Finanzen + Vorsorge Höhere Zinsen: Soll ich mein Geld im Ausland anlegen?

Sparbuch: Trotz Minizinsen immer noch eine beliebte Anlageform

Sparbuch: Trotz Minizinsen immer noch eine beliebte Anlageform© M. Schuppich - Fotolia.com

Sparbuch, Tagesgeld und Co. sind in Deutschland der Renner - trotz Minizinsen. In manchen EU-Ländern gibt es höhere Zinsen für Bankeinlagen. Doch wer im Ausland Geld anlegen will, sollte genau hinschauen: Der Teufel steckt im Detail.

Minizinsen im Euroraum nagen an den Ersparnissen der Verbraucher. Sparbuch, Tagesgeld und Co. werfen kaum noch etwas ab. Dennoch steckt das Geld der Bundesbürger vor allem in Bankeinlagen. Von den 5,011 Billionen Euro Geldvermögen im dritten Quartal 2014 entfielen nach jüngsten Zahlen der Bundesbank fast 40 Prozent auf Bargeld und Spareinlagen. In manchen EU-Ländern gibt es zwar mehr für den Spargroschen als in Deutschland. Bankenexperten und Verbraucherschützer mahnen aber zur Vorsicht.

Laut Europäischer Zentralbank (EZB) erhalten Sparer in Frankreich und den Niederlanden für Anlagen von bis zu einem Jahr derzeit im Schnitt 1,8 Prozent Zinsen, in Italien sind es immerhin noch 1,3 Prozent. In Deutschland gibt es gerade einmal 0,6 Prozent.

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Das Beispiel Island zeigt: Geldanlage im Ausland kann schief gehen
„Die Höhe der Zinsen spiegelt auch das Risiko des jeweiligen Bankenmarktes wider“, erklärt Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim. Wie schnell es schiefgehen kann, zeigt das Beispiel der isländischen Kaupthing Bank: 30.000 Sparer aus Deutschland ließen sich von den Isländern, die nicht in der EU sind, mit immens hohen Tagesgeldzinsen locken – und mussten nach der Pleite der Bank im Oktober 2008 monatelang um ihr Geld bangen.

In der Europäischen Union sind zumindest die Guthaben von Kleinsparern in einer Höhe von bis zu 100.000 Euro komplett geschützt. In mehreren Ländern, darunter in Deutschland, gibt es zusätzliche Sicherungssysteme der Finanzbranche für Kunden, die mehr Geld anlegen wollen.

Warum bei Pleite auch Einlagensicherung nicht immer schützt
Das Internet und auf Geldanlage spezialisierte Portale machen den Zinsvergleich leicht. Warum also nicht online ein Festgeldkonto bei einer bulgarischen Bank eröffnen, die 2,10 Prozent für ein Jahr bietet? Bis zu 100.000 Euro sind durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.

„Einlagensicherung ist aber nicht gleich Einlagensicherung“, warnt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Hat sie genug Geld, um auch mit der Pleite einer größeren Bank fertig zu werden?“ Andernfalls müsse im Zweifelsfall der Staat und damit der Steuerzahler einspringen. „Die Frage ist, ob Steuerzahler eines Landes bereit sind, auch Gelder ausländischer Kunden zu retten.“ Wer seine Ersparnisse sicher anlegen wolle, komme kaum an der deutschen Einlagensicherung vorbei. „Sie ist die sicherste in Europa“, sagt Nauhauser.

Bankgebühren können Zinsvorteil auffressen
In der Bankenbranche werden Lockvogelangebote aus dem Ausland kritisch gesehen. „Im Bewusstsein vieler Menschen hat sich inzwischen die Erwartungshaltung festgesetzt, dass Bankdienstleistungen nichts kosten dürfen“, bilanzierte kürzlich der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke. Im Gegenzug gerieten Banken und Sparkassen „immer stärker in Erklärungsnöte …, wenn sie für ihre Leistungen noch eine Gegenleistung in Form von Zinsen und Gebühren nehmen“ – oder eben weniger Sparzinsen anbieten als die Konkurrenz.

Sparer sollten zudem nicht nur auf die Höhe der Zinsen und die Einlagensicherung achten. Bankenexperte Burghof weist darauf hin, dass beispielsweise in Italien Bankgebühren tendenziell höher als in Deutschland sind. Das könne den Zinsvorteil auffressen. In Frankreich wiederum sei das Bild durch das staatlich garantierte Volkssparbuch Livret A verzerrt, das traditionell mit etwas höheren Zinsen locke.

Viele Banken nutzen Tagesgeld-Angebote mit Top-Zinsen oder gar Boni, um Neukunden zu gewinnen. Doch so manche Top-Zinsen sind nur für wenige Monate oder nur bis zu einer bestimmten Geldsumme im Angebot. Burghof formuliert es so: „Die Idee, dass der Kapitalmarkt irgendetwas verschenkt, ist Wunschdenken.“

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