Finanzen + Vorsorge Handelsplatz für unbezahlte Rechnungen

Konsequentes Eintreiben von Rechnungen ist gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten wichtig. Eine interessante Alternative zum herkömmlichen Kostenmanagement finden Firmenchefs im Internet. Auf einem Marktplatz können Sie überfällige Forderungen handeln.

Fast 100 Millionen Euro verlieren deutsche Firmen jeden Tag durch Pleiten ihrer Kunden, so eine Berechnung von impulse. Ein stringentes Mahnwesen und effektives Kostenmanagement werden in dieser Situation überlebenswichtig. Eine einfache Möglichkeit, damit Firmenchefs für lange nicht bezahlte Rechnungen doch noch Geld sehen, bietet die Internetseite www.debtster.com. Dort können Unternehmer überfällige Forderungen zum Kauf anbieten.

Die Geschäftsidee basiert auf dem im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerten Prinzip des „Forderungsverkauf mit Aufrechnungsmöglichkeit“. Beispiel: Unternehmer B hat eine überfällige Forderung von 1.000 Euro gegenüber Firmenchef C. Geschäftsführer A. schuldet C aber auch noch 1.000 Euro.

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A hat jetzt zwei Möglichkeiten. Er kann seine Schuld bezahlen. Oder er rechnet sie mit einer Gegenforderung auf. Hat er keine eigene Gegenforderung, kann er auch die eines anderen Unternehmens gegen seinen Schuldner aufkaufen. „Eine im Geschäftsleben durchaus gängige, aber aufwändige Methode“, weiss Rudolf Hübner, Leiter für Steuer- und Gesellschaftsrecht der Internationalen Anwaltssozietät Osborne-Clarke in Köln aus Erfahrung. „Denn eine passende Gegenforderung ist schwer zu finden.“

Hier kommt www.debtster.com ins Spiel. Denn im Internet finden Schuldner und Gläubiger eines Geschäftspartners, die sich im normalen Geschäftsalltag vielleicht nie begegnet wären, relativ einfach zusammen. Gläubiger tragen, nach Registrierung und Zahlung einer Jahresgebühr von 480 Euro, ihre Forderungen in eine Datenbank ein. Diese lässt sich nach verschiedenen Kriterien wie Firmenname, Handelsregisternummer oder Postleitzahl durchsuchen. Ist eine passende Gegenforderung gefunden, stellt debtster den Kontakt her. Bei einer erfolgreichen Vermittlung wird eine Provision zwischen einem und fünf Prozent der Forderungssumme fällig, je nach Höhe der gehandelten Summe. „Stellt sich heraus, dass die Forderung in der genannten Höhe nicht zu halten ist, wird der Kauf rückabgewickelt“, verspricht Claudia Esser, Vorstand der Abakus Wertkontor AG, Betreiber von debtster.com.

Doch mit Debtster lassen sich nicht nur überfällige Forderungen eintreiben. „Die Datenbank ist auch ein hervorragendes Instrument, um die Beschaffungskosten zu drücken“, sagt Klaus Bothmer von der Messer Griesheim GmbH in Krefeld. Denn Einkäufer können Forderungen zu einem geringen Preis als dem Nennwert einkaufen. Und diese mit anstehenden Geschäften verrechnen. Wer eine 1000 Euro-Forderung gegen einen Geschäftspartner für 900 Euro erwirbt, kann diese beim nächsten Geschäft mit dem Nennwert verrechnen. Eine Ersparnis von zehn Prozent in diesem Fall. Auch ein Weg aus der Krise.

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