Finanzen + Vorsorge Inflation in Deutschland bleibt niedrig

Auch wenn die Krise im Irak die Energiepreise im Juni nach oben getrieben hat: Die Inflation in Deutschland bleibt nach dem Vierjahrestief im Vormonat niedrig. Das freut Verbraucher, zumal die Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln wohl gestoppt sind.

Die Inflation in Deutschland bleibt niedrig. Im Juni stieg die jährliche Teuerungsrate zwar leicht von 0,9 Prozent im Vormonat auf 1,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag nach vorläufigen Zahlen in Wiesbaden mitteilte. Allerdings war die Rate im Mai auch auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren gefallen. Zum Mai stiegen die Preise um 0,3 Prozent.

Gebremst wurden die Preissteigerungen im Juni auf Jahressicht erneut von sinkenden Energiepreisen. Dabei waren Kraftstoffe und Haushaltsenergie allerdings nur noch um 0,3 Prozent günstiger als vor einem Jahr – nach minus 0,8 Prozent im Vormonat. Auf Monatssicht dürfte Energie sogar teurer geworden sein. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Details erst am 11. Juli. Nach Angaben von hessischen Landesstatistikern war Benzin im Juni aber 2,8 Prozent teurer als im Mai, Diesel kostete 1,5 Prozent mehr und Heizöl 1,1 Prozent.

Anzeige

Dienstleistungspreise ziehen an

„Der Anstieg der Inflation in Deutschland war zum Teil von den Spritpreisen getrieben, die leicht zulegten“, sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. Wegen der Krise im Irak und des etwas schwächeren Euros seien die Ölpreise gestiegen. Das habe sich auch an den Tankstellen bemerkbar gemacht.

Überdurchschnittlich stark kletterten im Juni allein die Preise für Dienstleistungen, die zum Vorjahr um 1,6 Prozent zulegten. Hingegen ist der in den vergangenen Monaten teilweise sehr starke Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln gestoppt: Im Juni kostete Nahrung genauso viel wie vor einem Jahr.

Trotz des leichten Anstiegs im Juni liegt die Inflationsrate nach wie vor weit entfernt vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB), die stabile Preise mit einer Inflation von knapp unter 2,0 Prozent anstrebt. Wegen der anhaltend deutlich niedrigeren Werte hatten die Währungshüter Anfang Juni ein umfangreiches Anti-Krisenpaket gegen die zu geringe Teuerung gestemmt. Unter anderem senkte die EZB den Leitzins im Euroraum auf das Rekordtief von 0,15 Prozent. Im Euroraum war die Teuerungsrate im Mai auf 0,5 Prozent gefallen.

Verbraucher in Kauflust

Aus Sicht von Commerzbank-Ökonom Marco Wagner ist nach den Zahlen aus Wiesbaden eine deutlich höhere Teuerungsrate auch in der Eurozone unwahrscheinlich. Zwar werde die Inflationsrate im Euroraum im Juni leicht auf 0,6 Prozent anziehen, aber voraussichtlich mindestens bis Ende des Jahres unter einem Prozent bleiben.

Dass der Preisdruck trotz des robusten Arbeitsmarktes und steigender Einkommen so niedrig ist, befeuert die Kauflust der Verbraucher. Erst am Mittwoch hatte das Marktforschungsunternehmen GfK mitgeteilt, dass die Stimmung der deutschen Verbraucher derzeit so gut sei wie seit siebeneinhalb Jahren nicht mehr.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.