Gehälter im Mittelstand Welche Chefs verdienen am besten?

Erster! Die Autobranche ist klarer Sieger, wenn man die Chefgehälter einzelner Branchen im Mittelstand miteinander vergleicht. Das ist schön für die Führungskräfte - ob die hohen Gehälter auch für die Unternehmen vorteilhaft sind, ist eine andere Frage.

Erster! Die Autobranche ist klarer Sieger, wenn man die Chefgehälter einzelner Branchen im Mittelstand miteinander vergleicht. Das ist schön für die Führungskräfte - ob die hohen Gehälter auch für die Unternehmen vorteilhaft sind, ist eine andere Frage.© misterQM / Photocase.de

Die Chefgehälter im Mittelstand hängen stark von der Branche ab. In welchen Branchen sahnen Geschäftsführer und CEOs richtig ab?

Gehaltsvergleiche – kaum ein anderes Thema eignet sich so gut, um die eigene Neigung zu Neid und Missgunst zu testen. Oder aber, um den eigenen Marktwert zu checken. Nun bietet die EBS Universität in Oestrich-Winkel neues Futter. Wissenschaftler der renommierten Privatuniversität fragten im Oktober 2016 343 Geschäftsführer, Vorstandsmitglieder und sonstiges höheres Führungspersonal aus dem Mittelstand in einer Online-Befragung nach ihren Gehältern. Das Ergebnis: Die Gehälter variieren stark von Branche zu Branche.

Die Durchschnittsgehälter im Überblick

  • Automobilbranche: 260.000 Euro (185.000 Euro fix und 75.000 Euro variabler Anteil)
  • Maschinen- und Anlagenbau: 238.000 Euro (163.000 fix und 76.000 variabel)
  • produzierendes Gewerbe: 228.000 Euro (159.000 fix und 69.000 variabel)
  • sonstige Branchen: 221.000 (144.000 und 77.000 variabel)
  • Dienstleistungssektor: 190.000 Euro (136.000 fix und 54.000 variabel)

Woran liegt es, dass die Spitzen der Automobilbranche so gut verdienen? „Unterschiede zwischen Manager-Gehältern lassen sich unter anderem durch die Profitabilität der jeweiligen Branche erklären“, sagt Christoph Schneider, Forschungsdirektor der EBS Universität. „Ein sehr gutes Beispiel ist hier die Automobilindustrie, die bei positiver gesamtwirtschaftlicher Entwicklung regelmäßig hohe Gewinne erwirtschaftet.“

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Im Schnitt verdienen Geschäftsführer und Vorstände mittelständischer Unternehmen 232.000 Euro mit einem variablen Anteil von 30 Prozent. Mit 273.000 Euro sind die CEOs (Chief Executive Officers) die Spitzenverdiener unter den Führungskräften, gefolgt von den CFOs (Chief Financial Officers) mit 252.000 Euro. Allerdings spielen laut EBS-Studie auch andere Faktoren als die Branche und die Funktion eine Rolle bei der Höhe des Gehalts. Je größer das Unternehmen, desto mehr bekommt das Führungspersonals. Die höchsten Gehälter werden in Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 100 Millionen Euro bezahlt.

Höhere Gehälter für Frauen in Familienunternehmen

Doch nicht nur Branche und Firmengröße sind entscheidende Faktoren. Die EBS-Studie stellt auch einen Zusammenhang zwischen Geschlecht und Gehalt her. Demnach werden Frauen in Führungspositionen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Im Studiendurchschnitt verdienen Frauen 192.000 Euro. Das sind 19 Prozent weniger als ihre Kollegen. Dieser Gehaltsunterschied ist in Familienunternehmen weniger ausgeprägt. Dort verdienen Männer 231.000 Euro (variabler Anteil: 72.000) und Frauen 212.000 (43.000). Frauen bekommen hier also 9 Prozent weniger. In Nicht-Familienunternehmen beträgt dieser sogenannte Gender-Gap stolze 39 Prozent. Allerdings wurden für die Studie 316 Männer und nur 25 Frauen befragt. Der Großteil der Befragten war also männlich.

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Wie lässt sich erklären, dass Familienunternehmen Frauen besser bezahlen? Die EBS-Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei familiengeführten Unternehmen soziale Themen tendenziell mehr im Vordergrund stehen. Das Thema Gleichberechtigung spiele darum dort eine größere Rolle als in kapitalmarktorientierten Unternehmen.

Eine weitere Erklärung der EBS-Wissenschaftler: Im Kampf um qualifizierte Führungskräfte konkurrieren familiengeführte mit kapitalmarktorientierten Unternehmen. Bewerber nehmen Familienunternehmen zum Teil als weniger attraktiv wahr. Frauen, die sich dort auf Top-Positionen bewerben, hätten darum eine höhere Verhandlungsmacht. Ein weiterer Grund für die bessere Bezahlung liege in der Natur der Sache: In Familienunternehmen übernehmen oft die eigenen Kinder die Geschäfte, also auch Töchter und Enkelinnen.

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