Finanzen + Vorsorge Gleiche Bezahlung von Frauen und Männern: Deutschland unter den Schlusslichtern in der EU

Sonderkonditionen aushandeln: Ob Hotel oder Airline: Wer bei Dienstreisen immer wieder mit demselben Partner zusammenarbeitet, sollte versuchen, Sonderkonditionen auszuhandeln. Das lohnt sich auch schon für mittelgroße Unternehmen.

Sonderkonditionen aushandeln: Ob Hotel oder Airline: Wer bei Dienstreisen immer wieder mit demselben Partner zusammenarbeitet, sollte versuchen, Sonderkonditionen auszuhandeln. Das lohnt sich auch schon für mittelgroße Unternehmen. © Kavita / Fotolia.com

Die Lücke ist groß, zumindest auf den ersten Blick. In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer. Damit schneidet die Bundesrepublik im europäischen Vergleich schlecht ab.

Jedes Jahr im März wird über eine Zahl gesprochen. Am Equal Pay Day erinnern Initiativen, Gewerkschaften und Politiker an die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. In Deutschland ist der Tag in diesem Jahr auf den 20. März gefallen. Im vergangenen Jahr verdienten sie im Schnitt 22 Prozent weniger pro Stunde.

Wie werden die 22 Prozent errechnet?

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Die Berechnung stützt sich allein auf den durchschnittlichen Stundenlohn. Aus den 22 Prozent lässt sich also nicht ableiten, dass alle Frauen in Deutschland 22 Prozent weniger als Männer verdienen. Die Qualifikation der Beschäftigten und ob sie Voll- oder Teilzeit arbeiten, wird nicht berücksichtigt. Daran stören sich Kritiker. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wendet zum Beispiel ein, die Berechnung sei „kein Indikator für mögliche Diskriminierung, denn er vergleicht eben gerade nicht vergleichbare Tätigkeiten miteinander“.

Warum gibt es die Ungleichheit?

Die Statistiker führen rund zwei Drittel der Differenz darauf zurück, dass Frauen in eher schlechter bezahlten Berufen tätig sind – zum Beispiel als Reinigungskraft (Frauenanteil 85 Prozent) oder Verkäuferin (73 Prozent). Deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten in Teilzeit, deutlich weniger in höheren Führungsebenen.

Das letzte Drittel der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern lässt sich daraus aber nicht erklären: Dem Statistischen Bundesamt zufolge verdienen Frauen auch bei ähnlicher Tätigkeit und Qualifikation im Schnitt sieben Prozent weniger pro Stunde als ihre männlichen Kollegen. Das wird unter anderem damit erklärt, dass Frauen häufiger eine Auszeit vom Beruf nehmen – um sich um Kinder zu kümmern oder Angehörige zu pflegen. Und sie treten bei Gehaltsverhandlungen anders auf.

Wie schneidet Deutschland im europäischen Vergleich ab?

Denkbar schlecht. EU-weit betrug der Rückstand 2013 lediglich 16 Prozent. In Slowenien zum Beispiel verdienten Frauen im Schnitt 3,2 Prozent weniger als Männer, in Italien 7,3 Prozent. Nur in Estland (30 Prozent), Österreich (23 Prozent) und Tschechien (22 Prozent) war die Lücke noch größer als hierzulande.

Wird die Lücke durch den Mindestlohn geringer?

Davon gehen Experten zumindest aus. „Wenn der Mindestlohn eingehalten wird, werden Frauen davon profitieren, weil eben der größere Teil derjenigen, die unter 8,50 Euro verdient haben, Frauen waren“, sagt Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Auch Hermann Gartner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet einen solchen Effekt. Erhebungen gibt es aber noch nicht.

Wie soll die Ungleichheit sonst noch überwunden werden?

Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf festgelegt, die Entwicklung zumindest abzumildern. Ein Ziel ist demnach, dass Unternehmen ab 500 Beschäftigte künftig transparenter machen sollen, was Frauen und Männer verdienen. Einen Gesetzesentwurf gibt es allerdings noch nicht.

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