Finanzen + Vorsorge Getreidepreise: Licht und Schatten einer Spitzenernte

2014 war für die Bauern eine gute Erntezeit - über die Preise können sie sich allerdings nicht freuen

2014 war für die Bauern eine gute Erntezeit - über die Preise können sie sich allerdings nicht freuen© Laetitia Seybold

Die Erntemengen auf deutschen Äckern entscheiden längst nicht mehr allein über die Preise. Auf den globalen Rohstoffmärkten zeigt die Tendenz gerade nach unten. Wie kommt das bei den Landwirten und Verbrauchern an?

Die Mähdrescher hatten es am Ende nicht leicht. Sturm, prasselnder Regen und Hagel machten den Abschluss der Ernte 2014 auf manchen Feldern zu einem richtigen Kampf, erzählt Bauernpräsident Joachim Rukwied am Dienstag in Berlin. „Schnappernte“ heiße das im Süden der Republik: „Das Getreide muss vom Halm gestohlen werden.“ Insgesamt ziehen die deutschen Landwirte eine gemischte Bilanz. Zwar kamen so viele Tonnen herein wie seit sechs Jahren nicht. Die längst vom Weltmarkt bestimmten Preise sind aber abgesackt und trüben die Kalkulationen der Höfe – Supermarktkunden können sich dagegen freuen.

Schon seit einiger Zeit können Verbraucher beobachten, dass sich Nahrungsmittel nicht mehr so stark verteuern wie über mehrere Monate zuvor. Im Juli blieben die Lebensmittelpreise mit plus 0,1 Prozent in etwa stabil, wie das Statistische Bundesamt gerade berechnete. Die Ernte 2014 dürfte nun weitere Auswirkungen haben – jedoch nicht pauschal.

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Brot: Getreidepreise nur ein Faktor von vielen

Niedrigere Rohstoffpreise schlagen vor allem auf Rohwaren durch, also lose Kartoffeln und möglicherweise auch auf Pommes frites. Der Bauernverband registriert bereits, dass die Kilopreise für Kartoffeln aktuell mit 60 Cent weit unter dem Vorjahresniveau von einem Euro und mehr liegen. Kaum Effekte hat es dagegen erfahrungsgemäß, wenn die Agrar-Rohware nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten ausmacht. So ist Getreide bei verarbeiteten Produkten wie Brot, Brötchen oder Bier nur ein Faktor unter anderen, etwa den Kosten für Energie und Personal.

Für ihre eigenen Bilanzen blicken die Landwirte mit Sorge auf die Rohstoffpreise. Große Getreidemengen auf den globalen Märkten haben die Summen stark unter Druck gesetzt, die für die Ernte zu erzielen sind. Bei Winterweizen sind aktuell noch 150 Euro pro Tonne drin und damit 30 Euro weniger als im vergangenen Jahr, wie der Bauernverband beobachtet. Bei Roggen sind es noch 120 statt einst 160 Euro. Zum wirtschaftlichen Problem werden kann dies vor allem für Betriebe, die wegen ungünstigen Wetters weniger von den Feldern holen konnten. Dazu kommen teils noch Extra-Kosten, um nasses Getreide zu trocknen.

Ungewissheit durch EU-Sanktionen

Ungewiss sind zudem politische Effekte auf die Agrarmärkte. Da ist zum einen der von Russland als Antwort auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise verhängte Importstopp für EU-Agrarprodukte. Zwar exportiert Deutschland nur 20.000 Tonnen Äpfel im Jahr nach Russland. Beim EU-Partner Polen sind es dagegen 500.000 Tonnen, die ebenfalls auf den europäischen Markt gebracht werden könnten – mit einem Preisverfall wegen des größeren Angebots als möglicher Folge.

Zum anderen fürchten Betriebe im Obst- und Gemüsebau Schwierigkeiten wegen der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. Bei Erdbeeren, Spargel oder Gurken machten Personalausgaben 60 bis 80 Prozent der Gesamtkosten aus. Eine höhere Bezahlung der Erntehelfer müsste wieder hereingeholt werden, damit der Anbau nicht unwirtschaftlich werde. Die Branche hoffe daher darauf, dass die Kunden regionalen Produkten
die Treue halten, sagt Rukwied. „Wir setzen auf höhere Preise.“

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