Preise von Immobilien bewerten Alles zu teuer? Wie viel Immobilien kosten dürfen

Ist das Haus nun zu teuer oder nicht? Die Preise von Immobilien zu bewerten und und richtig einschätzen zu können ist wichtig vor dem Kauf.

Ist das Haus nun zu teuer oder nicht? Die Preise von Immobilien zu bewerten und und richtig einschätzen zu können ist wichtig vor dem Kauf.© LBS

Immer mehr Experten warnen vor zu hohen Preisen für Immobilien. Aber was ist tatsächlich zu teuer - und was noch akzeptabel? Experten geben Tipps, wie Sie den Preis richtig bewerten.

Keine Frage: Eine Immobilie steht bei vielen Bundesbürgern hoch im Kurs. Schließlich versprechen die eigenen vier Wände Sicherheit. Günstige Kredite machen den Traum für viele zudem erschwinglich: Nach Angaben der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main werden für Hypotheken-Darlehen mit einer Laufzeit von 10 Jahren derzeit durchschnittlich 1,02 Prozent Zinsen verlangt. Eine Finanzierung über 20 Jahre kostet im Schnitt 1,69 Prozent (Stand: 04.10.16). Dass die Zinsen bald wieder steigen, erwartet Max Herbst nicht. Der Inhaber der FMH-Finanzberatung sagt: „Dafür gibt es derzeit keine Anzeichen.“

Die Kehrseite der Medaille: Die Nachfrage steigt. Und das macht Immobilien immer teurer. Das zeigt auch der am Dienstag (18.10.2016) veröffentlichte Wohn-Preisspiegel des Immobilienverbandes IVD. Demnach stiegen im ersten Halbjahr 2016 die Kaufpreise für Eigentumswohnungen um mehr als sechs Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Für Einfamilienhäuser müssen Käufer 4,2 Prozent mehr als im selben Vorjahreszeitraum zahlen. In Ballungsgebieten mit mehr als 500 000 Einwohnern zogen die Preise für Eigentumswohnungen mit mittlerem Wohnwert sogar um 9,4 Prozent an.

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Diesen Trend bestätigt auch der Verband Deutscher Pfandbriefbanken (vdp). Demnach stiegen die Preise für selbst genutztes Wohneigentum im zweiten Quartal dieses Jahres um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Preise für Eigentumswohnungen zogen dabei um 7,3 Prozent an, während der Anstieg bei den Ein- und Zweifamilienhäusern mit 5,9 Prozent etwas geringer ausfiel. Besonders in Ballungsräumen wie Berlin oder München ist dieser Trend deutlich sichtbar.

Einige Experten beobachten diese Entwicklung inzwischen mit Sorge. „Der Immobilienboom nimmt immer mehr Züge einer Blase an“, befand kürzlich beispielsweise Immobilienexperte Ralph Solveen von der Commerzbank. Seiner Ansicht nach koppeln sich die Preise von anderen wichtigen Faktoren ab. So steigen die Immobilienpreise seit 2010 schneller als die Mieten, schneller als das allgemeine Preisniveau und schneller als die Einkommen der Privathaushalte. Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen sieht die Gefahr, dass sich eine Immobilienblase bilden könnte.

Preis der Immobilie richtig bewerten: was Experten raten

Allerdings gibt es auch andere Stimmen: „Die Preise sind zwar in einigen Regionen stark gestiegen“, sagt Hartmut Schwarz, Immobilienexperte der Verbraucherzentrale Bremen. In anderen Regionen sind sie aber weitgehend stabil geblieben.

Eine Immobilienblase dürfte in Deutschland allerdings auch weniger gravierende Folgen haben wie vor einigen Jahren in den USA. Ein wichtiger Grund: In Deutschland ist die Finanzierung meist sicherer aufgestellt als in den Vereinigten Staaten, wo Preisrückgänge von Immobilien massive Konsequenzen für Immobilienbesitzer und die gesamte Wirtschaft hatten.

Um nicht unrealistische Preise für die Traumimmobilie zu zahlen, rät Schwarz Interessenten vor dem Kauf: „Schauen Sie sich den Grundstücksmarktbericht des Gutachterausschusses in Ihrer Region an.“ Dieser lässt sich meist über eine Google-Suche recht einfach finden. Dort können Interessenten erfahren, zu welchen Preisen Immobilien tatsächlich verkauft wurden. „Preise in der Anzeige sind ja immer Wunschpreise des Verkäufers.“

Warnsignale

Außerdem sollten Käufer sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. „Wenn ein Makler oder Verkäufer Druck macht, ist das kein gutes Zeichen“, sagt Schwarz. Wichtig sei es, einen realistischen Preis für eine Immobilie zu ermitteln. Und das brauche manchmal Zeit. Mitunter werde auch versucht, Käufer gegeneinander auszuspielen, weiß der Verbraucherschützer aus der Beratungspraxis: „Bei Besichtigungsterminen mit mehreren Interessenten, sollen dann alle ihr Höchstgebot verdeckt auf einen Zettel schreiben“, erzählt Schwarz. „Das beste Angebot bekommt dann den Zuschlag.“

Wer die Immobilie selbst nutzen will, sollte sich zusätzlich zum Preis auch über die Infrastruktur ein Bild machen. Eine grundlegende Frage nennt Schwarz: „Passt das zu meinen Bedürfnissen?“ Eine gute Infrastruktur kann einen möglichen Wertverlust des Objektes verringern. Wichtig sind unter anderem eine gute Verkehrsanbindung, Geschäfte des täglichen Bedarfs und Schulen. Und nicht zuletzt: „Der Energieausweis muss vorliegen“, sagt Schwarz. Denn ob der Preis für eine Immobilie noch angemessen ist, hängt auch davon ab, ob der anstehende Modernisierungsbedarf groß ist.

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