Bankgebühren Warum viele Bankkunden bald mehr fürs Geldabheben zahlen müssen

Schon in zwei Jahren könnten Kunden für das abheben von Geld bei bankeigenen Automaten Gebühren zahlen.

Schon in zwei Jahren könnten Kunden für das abheben von Geld bei bankeigenen Automaten Gebühren zahlen.© Jürgen Fälchle / Fotolia.com

Banken leiden unter den Niedrigzinsen. Viele Institute erhöhen daher die Gebühren, zum Beispiel fürs Geldabheben. Worauf sich Bankkunden einstellen müssen.

Sie wollen Geld bei der Bank anlegen und sparen auf ein neues Auto? Dann seien Sie vorgewarnt, denn auf Bankkunden kommen Gebührenerhöhungen auf breiter Front zu. Kleiner Trost: In Deutschland buhlen so viele Institute um die Gunst der Verbraucher, dass sich Banken nicht alles erlauben können. Dass alle Geldhäuser im hart umkämpften deutschen Markt den Preiswettbewerb überleben werden, ist nach Einschätzung von Aufsehern zudem keineswegs ausgemacht. In ihrem „Finanzstabilitätsbericht 2016“ gibt die Bundesbank jedoch vorsichtig Entwarnung. Wir sagen Ihnen, wofür Sie in Zukunft wahrscheinlich Gebühren zahlen müssen.

Warum dreht die Branche an der Gebührenschraube?

Die Institute tun sich schwer mit dem Geldverdienen. Die wichtigste Ertragsquelle der Banken und Sparkassen in Deutschland ist traditionell der Zinsüberschuss, also die Differenz zwischen dem, was die Institute zum Beispiel für Kredite kassieren und ihren Kunden etwa als Sparzinsen zahlen. Nach Branchenangaben stammen im Schnitt rund 70 Prozent der Erträge aus dieser Quelle. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen im Euroraum faktisch abgeschafft hat, brechen den Instituten Erträge weg. Noch kann die Mehrheit der Häuser nach Einschätzung der Bundesbank Rückschläge verkraften, doch Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret warnt: „Insbesondere für Kreditinstitute mit einem stark zinsabhängigen Geschäftsmodell kann die anhaltende Phase sehr niedriger Zinsen mittel- bis langfristig zu einer ernsten Gefahr werden.“

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Wofür müssen Bankkunden nun zahlen?

Girokonto, Girocard, Geldabheben – der Fantasie der Institute sind keine Grenzen gesetzt. Die Postbank mit ihren 14,3 Millionen Kunden kassiert seit vergangenem Jahr 99 Cent für Überweisungen, die Kunden am Schalter abgeben. Etliche Sparkassen lassen es sich etwa teuer bezahlen, wenn Kunden Münzgeld am Schalter einzahlen wollen. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon ist überzeugt, dass es „in einigen Jahren praktisch nirgendwo mehr kostenlose Girokonten geben wird“. Mit überschüssigen Einlagen kann die Branche derzeit ohnehin nichts anfangen. Und Bankenprofessor Dirk Schiereck prognostizierte kürzlich in der „Bild“-Zeitung: „Bei der Nutzung von bankeigenen Geldautomaten wird schon in ein, zwei Jahren ein Entgelt fällig werden.“ Bargeldversorgung sei für Banken und Sparkassen „einfach eine sehr teure Angelegenheit“, erklärte Schiereck auf Nachfrage.

Können Banken bei Gebühren machen, was sie wollen?

Theoretisch ja. „Es gibt keine Obergrenze für Gebühren“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer. In Europas größter Volkswirtschaft buhlen mehr als 2000 Kreditinstitute um die Gunst der Kunden – deutlich mehr als in anderen Ländern. Kemmer ist daher überzeugt: „Wir haben in Deutschland einen extrem harten Wettbewerb, der wird dafür sorgen, dass die Gebühren nicht in den Himmel wachsen.“ Größte Hürde: Die Kostenlos-Mentalität hat sich verfestigt. „Für die Kunden in Deutschland ist es Normalität, dass sie für die meisten Leistungen nichts bezahlen müssen“, sagt Nils Beier von der Beratungsgesellschaft Accenture. „Daher wird das auch die größte Herausforderung sein, diese Umstellung hinzubekommen.“

Was können Sie als Kunden tun?

Schauen Sie genau hin, raten Verbraucherschützer. Informieren Sie Institute per Brief oder Kontoauszug über Preisänderungen, müsse dies mindestens zwei Monate vor der Umstellung erfolgen. Zudem sei die Bank verpflichtet darauf hinzuweisen, dass Kunden kostenfrei und fristlos kündigen können. Tun sie das nicht, müssen Kunden erhöhte Kosten nicht hinnehmen und können zu viel gezahlte Beträge später zurückfordern.

Müssen Bankkunden nun sogar dafür bezahlen, dass sie Geld anlegen?

Geschäftsbanken müssen für Geld, das sie bei der EZB parken, 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Die Kosten dafür geben etliche an Unternehmenskunden weiter. Vereinzelt langen sie auch bei Privatkunden zu: Für Schlagzeilen sorgte die kleine Volksbank Niederschlesien aus Görlitz, weil sie – als wohl erstes Geldhaus in Deutschland – für die Annahme von Tagesgeld auch von Kleinsparern Gebühren verlangt: Mindestens fünf Euro ab dem ersten Euro. Man wolle ein Signal setzen, begründete Vorstand Sven Fiedler den Schritt im „Handelsblatt“: „Wir wollen keine Trittbrettfahrer anlocken, die nur zu uns kommen, um woanders Gebühren zu vermeiden.“ Bankenverbände sind nach wie vor überzeugt, dass sich Strafzinsen für Privatkunden nicht auf breiter Front durchsetzen werden.

Wie beurteilen Aufseher die Situation?

Bundesbank-Vorstand Dombret attestiert den deutschen Banken eine „nachhaltige Ertragsschwäche“. Die Institute müssten gegensteuern – auch über Mehreinnahmen aus Gebühren für Kontoführung und Zahlungsverkehr. Dombret rät: „Banken sollen neben einer regelmäßigen Überprüfung ihrer Geschäftsmodelle auch über weitere Fusionen, über eine Ausdünnung ihres Filialnetzes und andere Kosteneinsparungsmaßnahmen nachdenken.“ Auch der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, sieht die Branche unter Zugzwang: „Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich Kunden freuen. Mangels alternativer Ertragsquellen lässt sich dieses Angebot aber nicht auf Dauer aufrechterhalten.“ Bankenprofessor Schiereck wertet die Gebührenspirale als „einen Indikator mehr dafür, dass es eng wird“.

Sind bessere Zeiten in Sicht?

Höhere Zinsen sind nicht absehbar. Allerdings wollen Europas Währungshüter auch nicht schuld sein an der dürftigen Ertragslage vieler Banken. „Niedrige oder negative Zinssätze können nicht per se für niedrige Profitabilität verantwortlich gemacht werden“, sagt EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio. Er betont: „Die Geldpolitik hatte einen positiven Effekt auf die Profitabilität der Banken seit 2014.“ So seien etwa Finanzierungskosten gesunken. Notwendig sei nun eine gemeinsame Strategie für den Euroraum, um faule Kredite abzubauen und den in vielen Ländern zu großen Bankensektor gesundzuschrumpfen.

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