Eigenleistung beim Hausbau Wann es sich für Bauherren lohnt, mit anzupacken

Wer Wände beim Hausbau als Eigenleistung streicht, kann einiges an Geld sparen, muss aber auch viel Zeit einplanen.

Wer Wände beim Hausbau als Eigenleistung streicht, kann einiges an Geld sparen, muss aber auch viel Zeit einplanen.© Fotolia.com - wittybear

Wer ein Haus baut, kann viel Geld sparen, wenn er Wände selbst streicht oder tapeziert. Wann sich Eigenleistung tatsächlich auszahlt - und was Bauherren darüber vorher wissen sollten.

Kosten drücken ist der Hauptgrund für die sogenannte Muskelhypothek, bei der Bauherren selbst Hand anlegen. Keine schlechte Idee in Anbetracht der hohen finanziellen Belastung, die meist mit dem Traum vom Eigenheim einhergeht: Ein Einfamilienhaus kann durchaus um einen fünfstelligen Betrag günstiger werden. Dahinter stecken jedoch Hunderte Stunden Arbeit auf der Baustelle. Zeit, die für Familie, Hobby und Erholung fehlt.

Eine Musterrechnung des Verbands privater Bauherren (VPB) verdeutlicht das Einsparpotenzial am Beispiel eines Reihenhauses mit 140 Quadratmetern Wohnfläche. In München können Eigentümer die angesetzten Baukosten von 254.000 Euro um rund 19.000 Euro reduzieren, wenn sie eigenhändig streichen, gärtnern und tapezieren anstatt Handwerker zu beauftragen. Im preislich günstigeren Raum Leipzig wurden 216.000 Euro für ein vergleichbares Haus angesetzt. Entsprechend fällt die Einsparung mit knapp 16.000 Euro geringer aus als in München. Am meisten lässt sich mit arbeitsintensiven Tätigkeiten wie Wärmedämmung von Dächern, anstreichen, Böden verlegen und Türen setzen sparen.

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Was Bauherren wissen sollten

Die Zahlen sehen auf den ersten Blick nach viel Geld aus. Raik Säbisch vom VPB in Leipzig macht die Gegenrechnung auf: Bauherren müssten dafür 476 Stunden malochen. Umgelegt auf eine 40-Stundenwoche entspricht dies drei Monaten, die zusätzlich zum normalen Job geleistet werden müssen. Diese Belastung werde oft unterschätzt, findet Axel Drückler, Leiter Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin.

Zudem brauchen Laien für die Arbeit einfach länger als Profis: „Wer etwas 1000 Mal macht, dem geht das schneller von der Hand als jemandem, der das einmal macht“. Frust verlängert die Dauer der Eigenarbeit. Das geht zu Lasten der erwünschten Ersparnis. Drückler kalkuliert die Ersparnis ausschließlich nach Arbeitsaufwand. Denn Material und Werkzeug müssen Bauherren kaufen, sparen ist nicht drin. Häufig zahlen sie sogar drauf: „Handwerker bekommen im Fachhandel andere Rabatte als Einzelkäufer“, sagt Drückler.

Kreditgeber erkennen Eigenleistung als Ersatz für Eigenkapital an. „Bis zur Größenordnung von 15.000 bis 20.000 Euro oder maximal fünf Prozent der Baukosten akzeptieren die meisten Institute den Ansatz von Eigenleistungen ohne konkreten Nachweis oder detaillierte Prüfung“, erläutert der Leiter des in Bielefeld ansässigen Baufinanzierungsberaters Enderlein, Christoph Santel. An die Anerkennung höherer Summen knüpften die Geldgeber meistens umfangreiche Bedingungen. Das reiche von Qualifikationsnachweisen derjenigen, die dem Bauherrn unter die Arme greifen sollen, bis hin zur offiziellen Bestätigung eines baubegleitenden Architekten oder Bauträgers. Eine detaillierte Liste mit Stundennachweisen fordern die Banken normalerweise ebenfalls. Das deckt sich mit Erfahrungen von Verbraucherschützer Drückler.

Außerdem setzen Finanzierer einen fiktiven Kapitaldienst auf die Eigenleistungen an. Dieser kann bis zu sechs Prozent der Summe ausmachen. Es ist eine Art Sicherheitszuschlag, falls die Eigenleistung doch nicht erbracht wird, beispielsweise wegen Krankheit. Dann „entsteht ein Nachfinanzierungsbedarf, den der Bauherr in der Lage sein muss, langfristig zu tragen“, erläutert Santel. Wer sämtliche Informations- und Bonitätserfordernisse der Bank erfüllt, könne im optimalen Einzelfall bis zu 50.000 Euro oder 20 Prozent der Bausumme als Eigenleistung verbuchen.

Wie Sie Baukosten und Zinsen sparen

Bauherren, die Mehrarbeit und Bankanforderungen nicht abschrecken, können mit Hilfe von Eigenleistung nicht nur reine Baukosten sparen, sondern darüber hinaus die Kreditkonditionen verbessern. Das wirkt sich gerade bei Beleihungswerten von 80 und 90 Prozent aus. „Bei Einsatz von Eigenleistung kann die Grenze unterschritten werden und zu einem besseren Zinssatz führen“, sagt Santel.

Die Entlastung kann spürbar sein, wie ein Rechenbeispiel auf Basis von 200.000 Euro Gesamtkosten und 10.000 Euro Eigenkapital zeigt: Der Finanzierungsbedarf beträgt 190.000 Euro, die Beleihungsgrenze liegt bei 95 Prozent, der Sollzinssatz ist für 15 Jahre auf 1,90 Prozent festgeschrieben, die Tilgung auf 2 Prozent. Das macht unter dem Strich eine Zinsbelastung von etwa 45.300 Euro aus. Werden zusätzlich zum vorhandenen Eigenkapital 10.000 Euro Eigenleistung eingerechnet, müssen nur noch 180.000 Euro finanziert werden, der Beleihungsauslauf sinkt auf 90 Prozent, der Sollzins auf 1,70 Prozent. Die Zinsbelastung geht insgesamt um 6800 Euro auf rund 38.500 Euro zurück.

Jenseits von Arbeit und Finanzen hat Eigenleistung einen großen Nachteil: Es gibt keine Gewährleistung bei Schäden. Auch nicht wenn diese im Zusammenhang mit von Profis ausgeführten Gewerken auftauchen. „Baufirmen schließen in Verträgen Gewährleistung sehr nachhaltig aus“, warnt Axel Drückler. Tabu sind Arbeiten an Strom und Wasser sowie statikrelevante Arbeiten wie Mauern hochziehen und wegreißen. Ohne Kenntnis von Regeln und Material sollten Bauherren nicht aktiv werden, findet Hartmut Schwieger vom Verband baugewerblicher Unternehmen in Hessen. Sonst richten sie womöglich Schäden an, die sie teurer zu stehen kommen als die erhoffte Einsparung.

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