Neue Regeln für Immobilienkredite Kommen Immobilienkäufer künftig schwerer an Geld?

Seit März gilt ein neues Gesetz, das Banken vorschreibt, die Kreditwürdigkeit von Kunden bei Immobiliendarlehen genauer zu prüfen.

Seit März gilt ein neues Gesetz, das Banken vorschreibt, die Kreditwürdigkeit von Kunden bei Immobiliendarlehen genauer zu prüfen.© LBS

Kreditinstitute schlagen Alarm: Ein neues Gesetz erschwert aus ihrer Sicht die Vergabe von Immobilienkrediten. Müssen Hausbauer um die Finanzierung der eigenen vier Wände fürchten?

Verschärfte Bestimmungen für die Vergabe von Immobilienkrediten sorgen für Unmut in der Finanzbranche. Durch eine EU-Richtlinie, die im Frühjahr in deutsches Recht umgesetzt wurde, werden die Institute verpflichtet, die Kreditwürdigkeit von Kunden genauer zu prüfen und Darlehensverträge nur abzuschließen, wenn wahrscheinlich ist, dass der Darlehensnehmer seinen Verpflichtungen auch vertragsgemäß nachkommen kann (§505a BGB) . Verbraucher sollen so vor wackligen Finanzierungen geschützt werden.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes Ende März vermeldeten mehrere Sparkassenverbände im zweiten Quartal 2016 einen deutlichen Einbruch der Immobilien-Darlehenszusage. In Baden-Württemberg beispielsweise gingen die Zusagen für Immobiliendarlehen im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurück. Vor Inkrafttreten des Gesetzes – im ersten Quartel 2016 – waren sie noch um 13 Prozent gestiegen.

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Auch andere Sparkassenverbände berichteten auf Anfrage von Rückgängen: In Bayern war es ein Minus um etwa zehn Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, in Niedersachsen um zwölf Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, in Ostdeutschland um 14 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Auch Volksbanken berichten von Gegenwind. Banken wie die ING Diba meldeten hingegen keine Rückgänge.

Banken sind jetzt vorsichtiger bei der Kreditvergabe

Finanzexperte Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) vermutet, dass manche Banken oder Bankberater die Bestimmungen aus Verunsicherung übervorsichtig ausgelegen könnten. „Mancher Bankmitarbeiter sieht sich an der Vergabe eines Immobilienkredites gehindert, obwohl er den Kunden kennt und weiß, dass er das Darlehen zurückzahlen kann“, berichtete Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. So habe ein 80-Jähriger Geld für die Renovierung seiner hypothekenfreien Immobilie gebraucht. Der Mitarbeiter des Kreditinstitutes sei unsicher gewesen, ob er wegen des Alters des Mannes das Darlehen vergeben dürfe.

Unsicherheiten bei der Auslegung des neuen Gesetzes sollten grundsätzlich nicht zu Lasten der Verbraucher gehen, fordert Pauli. Manchmal sei es aber sinnvoll, vorsichtig zu sein. Denn es komme eben nicht nur auf die Sicherheiten an, die der Kunde bietet. „Er muss auch in der Lage sein, das Darlehen zurückzuzahlen. Das ist grundsätzlich sinnvoll“, erläutert Pauli.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bezweifelt, dass die Regeln tatsächlich normalen, finanziell soliden Bankkunden den Weg zum Immobiliendarlehen verbauen würden. „Das hört man zurzeit oft aus dem Lager der Banken – und wir werden das weiter beobachten. Bislang liegen uns dazu aber noch keine Beschwerden vor.“

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