Finanzen + Vorsorge Kredite: Wie Unternehmer durch Umschuldung sparen können

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Wer jetzt Altkredite kündigt, kann Geld sparen

Wer jetzt Altkredite kündigt, kann Geld sparen© pojoslaw - Fotolia.com

Unternehmen, die jetzt umschulden, können langfristig vom historischen Zinstief profitieren. Große Konzerne verhandeln längst mit ihrer Bank. Doch auch Mittelständler können viel Geld sparen.

Satte 8,4 Milliarden Euro haben deut­sche Unternehmen in den vergangenen ­zwei­einhalb Jahren gespart, indem sie auslaufen­de, hoch verzinste Bankdarlehen durch günstige Neukredite abgelöst haben. Das hat die Beratungsfirma Barkow Consulting errechnet. Bis Ende 2016, heißt es weiter, kann die Ersparnis auf 46,8 Milliarden Euro ansteigen.

Selten zuvor war die Zinssituation so günstig wie heute. Während Sparer über den historischen Tiefstand schimpfen, profitieren Unternehmen davon. Für einen Kredit bis zu 1 Mil­lion Euro, der über fünf Jahre läuft, zahlten sie im November durchschnittlich 3,48 Prozent Zinsen – während alte Kredite bei gleicher Laufzeit 5,6 Prozent kosteten. Das bringt eine Zinsersparnis von 21.200 Euro im Jahr.

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Wer jetzt umschuldet, kann langfristig von den günstigen Zinsen profitieren. Denn bei ­Abschluss eines neuen Kredits wird üblicherweise auch eine neue, längere Laufzeit vereinbart. Das senkt die monatliche Belastung und verteilt zugleich die Kosten für die Umschuldung auf einen längeren Zeitraum.

Große Konzerne haben die Zeichen der Zeit erkannt. Sie schulden um: Der Triebwerks­bauer MTU etwa tilgte eine alte Kreditlinie vor deren Fälligkeit im Dezember 2015 und handelte ein neues Darlehen aus. Der Autobauer Daimler vereinbarte eine neue 9-Milliarden-Kreditlinie. Zwar haben Mittelständler es aufgrund ihrer geringen Größe schwerer in Verhandlungen mit der Bank. Dennoch können auch Kleinunternehmen das Zinstief nutzen – fünf Tipps für niedrigere Zinsen:

VERTRAG STUDIEREN
Bevor Sie zu Ihrer Bank gehen, sollten Sie Ihren Kreditvertrag genau lesen. Wichtig ist zu wissen, was dort über die Kündigungsbedingungen, eine Vorfälligkeitsentschädigung bei sofortiger Ablösung des Darlehens, das Auslaufen der Zinsbindungsfrist oder Sondertilgungsrechte steht.
VORZEITIG TILGEN
Stehen Ihnen Sondertilgungsrechte zu, ist Ihre Situation komfortabel. Sie sollten Ihr Darlehen tilgen, soweit Ihre Liquidität dies zulässt – es sei denn, Ihre Bonität hat sich erheblich verschlechtert, und Sie müssen bei einer Neufinanzierung doch höhere Zinsen fürchten. Prüfen Sie auch die Möglichkeit, die Annuität Ihres Darlehens zu wechseln. Dann können Sie auch über diesen Weg schneller tilgen. Grundsätzlich gilt: ­Prüfen Sie, ob Ihre freie Liquidität besser und rentabler in der Tilgung oder doch im Ausbau Ihres Geschäfts angelegt ist.
ALTKREDITE KÜNDIGEN
Festzinsdarlehen können Sie in der Regel nicht außer der Reihe kündigen. Wollen Sie das dennoch, müssen Sie sich mit der Bank darauf einigen. Der Bank aber entsteht dadurch ein Schaden, unter anderem weil sie den fest refinanzierten Kredit nur noch zu deutlich niedrigeren Zinsen anlegen kann als vor etwa fünf Jahren. Diesen Schaden wird das Kreditinstitut auf Sie umlegen. Dafür erhebt es eine Vorfälligkeitsentschädigung. Bei einem 2008 abgeschlossenen Kredit mit noch ausstehenden 100 000 Euro und weiteren fünf Jahren Laufzeit kann dies rund 12 000 Euro Gebühren kosten.

Zahlt der Kreditnehmer für die Restlaufzeit beispielsweise nur noch 3,48 Prozent Zinsen statt wie zuvor 5,6 Prozent, spart er im Gegenzug aber nur 10 600 Euro Zinsen. Der Zinsvorteil kann also sogar geringer sein als die fällige Gebühr. Um bessere Konditionen zu erreichen, müssen Sie verhandeln. Etwa indem Sie der Bank in Aussicht stellen, dass Sie noch weitere Geschäfte mit ihr abschließen. Wird Ihnen eine günstige Kündigung er­möglicht, und wollen Sie die Bank wechseln, stellen Sie sicher, dass Sie mit der neuen Bank bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen sind. Das neue Kreditinstitut könnte misstrauisch auf Ihren Wechselwillen reagieren und unterstellen, Sie hätten etwas zu verbergen. Bleiben Sie bei Ihrer alten Bank, achten Sie darauf, dass sich die Konditionen nicht ändern und die Bank beispielsweise keine neuen Sicherheiten hinzuziehen oder andere Gebühren auferlegen will.

NIEDRIGZINS ÜBER SWAPS
Betriebsmittelkredite haben üblicherweise variable Konditionen. Da können Sie sich die niedrigen Zinsen auch über einen Swap sichern. Damit verwandeln Sie Ihre vari­able Finanzierung in eine Art künstliches ­Festzinsdarlehen. Wenn die Zinsen steigen, steigt auch der Barwert Ihres Swaps. Damit sichern Sie sich das niedrige Niveau. Aber Achtung! Sollten die Zinsen weiter sinken, zahlen Sie drauf – in etwa so viel, wie bei einer vorfälligen Kündigung an Gebühren anfallen würde. Swaps dieser Art gibt es in der Regel allerdings erst ab einem Finanzierungsvolumen von 500 000 Euro.
KREDIT FÜR DIE ZUKUNFT
Forward-Darlehen sind eine weniger komplizierte Möglichkeit, sich die niedrigen ­Zinsen zu sichern. Dabei verpflichten Sie sich, Ihrer Bank ein Anschlussdarlehen zu einem festgelegten Zinssatz abzunehmen, sobald die aktuelle Zinsbindung endet. ­Inwieweit sich das rentiert, hängt vom Zinssatz zu dem Zeitpunkt ab, an dem Ihr Dar­lehen ausläuft. Sind die Zinsen dann immer noch niedrig oder sogar weiter gesunken, zahlen Sie mit einem jetzt abgeschlossenen Forward-Darlehen drauf – zumal auch noch Bereitstellungsprovisionen anfallen.

Bei einem Forward-Darlehen, das Ende 2014 beginnt und eine Laufzeit von fünf Jahren hat, muss man derzeit mit einem Zinsaufschlag von 0,4 bis 0,5 Prozent pro Jahr rechnen. Um diesen Satz müssen die Zinsen bis zum Beginn des neuen Darlehens also mindestens steigen, damit es sich lohnt. Sinnvoll ist ein Forward-Darlehen, wenn eine Zins­wende absehbar ist. Derzeit sieht es nicht nach einem Anstieg der Zinsen aus.

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