Leitzinserhöhung in den USA Was die US-Leitzinsentscheidung für Deutschland bedeutet

Fed-Chefin Janet Yellen reagiert mit der Leitzinserhöhung auf die gute Entwicklung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes in den USA.

Fed-Chefin Janet Yellen reagiert mit der Leitzinserhöhung auf die gute Entwicklung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes in den USA.© picture alliance / dpa

Die US-Notenbank Fed leitet das Ende der Niedrigzins-Ära ein - und hebt erstmals seit 2006 den Leitzins in den USA an. Zieht die Europäische Zentralbank jetzt nach?

Die US-Notenbank hat mit der ersten Leitzinserhöhung seit fast zehn Jahren einen Schlussstrich unter die Geldpolitik der Finanzkrise gezogen. Nach Jahren des extrem billigen Geldes geht der Leitzins erstmals wieder nach oben. Er steigt um zunächst 0,25 Prozentpunkte auf ein Zielniveau zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Dies teilte der Offenmarkt-Ausschuss der Federal Reserve (Fed), über die Geld- und Währungspolitik der Vereinigten Staaten entscheidet, nach seiner Dezember-Sitzung am Mittwoch mit.

„Die bedeutet das Ende einer außergewöhnlichen Periode“, sagte Notenbankchefin Janet Yellen nach der Entscheidung. Zuletzt hatte es 2006 eine Erhöhung der Leitzinsen in den USA gegeben. Danach senkte die Notenbank den Zins schrittweise bis auf nahe Null, wo er lange Zeit verharrte. Nach einer Erholung der US-Wirtschaft und der Vorlage stabiler Daten vom Arbeitsmarkt sah die Fed nun den Moment für eine Wende gekommen.

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Das Wirtschaftswachstum in den USA sei rubust, die Situation auf dem US-Arbeitsmarkt habe sich dieses Jahr noch einmal erheblich verbessert, begründete Yellen die Entscheidung. Die US-Arbeitslosenquote sank von über zehn Prozent inmitten der Finanzkrise auf zuletzt fünf Prozent, allein im November kamen über 200.000 neue Stellen hinzu. „Ich bin zuversichtlich, was die grundsätzlichen Treiber der US-Wirtschaft angeht“, sagte sie.

Historischer Wendepunkt mit weitreichender Bedeutung

Bei weiteren Zinserhöhungen will die Fed vorsichtig vorgehen und die Zinsen nur schrittweise ansteigen lassen. Mit dem nächsten Zinsschritt rechnen viele Analysten erst in mehreren Monaten. „Wir erwarten den nächsten Schritt nicht vor Mitte 2016“, sagte Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. Bis 2017 sagen die meisten Experten des Offenmarkt-Ausschusses der Fed eine moderate Steigerung auf ein Niveau von rund 2,5 bis 2,75 Prozent voraus.

Die erste Anhebung der US-Leizinsen seit dem Jahr 2006 markiert einen historischen Wendepunkt – und hat weitreichende Bedeutung. Sie beeinflusst unter anderem den Kurs des Dollars. In der US-Währung werden viele internationale Geschäfte abgewickelt. Zahlreiche Rohstoffpreise werden in Dollar errechnet, Finanzanlagen in Dollar gehalten.

Warum die Aktienkurse jetzt steigen

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, bezeichnete den Schritt als „längst überfällig“. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Bankenverbandes, sieht die Zinserhöhung ebenfalls positiv. „Sie zeigt, dass die Fed dem konjunkturellen Aufschwung in den USA vertraut und die Folgen der Finanzkrise zum größten Teil als überwunden ansieht.“

Der deutsche Aktienmarkt reagierte am Morgen positiv auf die Entscheidung. Der Leitindex Dax legte am Vormittag um fast drei Prozent zu. Der MDax der mittelgroßen Aktienwerte stieg um 1,72 Prozent, der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50, zog um 2,72 Prozent an. Die Zinserhöhung in den USA gilt als Signal der Stärke. Amerikas Wirtschaft wächst, sonst hätte die US-Notenbank den Schritt nicht getan. Mehr Wirtschaftswachstum bedeutet voraussichtlich höhere Unternehmensgewinne. Darauf schaut die Börse.

Steigt jetzt auch der Leitzins in Deutschland?

Aber was bedeutet der Schritt für Europa? Werden nun auch bald die Zinsen im Euroraum erhöht? Nein, sagen Experten. Mit einer Leitzinsanhebung der EZB ist vor 2017 nicht zu rechnen. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Geldschleusen gerade erst noch weiter geöffnet und unter anderem das vor allem in Deutschland umstrittene Kaufprogramm für Staatsanleihen sowie andere Wertpapiere um ein halbes Jahr verlängert. Bis mindestens zum März 2017 sollen so monatlich 60 Milliarden Euro in den Markt gepumpt werden, insgesamt 1,5 Billionen Euro.

Ziel der Maßnahmen ist es, die Konjunktur anzuschieben und die Mini-Inflation im Euroraum nach oben zu treiben. So lange das Programm läuft, wird die EZB den Leitzins nahe der Nulllinie lassen. Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.
Der Euro geriet wenige Stunden nach der Zinsanhebung in den USA wieder unter Druck und kostete rund 1,08 Dollar. Seit dem Frühjahr 2014 hatte Europas Einheitswährung bereits gut 20 Prozent gegenüber dem Dollar verloren.

Eurokurs sinkt

Für Europas Wirtschaft ist das gut: Der schwache Euro stärkt die Exportindustrie, das stützt wiederum die Erholung der Gesamtkonjunktur in Europa. Gleichzeitig werden Importe aus dem Dollarraum teurer, was die Inflation erhöhen dürfte. Die EZB möchte in der Euro-Zone eine durchschnittliche Teuerungsrate von zwei Prozent erreichen. Diese liegt derzeit nur bei 0,1 Prozent.

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