Niedrigzins-Phase Wohin bloß mit dem Geld?

Kleine und mittelständische Unternehmen haben laut einer Studie der Fachhochschule des Mittelstandes und der Commerzbank so viel Geld auf der hohen Kante wie nie.

Kleine und mittelständische Unternehmen haben laut einer Studie der Fachhochschule des Mittelstandes und der Commerzbank so viel Geld auf der hohen Kante wie nie.© chechotkin - Fotolia.com

Dank der guten Konjunktur haben viele Mittelständler ein dickes Finanzpolster. Weil sich die traditionelle Festgeldanlage aber kaum noch lohnt, stehen viele Firmen vor einem Problem: Was tun mit dem vielen Geld?

Dank der guten Konjunktur haben kleine und mittelständische Unternehmen so viel Geld auf der hohen Kante wie nie: Fast sechs Millionen Euro stecken im Schnitt im Sparstrumpf – mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Das ergab eine Studie der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld und der Commerzbank.

Doch angesichts der Niedrigzinsen stecken viele Firmen in einem Dilemma: Klassische Geldanlageformen wie Festgelder bringen so gut wie keine Zinsen mehr. Viele schrecken aber davor zurück, das Kapital längerfristig anzulegen, um zumindest etwas höhere Erträge auf ihr Geld zu bekommen – schließlich könnte man es ja wieder schneller brauchen, als man denkt. Und ein höheres Risiko eingehen? Auch das widerstrebt vielen.

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Keine Rendite ohne Risiko

Um die gewünschte Mindestverzinsung von etwa zwei Prozent zu erreichen, habe bei vielen Mittelständlern inzwischen aber ein Umdenken eingesetzt, heißt es in der Studie. Die Sicherheit der Geldanlage sei zwar nach wie vor das wichtigste Kriterium für Mittelständler. Rund ein Drittel der Befragten würde dafür sogar Negativzinsen in Kauf nehmen.

„Bei den Unternehmen setzt sich aber die Erkenntnis durch, dass spürbare Renditen nicht völlig risikolos erhältlich sind“, sagt Martin Keller, Geschäftsbereichsleiter Product Management bei der Mittelstandsbank der Commerzbank. Fast ein Drittel der Befragten ist bereit, ihr überschüssiges Kapital für eine Verzinsung von bis zu 0,5 Prozent bis zu drei Jahre lang anzulegen. Für eine Rendite von drei Prozent würde jeder Zehnte sogar starke Kursschwankungen in Kauf nehmen.

Mehr Investitionen – weil sich Sparen nicht lohnt

Ein Grund für den Einstellungswandel: Viele glauben nicht mehr daran, dass sich an der vertrackten Lage bald etwas ändert. Mehr als die Hälfte der Befragten geht der Studie zufolge davon aus, dass die Niedrigzinsphase noch drei Jahre dauern wird, fast ein Drittel rechnet sogar mit fünf Jahren.

Immer mehr Mittelständler investieren deshalb ihr Kapital. Die Investitionen seien im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 202 Milliarden Euro gestiegen – so viel wie seit dem Krisenjahr 2008 nicht mehr, teilte die staatliche KfW-Bank am Dienstag mit. Auch in diesem Jahr dürfte sich der Aufschwung bei den Investitionen der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fortsetzen, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bei der Vorlage der repräsentativen Umfrage unter Mittelständlern in Frankfurt.

1 Kommentar
  • Martin Bruch 27. Oktober 2015 16:40

    Leider wurde die anfangs gestellte Frage nicht beantwortet. Eine vernünftige Verzinsung gibt es derzeit einfach nicht!

    Das ist umso problematischer, als viele Firmen für die Verzinsung von zugesagten Betriebspensionen eigentlich zwischen 4 und 6% erwirtschaften müssten.

    Wenn riskante Anlagen vorgenommen werden, betätigt sich der Anleger im Grunde als Versicherung. Er erhält einen kleinen Teil als Grundverzinsung und der restliche, meist größere Teil ist nichts als eine Risikoabsicherung der Gegenseite. Leider zwingt uns die fatale Politik Deutschlands und der EU mit der künstlichen Niedrigverzinsung zu solch wiedersinnigen Verhalten.

    Dagegen sollten wir uns alle soweit möglich zur Wehr setzen.

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