Liquiditätskrise So werden Sie wieder flüssig

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Viele Unternehmer konzentrieren das Fachliche und verlieren die Zahlen aus dem Blick. Die Folge: eine Liquiditätskrise.

Viele Unternehmer konzentrieren das Fachliche und verlieren die Zahlen aus dem Blick. Die Folge: eine Liquiditätskrise.© impulse

Fehlt das Geld, um Rechnungen zu bezahlen, wird es eng. Worauf es in einer Liquiditätskrise ankommt und wie Selbstständige und Unternehmer kurzfristig wieder flüssig werden können.

Die Probleme waren nicht neu, aber dann wurden sie zur existenziellen Krise für Matthias Kreft. Der Innenarchitekt aus Wedemark bei Hannover hat sich auf den Ausbau von Buchhandlungen spezialisiert. Weil zuletzt jedoch viele Läden schließen mussten und sich andere mit Investitionen zurückhielten, brachen die Aufträge ein.

Als die Bank dann auch noch einen Kredit verweigerte, spitzte sich die ­Lage im Januar zu. „Uns fehlte die Liqui­dität“, sagt Kreft. Seiner Firma, die mit 30 Mitarbeitern in einem guten Jahr 2,5 bis 3 Millionen Euro Umsatz machte, drohte die Pleite.

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Forderungen nach Priorität ordnen

Wie Kreft geht es vielen Selbstständigen und Unternehmern: Sie kon­zentrieren sich auf das Fachliche, verlieren die Zahlen aus dem Blick – bis sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. „Wichtig ist, sich dann schnell einen Überblick über die Finanzen zu verschaffen“, sagt Heike ­Oetjen. Bei der Unternehmensberatung Evers & Jung betreut sie die von der Stadt Hamburg finanzierte Firmenhilfe.

Sie rät, Forderungen nach ihrer Priorität zu ordnen. Gelder, die der Unternehmer nur treuhänderisch einbehält, wie den Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung, muss er zuerst auszahlen – sonst macht er sich strafbar. Wer Geschäftsführer einer GmbH ist, muss zudem das Insolvenzrecht im Blick haben: Es lässt nur drei Wochen Zeit, die Zahlungsunfähigkeit zu überwinden. Wer dann noch weniger als 90 Prozent seiner fälligen Verbindlichkeiten begleichen kann, muss Insolvenz anmelden.

Mit der Bank über Umschuldung sprechen

Mit dem Gang zur Bank darf nicht gewartet werden. „Wenn Unternehmer ihr Konto überzogen haben, sollten sie umschulden“, sagt Harald Andrae von der Unternehmensberatung MCC Kompetenz. Lässt sich das Institut darauf nicht ein, könnte es wenigstens für laufende Kredite die Raten stunden. Schließlich hat auch das Geldhaus kein Interesse daran, dass der Kunde pleitegeht. Von einem Onlinekredit rät Oetjen ab: „Viele Anbieter pfänden schnell, wenn man die Raten nicht zahlen kann.“

Besser ist es, mit den Lieferanten längere Zahlungsziele auszuhandeln. Wichtig ist, nachzufragen, ob der Lieferant eine Warenkreditversicherung hat – springt die ab, dürfte der Lieferant auf sofortiger Zahlung der Rechnung bestehen. Um schnell Geld in die Kasse zu bekommen, ist es zudem sinnvoll, das Lager abzubauen – etwa mit kurzfristigen Preisaktionen. Stammkunden sollten gebeten werden, gegen einen Rabatt früher zu zahlen. Für neue Aufträge sollte Vorkasse oder Anzahlung verlangt werden. Mahnungen sind frühzeitig rauszuschicken. Bringt das nichts, hilft ein Inkassounternehmen, Forderungen einzutreiben.

Private Reserven einbringen

Im Notfall kann ein Unternehmer private Reserven einbringen. „Das wirkt manchmal Wunder“, sagt Berater Andrae. Den Lieferanten, den Kunden und der Bank zeigt das, dass der Firmeninhaber sich einsetzt und an die Zukunft seines Betriebs glaubt. Geht die Sanierung aber schief, das muss jedem klar sein, ist das Vermögen weg.

Innenarchitekt Kreft hat inzwischen die schwersten Nöte überstanden. Er ist zu einer anderen Bank gewechselt, die ihm einen Kredit gewährt hat, und er hat sein Geschäft breiter aufgestellt: Neben Buchhandlungen baut er nun auch andere Ladenlokale aus. Einen Großkunden hat er bereits gewonnen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt er.

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