Finanzen + Vorsorge Krise ohne Ende? Womit die EZB zu kämpfen hat

EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi © EZB

Seit Jahren ist die Europäische Zentralbank (EZB) Europas Krisenfeuerwehr. Mini-Zinsen, Strafzinsen, Erwerb umstrittener Kreditpakete - mit allen Mitteln kaufen die Währungshüter Zeit. Am 22. Januar könnte der EZB-Rat die nächste Sondermaßnahme beschließen - denn die Baustellen werden nicht weniger.

„Grexit“: Vor den Neuwahlen in Griechenland am 25. Januar ist die Debatte über einen Austritt des Mittelmeerlandes aus der Eurozone neu entfacht. Schließlich werden der linkspopulistischen Partei Syriza gute Chancen eingeräumt, die künftige Athener Regierung zu führen – und deren Chef Alexis Tsipras würde die strengen Sparauflagen von EZB, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission lieber heute als morgen abschütteln. Hielte sich Athen nicht an Absprachen, würden die internationalen Geldgeber den Geldhahn zudrehen – und die Rückzahlung bereits geleisteter Milliardenhilfen wäre fraglich.

Infaltion: Die Teuerung im Euroraum ist seit Monaten gefährlich niedrig und meilenweit vom Stabilitätsziel der EZB bei knapp unter 2,0 Prozent entfernt. Im Dezember sanken die Verbraucherpreise im Währungsgebiet erstmals seit dem Krisenjahr 2009: Der dramatische Absturz der Ölpreise drückte die jährliche Inflationsrate auf minus 0,2 Prozent. Dies nährt Sorgen vor einer Deflation – einer Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen auf breiter Front und schrumpfender Wirtschaft.

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Anleihenkäufe: Soll die EZB in großem Stil Unternehmens- und Staatsanleihen kaufen, um so die Konjunktur anzukurbeln und zugleich die Teuerungsrate wieder in Richtung ihrer Zieles von knapp unter 2,0 Prozent zu befördern? Andere Notenbanken wie die US-Fed haben auf diesem Weg erfolgreich Milliarden in die Wirtschaft gepumpt. Über einen ähnlichen Schritt wird im EZB-Rat seit Wochen kontrovers diskutiert. Viele Ökonomen rechnen damit, dass die Notenbank bald den Weg für ein solches Programm („Quantitative Easing“, QE) freimachen wird. Dass die Vorbereitungen laufen, hatte EZB-Präsident Mario Draghi mehrfach bekräftigt. Notfalls will der Italiener Anleihenkäufe auch gegen den Widerstand der Deutschen Bundesbank durchsetzen.

Ölpreis: Die Talfahrt der Ölpreise geht bislang auch 2015 ungebremst weiter. Ein Ende ist nicht in Sicht. Das drückt auf die ohnehin niedrige Teuerungsrate und bringt die EZB in Zugzwang.

Zinsen: Bei den Zinsen hat die EZB ihr Pulver verschossen – das räumt Draghi selbst ein. Bei einem Leitzins von derzeit 0,05 Prozent sei „der untere Rand erreicht“. Ökonomen rechnen nicht mit einer baldigen Trendwende: „Die Zinsen werden niedrig, niedrig, niedrig bleiben. Die Geldflut der Zentralbanken wird anhalten“, prognostizierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau im Dezember. Sparer müssen sich deshalb noch längere Zeit mit niedrigen Zinsen abfinden. „Ein Ende ist nicht absehbar“, sagte die Präsidentin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, kürzlich der „Bild“-Zeitung.

1 Kommentar
  • Dr. Böhm 14. Januar 2015 08:09

    Raus aus dem Euro! Das ist meines Erachtens (nach dem idiotischen Versuch ein paar Industrienationen und dazu alle möglichen Chaotenstaaten durch eine gemeinsame Währung zusammen zu prügeln) die einzige Lösung. Den Unfug nicht einzuführen wäre optimal gewesen, das Experiment nach einem Jahr zu beenden wäre mir angenehm gewesen, vor 5 Jahren wäre es teuer gewesen, voriges jahr noch teurer usw. Politikerlogik? Gibt´s wohl nicht; wer glaubt denn, daß die traditionell faulen und ständig bankrotten Griechen ihre Mentalität ändern? Wie dumm uß man sein, um zu glauben, daß die Grande Nation (lustig für einen Pleitestaat voller ungelöster Probleme) ihren Stolz ablegt und wirtschaftliche Vernunft einkehren läßt? Wer denkt, die Deutschen Steuerzahler wollen wirklich ohne Gegenleistung ewig weiter zahlen? Und wer ist der Meinung, daß in anderen Ländern auf deutsche Schulmeisterei Wert gelegt wird?
    Niemand braucht den Euro, niemand die EZB und wenn die Inflation sinkt, weil das Öl billiger wird, erkenne ich den Schaden für den europäischen Wirtschaftsraum nicht.

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