sei die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank: Denn einerseits kann Wohneigentum derzeit extrem günstig finanziert werden, andererseits werden Investoren mangels attraktiver Alternativen in Aktien oder eben in Immobilien getrieben.

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Auch 2015 zogen die Preise für Wohngebäude in Deutschland weiter an. „Der Preisauftrieb auf dem Immobilienmarkt hat sich im bisherigen Jahresverlauf wieder verstärkt“, stellte die Deutsche Bundesbank jüngst in ihrem Monatsbericht November fest. „Je länger die niedrigen Zinsen andauern, umso mehr bestehen für die Marktteilnehmer Anreize, erhöhte Risiken einzugehen“, warnt Claudia Buch, Vizepräsidentin der Bundesbank.

Droht eine Preiskorrektur?

Das Risiko einer Preiskorrektur stuft die Bundesbank derzeit zwar als gering ein – trotz des „vergleichsweise kräftigen Preisanstiegs“. Bisher sei für Deutschland als Ganzes keine Blase zu erkennen. Eigentumswohnungen in Großstädten seien inzwischen jedoch stark überbewertet. Mit anderen Worten: Wer eine Wohnung in begehrter Citylage in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München kauft, muss dafür mitunter viel zu viel bezahlen.

Auch Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater warnte in der Vergangenheit bereits mehrfach vor einer möglichen Immobilienblase: „Hohe Immobilienpreise sind derzeit erklärbar, weil andere Anlageformen kaum Rendite bringen. Das gilt aber nur, solange das Zinsniveau so unnatürlich niedrig ist“, sagte er vor einiger Zeit. Früher oder später rechnet Kater daher mit einer Korrektur an den Immobilienmärkten.

Was Experten für 2016 erwarten

In nächster Zeit dürften die Preise aber erst einmal weiter steigen. Experte Jochen Möbert von der Deutschen Bank rechnet angesichts der hohen Nachfrage vor allem in Großstädten und Ballungsgebieten mit weiter anziehenden Hauspreisen, sollte das Angebot nicht ausgeweitet werden. Die Verteuerung könne sich sogar massiv beschleunigen, sagt Möbius: „Denn Investoren sind händeringend auf der Suche nach sicheren und doch einigermaßen renditeträchtigen Anlagen.“

Auch die Ratingagentur Standard&Poor’s erwartet, dass die Immobilienpreise in Deutschland in den kommenden Jahren weiter anziehen. Zwar hätten sich Immobilien schon in den vergangenen sechs Jahren deutschlandweit durchschnittlich um 20 Prozent verteuert – in den sieben größten Städten Deutschlands sogar um 46 Prozent. Allerdings sei das Niveau zuvor sehr niedrig gewesen. Im internationalen Vergleich seien selbst die deutschen Städte noch immer nicht teuer.

Zinsen auf Rekordtief

Derzeit ist es so günstig wie selten zuvor, den Haus- oder Wohnungskauf zu finanzieren. „Die Zinsen für Wohnungsbaukredite an private Haushalte sind auf einem historisch niedrigen Niveau“, analysiert Franz Eilers vom Verband deutscher Pfandbriefbanken. Aktuell sind Hypotheken mit zehn Jahren Laufzeit nach Angaben der FMH Finanzberatung mit einem durchschnittlichen Zins von 1,56 Prozent zu haben – vor einem Jahr lag das Niveau noch bei 1,71 Prozent, vor drei Jahren bei 2,54 Prozent und vor fünf Jahren bei 3,72 Prozent. Aber wie lange bleiben die Zinsen noch so niedrig?

Nun, stark steigen dürften die Zinsen in nächster Zeit zumindest nicht. Denn die EZB hat angekündigt, den Leitzins noch lange auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen.

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