Finanzen + Vorsorge Honorarberater: Unabhängig, aber kaum gefragt

Honorarberater bieten Finanzberatung gegen ein fest vereinbartes Entgelt.

Honorarberater bieten Finanzberatung gegen ein fest vereinbartes Entgelt.© Halfpoint - Fotolia.com

Unabhängige Geldanlage-Berater, die gegen Honorar arbeiten statt Provisionen zu kassieren, sind eine Rarität. Das Nischendasein wollte die Politik per Gesetz beenden. Eine erste Bilanz für den neuen Beruf fällt ernüchternd aus.

Die Idee ist simpel und das Ziel klar: Verbraucher sollen bei Geldanlagen stärker auf unabhängige Berater setzen können, die – losgelöst von Produkt- und Provisionsinteressen – mit Kunden ein Honorar vereinbaren. Eine Alternative zum verbreiteten Provisionsmodell, bei dem Vermittler vom Verkauf von Finanzanlagen profitieren und nicht immer die passenden Produkte veräußern.

Um einer fairen Finanzberatung gegen ein fest vereinbartes Entgelt zum Durchbruch zu verhelfen, wurde das Honoraranlageberatungsgesetz auf den Weg gebracht. Es trat zum 1. August 2014 in Kraft – die erhoffte Trendwende aber blieb bisher aus. Die Zulassungszahlen jedenfalls sind mehr als bescheiden. Bei der Finanzaufsicht Bafin sind gerade einmal 14 Honorar-Anlageberater registriert, beim Vermittlerregister des DIHK waren Ende September nur 45 Honorar-Finanzanlageberater gemeldet.

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Zum Vergleich: Bis 30. September 2014 waren nach Erhebungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gut 241.000 Versicherungsvermittler registriert, mehr als 41.217 Berater hatten eine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach der Gewerbeordnung. Die Honorarberatung fristet also weiter ein Nischendasein. Und das bei zweigeteilter Aufsicht: Einmal nach dem Kreditwesengesetz durch die Bafin und nach der Gewerbeordnung durch Gewerbeämter.

Kritik von Verbraucherschützern

Für Verbraucherschützer ist die Sache klar: „Das Gesetz ist schlecht“, sagt Dorothea Mohn. Als einen Grund nennt die Finanzexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die Begrenzung auf wenige Produkte. So sei nur die Beratung zu Wertpapieren und Vermögensanlagen geregelt. Andere Kapitalanlagen wie Versicherungen oder Spareinlagen seien ausgenommen.

Vor allem: Die Entgelte für den Honorarberater müssen laut Mohn mit Provisionen auch vergleichbar sein. Was bisher aber nicht möglich sei wegen fehlender Transparenz bei der Provisionsberatung. Provisionen müssten eindeutig und separat auf den Tisch gelegt werden: „Solange kein klares Preisschild an der Provisionsberatung hängt, wird der Wettbewerb unterbunden.“ Die Ursprungsidee – so das Fazit von vzbv-Expertin Mohn – sei bisher nicht umgesetzt worden.

Unklare Berufsbezeichnung

Im Grunde ist schon der Begriff das Problem. Mit dem Gesetz wurde zwar ein eigenes Berufsbild des unabhängigen Honorarberaters im Anlagebereich geschaffen. Viele Verbraucher können mit dem Namen „Honorarberater“ aber kaum etwas anfangen. Ist das jemand, der zu Honoraren berät – so ganz allgemein? Weil der Steuerberater zu Steuern berät und der Ernährungsberater zur Ernährung. An Finanzanlagen denkt man beim „Honorarberater“ nicht automatisch.

Entsprechend ernüchternd fällt auch eine Studie des Private Finance Institutes der EBS Business School aus. Danach kann von den mehr als 1000 befragten Verbrauchern mehr als Hälfte mit dem Thema nichts anfangen. Von den 46 Prozent, die schon mal von Honorarberatung gehört haben, konnte laut PFI nicht einmal jeder Dritte das Konzept richtig beschreiben. Ganze 2,5 Prozent der Befragten hätten bisher ein Honorarberatungsangebot genutzt.

Und noch etwas ergab die Studie: Die meisten Verbraucher hätten keine Ahnung über die Höhe von Abschlussprovisionen klassischer Anlage- und Vorsorgeprodukte. Erfahrungen von Finanzberatern zeigen auch, dass Kunden sich bei Geldanlagen natürlich gern neutral beraten lassen, aber dafür ungern – anders als etwa beim Steuerberater – auch eine anständige Vergütung zahlen.

Reform von Union und SPD vereinbart

Die Branche ist dennoch optimistisch. „Deutschland wird noch fünf bis sechs Jahre brauchen, dann hat sich die Honorarberatung auch hierzulande etabliert“, sagt Karl Matthäus Schmidt, Chef der Quirin Bank und Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands deutscher Honorarberater. Der Glaube an die Provisionsberatung sei trotz aller Skandale zwar ungebrochen. „Dennoch ist der Trend nicht aufzuhalten“, gibt sich Schmidt im Branchenblatt „Der Honorarberater“ optimistisch. Dafür würden neue Vorgaben der EU sorgen.

Auch Union und SPD haben eine Reform vereinbart. Honorarberatung könnte dann für alle Finanzprodukte vorangetrieben werden. Was die Forderung nach mehr Transparenz bei der Provisionsberatung betrifft, da ist Verbraucherschützerin Mohn weniger hoffnungsvoll: „Da wird die Finanzlobby noch mächtig dagegenhalten.“

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