Finanzen + Vorsorge Immobilienpreise in Deutschland: Land-Schnäppchen und Stadt-Wucher

Eine Immobilie in Berlin-Friedrichshain

Eine Immobilie in Berlin-Friedrichshain© GSW

In Zeiten niedriger Zinsen suchen viele Sparer nach Alternativen. "Betongold" gehört dazu. Die Immobilienpreise sind gerade in Städten und bevölkerungsreichen Regionen deutlich gestiegen - im Gegensatz zu ländlichen Gegenden. Experten zufolge dürfte sich dieser Trend fortsetzen.

Käufer von Häusern und Wohnungen müssen sich in den kommenden Jahren vielfach auf weiter steigende Preise einstellen. Allerdings wird es künftig auch weiterhin regional sehr große Unterschiede geben. Das ist das Ergebnis des Immobilienmarktberichts, den der Arbeitskreis der amtlichen Gutachterausschüsse am Dienstag in Berlin vorstellte.

Dabei setzte sich ein Trend fort, der bereits in der jüngsten Vergangenheit zu beobachten war: Während in Städten und bevölkerungsstarken Gebieten die Preise häufig sehr stark gestiegen sind, gab es vor allem in ländlichen Regionen Rückgänge von bis zu 15 Prozent. Insgesamt sei der Immobilienmarkt in Deutschland sehr robust, heiß es.

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Die vorgestellten neuesten Daten beziehen sich auf das Jahr 2012 und wurden auf der Grundlage von rund einer Million Kaufverträge aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengestellt. Demnach stieg der Wert der in Deutschland verkauften Immobilien im untersuchen Zeitraum auf den höchsten Stand seit dem Krisenjahr 2008. Bundesweit wechselten 2012 demnach Immobilien im Wert von 170 Milliarden Euro den Besitzer. Das sei ein Plus von 30 Prozent gegenüber 2009, als sich die Immobilienwirtschaft von der Finanzkrise zu erholen begann. Etwa zwei Drittel der Kaufverträge 2012 betrafen Wohnimmobilien. „Gerade in den Städten wird wieder mehr investiert, das erklärt die deutlichen Steigerungen“, betonte der Sprecher des Arbeitskreises, Siegmar Liebig.

Riesige Preisunterschiede

Bei den Preisen für Wohnimmobilien gibt es der Studie zufolge regional sehr große Unterschiede: Diese Tendenz dürfte sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Ein Beispiel: Bei freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern in mittlerer Lage bewegt sich der Preis pro Quadratmeter Wohnfläche auf Länderebene zwischen 720 Euro (Sachsen-Anhalt) und 2950 Euro (Hamburg). Am teuersten ist dem Bericht zufolge die Stadt München mit knapp 6100 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von den Landkreisen München mit 5450 Euro und Starnberg 4160 Euro.

Besonders niedrig liegen die Preise für freistehende Einfamilienhäuser in Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt. In solchen Regionen mit schrumpfender Bevölkerungszahl zahlen Käufer häufig unter 550 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei den Eigentumswohnungen: Hier verzeichneten die Experten eine kontinuierliche Zunahme bei der Zahl der Kaufverträge. 2012 waren es demnach 284.000 – ein Plus von rund 12 Prozent innerhalb von drei Jahren. Der Wert der verkauften Immobilien stieg mit 23,5 Prozent sogar deutlich stärker. Konkret heißt das: Gebrauchte Eigentumswohnungen in mittlerer Lage kosteten zwischen 590 Euro pro Quadratmeter (Sachsen-Anhalt) und 2370 Euro (Hamburg). Einen Spitzenplatz nahm erneut München mit den umliegenden Kreisen ein. Doch auch die Städte Hamburg, Frankfurt/Main, Freiburg sowie die ostfriesischen Küstenregionen und die zugehörigen Inseln landeten weit vorn.

Starke Preissprünge auch bei Äckern

Starke Sprünge beobachteten die Experten auch bei landwirtschaftlich genutzten Flächen: Seit 2006 seien im Norden und Nordosten die Preise fast auf das Doppelte gestiegen. „Die Landwirte investieren derzeit kräftig in Anlagen zur Produktion von erneuerbaren Energien und es entstehen ganz ordentliche Gewinne, die in Bodenankäufe reinvestiert werden“, erläuterte der Redaktionsleiter des Berichts, Peter Ache. Das spiegele sich in den Preisen für die Landwirtschaftsflächen wider.

Der Arbeitskreis trägt die Ergebnisse auf Grundlage der tatsächlichen Kaufverträge zusammen. In Deutschland gibt es derzeit 1380 örtliche Gutachterausschüsse, deren Anzahl sich zwischen den Bundesländern aber stark unterscheidet. Der Immobilienmarktbericht beleuchtet Preisentwicklungen und untersucht Veränderungen der Bevölkerungsstruktur in den einzelnen Regionen.

 

Die Gutachterausschüsse:
Daten des Immobilienmarkts gibt es viele, von Immobilienfirmen, Maklern, Banken und Bausparkassen. Hinter den Studien steht meist ein Interesse des Auftraggebers. Die Zahlensammlung des Arbeitskreises der Gutachterausschüsse gilt hingegen als neutral. Bundesweit gibt es 1380 örtliche Gutachterausschüsse. Sie wurden in den 1960er Jahren eingerichtet, um nach der Abschaffung eines gesetzlichen Preisstopps die Preisentwicklung von Immobilien beobachten zu können. Die Experten arbeiten ehrenamtlich. Ein Arbeitskreis fasst die bundesweiten Ergebnisse seit 2010 alle zwei Jahre zusammen.

Die Datensammlung:
Noch machen nicht alle regionalen Gutachterausschüsse bei der Datensammlung mit. Die jüngste Datenerhebung für 2012 erfasst immerhin 78 Prozent der Fläche Deutschlands. Grundlagen bildeten rund eine Million Kaufverträge. Die Notare, die sie beurkunden, sind per Gesetz verpflichtet, sie an den zuständigen Gutachterausschuss zu schicken. Die bundesweiten Angaben des Arbeitskreises sind Hochrechnungen.

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