Finanzen + Vorsorge Griechenlands gefährliches Kapitalmarkt-Comeback

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Blick auf Athen

Blick auf Athen© anastasios71 - Fotolia.com

Vier Jahre nach der Beinahe-Pleite hat Griechenland wieder Milliarden auf dem Kapitalmarkt eingesammelt. Doch Athens neue Schulden sind kein positives Zeichen für Stabilität, sondern eine ernstzunehmende Gefahr, schreibt Unternehmerin und impulse-Bloggerin Marie-Christine Ostermann.

Zum ersten Mal nach vier Jahren gibt Griechenland wieder Staatsanleihen aus. Das Ziel ist, sich wieder unabhängiger von den Auflagen und Kontrollen der Eurogruppe, der EZB und des IWF zu machen. Allerdings kann die Rückkehr an den Kapitalmarkt nicht als Zeichen für eine Besserung der Verhältnisse in Griechenland interpretiert werden. Denn die hohe Nachfrage nach griechischen Staatsanleihen von überwiegend Hedgefonds zeigt, dass die Finanzinvestoren die politische Augenwischerei bei der Euro-Rettung durchschauen und darauf vertrauen, dass Griechenland im Notfall wieder von der EZB gerettet wird und somit wieder Andere die Zeche zahlen.

Mit Hilfe der Haftung anderer europäischer Staaten und Steuerzahler präsentiert Griechenland seine vermeintliche Unabhängigkeit. Rund 5 Prozent Rendite zeigen aber, dass der Kapitalmarkt die Bonität Griechenlands als schwach einschätzt. Und das mit gutem Grund: obwohl das Land seit 2010 bereits 380 Milliarden Euro an internationaler Hilfe erhalten hat, was 177 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts entspricht, sind die Schulden insgesamt auf inzwischen rund 190 Prozent des Bruttoinlandsproduktes weiter gestiegen.

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Ein geschönter Haushalt und zusätzliche Schulden

Dennoch wurden nicht einmal die Hälfte der geforderten Reformauflagen umgesetzt. Es ist ganz klar: Griechenland kann schon die bisherigen Schulden nicht wie vereinbart bedienen. Es hat seine fehlende Schuldentragfähigkeit mehrfach als Grund angeführt, um von den öffentlichen Geldgebern, also letztendlich den Steuerzahlern, niedrigere Zinsen und spätere Rückzahlungstermine zu verlangen. Nun sieht sich Griechenland mit geschöntem Haushalt am Ende seines Spar- und Reformkurses und macht weiter zusätzliche Schulden bei privaten Geldgebern.

Griechenlands neue Schulden sind kein positives Zeichen neu gewonnener Stabilität, sondern eine ernstzunehmende Gefahr für den Euro. Noch mehr griechische Schulden helfen weder Griechenland noch Europa und dem Euro weiter. Stattdessen braucht Griechenland ein tragfähiges Geschäftsmodell, so dass Unternehmen wieder Vertrauen erlangen und bereit sind, wieder in das Land zu investieren und Geschäfte mit Griechenland zu machen. Trotz einiger Fortschritte reichen aber bisher die Reformmaßnahmen in Griechenland bei weitem nicht aus.

Fehlende Problemlösung und Enteignung der Sparer

Klar ist auch: ohne größeren Schuldenschnitt wird Griechenland nie von seinen hohen Schulden herunterkommen. Die billige Geldpolitik der EZB mildert zwar die Strukturprobleme in Griechenland und anderen Euroländern vorübergehend ab, löst aber die Probleme dauerhaft nicht und enteignet dazu noch die Sparer. Schulden zu machen lohnt sich durch die niedrigen Zinsen mehr als Sparen. Das ist auf Dauer eine gefährliche Entwicklung. Es scheint, als wurde aus der Finanz- und Schuldenkrise bisher nichts gelernt.

Auch Frankreich und Italien wollen noch mehr Schulden machen beziehungsweise mehr Zeit bekommen, ihre Haushaltsdefizite abzubauen. Und Deutschland als ehemaliges Reform-Vorbild für andere Euroländer macht mit seinen Renten– und Mindestlohnbeschlüssen eine große Rolle rückwärts. Doch nur die glaubwürdige und verbindliche Einhaltung der klar vereinbarten Schuldengrenzen zusammen mit der mutigen, konsequenten Umsetzung struktureller Reformen sichern nachhaltig den Weg zurück zu einem wettbewerbsfähigen Europa mit einem langfristig stabilen Euro.

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