Finanzen + Vorsorge Inkassoverband: Zahlungsmoral der Deutschen bessert sich

Die Inkassofirmen sind derzeit zufrieden mit der Zahlungsmoral in Deutschland. Doch das könnte sich schnell wieder ändern, fürchten sie. Daran sei auch eine gesetzliche Neuregelung zur Verbraucherinsolvenz schuld.

Die Zahlungsmoral in Deutschland hat sich dank guter Konjunktur auf einem hohen Niveau stabilisiert. Das hat eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) bei seinen Mitgliedsunternehmen ergeben. Von ihnen gaben 61 Prozent an, das Zahlungsverhalten von Verbrauchern und Unternehmen sei insgesamt unverändert. 16 Prozent stellten ein besseres Verhalten als vor einem halben Jahr fest, 23 Prozent ein schlechteres.

„Unser Seismograph schlägt weiterhin nicht aus“, sagte Verbandspräsident Wolfgang Spitz am Dienstag in Berlin. Das Umfrageergebnis sei ein Beleg für die hervorragende Verfassung der deutschen Wirtschaft. Zugleich sieht der BDIU Gefahren als Folge des niedrigen Zinsniveaus. „Die niedrigen Zinsen verleiten viele Verbraucher dazu, Konsumwünsche auch auf Kredit zu realisieren“, sagte Spitz. Vor allem Privatleute zwischen 25 und 45 Jahren nähmen Ratenkredite auf, um Autos oder Haushaltsgeräte zu finanzieren.

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Zwar würden gut 97 Prozent solcher Kredite wieder zurückgezahlt. „Aber die Risikoneigung der Verbraucher nimmt zu“, bemerkte der Verbandschef. Das werde problematisch, „sollte es mit der Wirtschaft wieder einmal nach unten gehen und zum Beispiel Kurzarbeit oder Jobverlust das Tilgen von Ratenverträgen erschweren“.

Kritik an Neuregelung der Verbraucherinsolvenz

Kritisch sieht der BDIU die ab 1. Juli geltende Neuregelung der Verbraucherinsolvenz. Sie ermöglicht es zahlungsunfähigen Privatleuten unter bestimmten Bedingungen, sich bereits innerhalb von drei Jahren statt bisher sechs Jahren durch ein Gericht von den Schulden befreien zu lassen. „Viele Verbraucher verstehen das als ein Signal, dass sie sich leichter ihrer Zahlungsverpflichtungen entledigen können“, sagte Verbandsvizepräsidentin Marion Kremer. Für die Gläubiger dürfte sich das „als ganz fatal erweisen“.

Nach der Neuregelung können Privatleute von der Restschuld befreit werden, wenn sie innerhalb von drei Jahren 35 Prozent der Gläubigerforderungen sowie die Kosten des Verfahrens begleichen.

Viele überschuldete Menschen warteten derzeit mit einem Insolvenzantrag auf die neue Rechtslage. Auch deshalb dürfte die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in diesem Jahr auf 90.000 zurückgehen, rund 1200 weniger als 2013. Im kommenden Jahr seien dann aber wieder bis zu 100.000 Fälle zu erwarten, sagte Kremer. Denn trotz der guten Wirtschaftslage und geringerer Arbeitslosigkeit gebe es weiterhin einen hohen Sockel überschuldeter Verbraucher. Fast jeder zehnte Erwachsene sei betroffen.

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