Finanzen + Vorsorge Gewinner und Verlierer des schwarz-roten Rentenpakets

Die Rente mit 63 bedeutet  für Ruheständler Entspannung - stellt jedoch Gesellschaft und Wirtschaft vor große Herausforderungen

Die Rente mit 63 bedeutet für Ruheständler Entspannung - stellt jedoch Gesellschaft und Wirtschaft vor große Herausforderungen© Darren Baker - Fotolia.com

Kurz vor dem Ziel haben Union und SPD ihren Streit um die Rente mühsam beigelegt. Aber wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Rentenpaket.

Zum ersten Mal seit langer Zeit wird es wieder nennenswerte Verbesserungen für Rentner geben – freilich nicht für alle. Auf das Rentenpaket von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) können sich ältere Mütter, langjährige Beitragszahler und Frührentner freuen. Die Rechnung für die Wohltaten müssen andere bezahlen. Eines ist jedenfalls sicher: Es wird teuer.

Was steckt in dem Rentenpaket?

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Das Paket besteht aus vier Teilen: der verbesserten Mütterrente, der abschlagsfreien Rente ab 63 – das sind die beiden wichtigsten Elemente – sowie Verbesserungen bei Erwerbsminderungsrente und Reha-Leistungen.

Wer profitiert?

Von der Mütterrente profitieren Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen. Sie dürfen mit monatlich gut 26 beziehungsweise 28 Euro (Ost/West) brutto mehr Rente rechnen. Für die abschlagfreie Rente ab 63 gilt: Sie ist möglich nach 45 Beitragsjahren, zu denen auch Zeiten von Kurzzeitarbeitslosigkeit, Zeiten der Kindererziehung, der Pflege von Familienangehörigen und Zeiten mit Bezug von Insolvenzgeld zählen. Die vorzeitige Altersrente für langjährig Versicherte mit 63 Jahren gilt nur für die Geburtsjahrgänge 1951 und 1952.

Wer profitiert von der Rente ab 63 nur eingeschränkt oder gar nicht?

Wer 1953 oder später geboren ist, darf erst jeweils zwei Monate später als 63 in Rente gehen. Die Geburtsjahrgänge 1964 oder danach können – auch mit 45 Beitragsjahren – frühestens mit 65 ohne Abschläge in Ruhestand gehen. Beispiel: Wer 1961 geboren ist, 45 Jahre lang gearbeitet und Beiträge bezahlt hat und sich Hoffnung auf eine abschlagfreie Rente mit 63 gemacht hat, wird enttäuscht sein: Er oder sie muss bis 64 Jahre und sechs Monate – also eineinhalb Jahre länger – im Job bleiben, um ohne Abschlag in Rente gehen zu können.

Was kostet das alles?

Alles zusammen kostet zwischen neun und elf Milliarden Euro pro Jahr und wird zunächst ausschließlich aus den Rücklagen der Rentenkasse bezahlt. Der teuerste Teil ist die Mütterrente, die mit etwa 6,5 Milliarden Euro im Schnitt über die Jahre bis 2030 zu Buche schlägt. Die Rente ab 63 kostet zwischen 2 und 3 Milliarden Euro pro Jahr, die verbesserte Erwerbsminderungsrente – sie bringt den Betroffenen bis zu 40 Euro mehr im Monat zwischen anfangs 200 Millionen und 2030 dann 2,1 Milliarden Euro. Rechnet man alles bis zum Jahr 2030 zusammen, kommt man unterm Strich auf 160 Milliarden Euro: eine auf Dauer angelegte Zusatzbelastung, die selbst bei steigenden Zuschüssen aus der Steuerkasse nur durch vorgezogene Beitragsanhebungen zu stemmen ist.

Wie wirkt sich das auf den Rentenbeitragssatz aus?

Die Milliarden-Mehrbelastungen bleiben nicht ohne Auswirkung auf die Beiträge – und damit auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Zwar soll der aktuelle Beitragssatz von 18,9 Prozent zunächst bis 2018 stabil bleiben. Danach geht es allerdings schneller nach oben als bislang prognostiziert: 2019 sind es voraussichtlich schon 19,7 Prozent – statt wie bislang angenommen 19,1 Prozent. 2025 sind es nach neuer Rechnung dann schon 20,8 Prozent. Nach früherer Prognose sollte der Rentenbeitrag zu jenem Zeitpunkt erst bei 20,3 Prozent liegen.

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