Investmentclubs Wie funktioniert die demokratische Geldanlage?

Gemeinsam an der Börse unterwegs: In Investmentclubs können sich Anleger mit Gleichgesinnten austauschen und Anlageentscheidungen treffen.

Gemeinsam an der Börse unterwegs: In Investmentclubs können sich Anleger mit Gleichgesinnten austauschen und Anlageentscheidungen treffen.© Mascha Brichta / dpa

In Investmentclubs organisieren sich Menschen, um gemeinsam Geld anzulegen. Entscheidung werden demokratisch getroffen. Wie sind die Clubs organisiert und welche Vor- und Nachteile haben sie?

Wie entwickelt sich der Automarkt? Lohnt sich jetzt der Kauf der Aktien eines Herstellers? Oder werden besser Aktien im Pharma-Bereich gekauft? Diskussionen über solchen Fragen führen Mitglieder von Investmentclubs regelmäßig. In diesen Clubs schließt sich eine Gruppe von Privatleuten zusammen und trifft gemeinsam Geldanlage-Entscheidungen.

Die Clubs bestehen häufig aus 5 bis 15 Mitgliedern, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der Dachverband dieser Clubs in Deutschland ist. Schätzungen gehen von rund 7000 Investmentclubs in Deutschland aus. Da für die privaten Clubs keine zentrale Registrierstelle existiert, gibt es keine genauen Zahlen.

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Meist werden die Mitglieder in Ressorts aufgeteilt, erläutert Kurz. Ein Mitglied hat zum Beispiel die Entwicklung von Aktien im Automarkt im Blick, ein anderes beobachtet den Finanzsektor, ein drittes Mitglied den Gesundheitsmarkt.

Über Anlagen entscheidet die Mehrheit

„Der Informationsaufwand teilt sich auf“, sagt Kurz. Bei den Treffen des Clubs stellen die Mitglieder ihre Beobachtungen vor und geben Empfehlungen. Die Entscheidung über Kauf, Verkauf oder Halten von Anlagen sei dann eine Mehrheitsentscheidung.

Es geht folglich nicht nur um die gemeinsame Geldanlage und das Erzielen von Gewinn. Mitglieder lernen auch mehr über Finanzen und Anlagemöglichkeiten. „Viele wollen die Informationen aus den Treffen in ihrem Club auch für die eigenen Anlagen nutzen“, erklärt Sylvia Schönke, Finanzberaterin von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Auf dem Depot-Konto des Clubs liegt meist mehr Geld als auf den Konten der Einzelmitglieder. Damit könne etwa die Mindestanlagegrenze bestimmter Fonds erreicht werden, die Einzelanleger mit ihren Mitteln vielleicht nicht erreichen, erläutert Schönke. Auch die Bankgebühren seien in der Gruppe niedriger als für den Einzelnen.

Ein weiterer Vorteil: Das Risiko kann durch das größere Kapital des gemeinsamen Club-Depots breiter gestreut werden, sagt Kurz. Vertrauen ist aber nötig. Mitglieder müssen etwa damit leben, dass die Mehrheit Entscheidungen trifft, die sie allein eher nicht getroffen hätten. Kurz sagt: „Wer damit ein Problem hat, lässt es lieber.“

Welcher Club passt zu mir?

Die Bandbreite der Investmentclubs ist groß: Es gibt zum Beispiel Investmentclubs nur für Frauen oder nur für Studenten. Andere sind bunt gemischt und versammeln Menschen aus verschiedenen Schichten und Berufen. Grundsätzlich gilt: Bevor man Mitglied wird, besucht man den Club einmal, zum Beispiel bei einer Versammlung. Es sei wichtig, dass die Chemie stimmt, sagt Schönke. Ein Punkt dabei ist das Risiko, dass bei den Anlagen eingegangen wird. „Wer lieber konservativ anlegt, für den ist ein Club mit höherer Risikobereitschaft nichts.“

Anleger sollten im Vorfeld wissen, worauf sie sich einlassen, betont Schönke. Ihr ganzes Kapital sollte auf gar keinen Fall in einen Club fließen. Wie immer gilt: Das Vermögen sollte über verschiedene Anlageformen verteilt werden, darunter etwa Tagesgeld, Immobilien, Festgeld und Rentenverträge. Investmentclubs können ein Teil davon sein.

Wie findet man Investmentclubs?

Investmentclubs zu finden, ist mitunter gar nicht so einfach. Es müsse räumlich passen, weil die Mitglieder sich regelmäßig treffen, sagt Kurz. Im Internet sind meist nur eher kommerziell aufgestellte Investmentclubs zu finden. Sie haben Mitarbeiter, und über die Anlagen entscheidet in der Regel ein Ausschuss, erklärt der DSW-Experte. „Das ist dann kein Investmentclub im klassischen Sinne mehr.“ Der Einstieg dort sei eher eine Frage der Rendite und Performance.

Hat ein Club über 50 Mitglieder oder verfügt über mehr als 500.000 Euro eingezahlte Gelder, bei denen Kursgewinne und wiederangelegte Gewinne nicht einberechnet werden, benötigt dieser eine schriftliche Erlaubnis von der Bafin und steht unter deren Aufsicht. Dann handele es sich aber nicht mehr um einen Investmentclub, erklärt die Bafin.

Interessierte können auch selbst einen Investmentclub gründen. Der Club wird als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet und braucht mindestens zwei Mitglieder. Im Internet gibt es entsprechende Vertragsentwürfe, etwa auf der Seite des DSW. Die Verträge regeln zum Beispiel das Verfahren mit Beiträgen und Gewinnen. Um ganz sicherzugehen, rät Verbraucherschützerin Schönke dazu, den Vertrag vorab von einem spezialisierten Anwalt prüfen zu lassen.

Investmentclubs dürfen nicht unbegrenzt Einlagen einsammeln

Eine Grenze, die private Investmentclubs beachten müssen: Mehr als 100.000 Euro pro Jahr dürfen sie nicht an neuen Einlagen einsammeln. Andernfalls sind sie unter Umständen in der Pflicht, einen Prospekt über ihre Vermögensanlage zu erstellen. Das sei sehr kostenintensiv und aufwendig, erklärt die DSW auf ihrer Website.

Manchmal wollen Banken Investmentclubs kein Depot-Konto eröffnen. Denn sie brauchen ein Und-Konto, bei denen alle Gesellschafter eine Transaktion mit ihrer Unterschrift bestätigen. Für die Banken bedeute das in der Regel viel Aufwand bei wenig Verdienst, sagt Kurz. „Darum kann die Suche ein wenig dauern.“ Online-Banken seien in aller Regel offener gegenüber den Investmentclubs.

Anleger sollten auch bedenken: An ihr eingezahltes Geld kommen sie häufig erst nach bestimmten Fristen. Für den Austritt gibt es eine Kündigungsfrist. In der Regel kann man zum Ende eines Jahres oder Halbjahres aus einem Investmentclub austreten. „Man kommt natürlich raus aus dem Club“, sagt Kurz. „Aber es ist eben eine Gesellschaft, wo man mit seiner Unterschrift auch eine Verpflichtung eingeht.“

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