Finanzen + Vorsorge Mezzanine: Die „Zwischengeschoss“-Lösung

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Der Begriff "Mezzanine" kommt aus der Architektur und bedeutet soviel wie "Zwischengeschoss"

Der Begriff "Mezzanine" kommt aus der Architektur und bedeutet soviel wie "Zwischengeschoss"© Lonely - Fotolia.com

Unternehmen mit großem Finanzierungsbedarf wird häufig zu einer sogenannten Mezzanine-Finanzierung geraten. Aber was steckt hinter diesem Begriff? impluse.de beantwortet die fünf wichtigsten Fragen.

1. Was ist Mezzanine-Kapital?

Das Wort Mezzanine stammt aus dem Italienischen und bedeutet in der Architektur so viel wie „niedriges Zwischengeschoss“. In der Unternehmensfinanzierung steht der Begriff für einen Zwitter zwischen Eigen- und Fremdkapital. Eine klare Definition gibt es bisher nicht. Je nach Ausgestaltung kann diese Finanzierungsform den Charakter von Eigenkapital oder Fremdkapital annehmen.

Banken erkennen Mezzanine-Kapital zumindest partiell als Eigenkapital an – somit können Unternehmen ihre Eigenkapitalquote erhöhen und auf diesem Weg ihre Bonität verbessern.

Auch wenn diese Finanzierungsform nicht einheitlich definiert ist, hat sie besondere Merkmale:

  • Mezzanine-Geber werden als Gläubiger des Unternehmens nachrangig behandelt. Das heißt, im Pleitefall bekommen sie in der Regel als letzte Geld – wenn überhaupt noch welches da ist. Gegenüber den Eigenkapitalgebern, also den Anteilshaltern der Firma, genießen die Mezzanine-Geber hingegen oft Vorrechte was Ausschüttungen betrifft.
  • Durch die Nachrangigkeit ist Mezzanine-Kapital deutlich teurer als ein Bankkredit oder auch ein Gesellschafterdarlehen – schließlich gehen Investoren bei Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens oder bei einer Insolvenz meist leer aus. Dieses Risiko lassen sich Geldgeber bezahlen: Die Renditeerwartung der Kapitalgeber – und damit die Kapitalkosten für den Mezzanine-Nehmer – liegt erfahrungsgemäß bei bis zu 20 Prozent.
  • Darüber hinaus ist der zeitliche Rahmen bei Mezzanine auf sechs bis zehn Jahre begrenzt und wird rechtsformunabhängig gewährt.

 

2. Welche Formen von Mezzanine gibt es?

Die Form des Mezzanine-Kapitals ist sehr unterschiedlich. Das Spektrum variiert von nachrangigen Darlehen über patriarchalische Darlehen mit Mindestverzinsung bis zu vorher vereinbarten Anteilen am Unternehmensergebnis.

Aber auch Verkäuferdarlehen, Genussscheine, Options- oder Wandelanleihen oder typische und atypische stille Beteiligung sind gängige Spielarten.

Je nach Form wird das Mezzanine-Kapital dem Eigen- oder Fremdkapital zugeschrieben. So werden beispielsweise Genussscheine oder stille Beteiligungen von Banken meist als wirtschaftliches Eigenkapital gewertet, Gesellschafterdarlehen zählen hingegen zum Fremdkapital.

Wichtig für Unternehmer ist weniger die Form der Mezzanine-Finanzierung als ihre Ausgestaltung. Eine klare Zielsetzung, was mit dem frischen Kapital finanziert werden soll, muss aufgestellt werden – am besten involviert der Geschäftsführer von Anfang an den Steuerberater oder einen Wirtschaftsprüfer.

Eine simple Liste mit Zielen ist für den ersten Überblick hilfreich. Da durch die komplexe Gestaltung dieser Finanzierungsform dem Geldgeber gewisse Fixkosten entstehen, lohnt sich Mezzanine-Kapital erst ab einem Mindestvolumen von einer Million Euro.

 

3. Welche Vor- und Nachteile bietet Mezzanine-Finanzierung?

Für einen Unternehmer hat diese Finanzierungsform einige Vorteile: Er bekommt frisches Kapital, behält aber die Zügel in der Firma in der Hand. Die unternehmerische Freiheit wird nicht angetastet. Durch Mezzanine-Kapital werden die Anteile der Gesellschafter nicht verwässert und es gibt keinen Weiterverkauf von Gesellschafteranteilen an Dritte.

Außerdem bietet diese Finanzierungsform bei der Ausgestaltung der Konditionen enorme Freiheiten – und Liquidität, ohne Sicherheiten bieten zu müssen. Auch gibt es kein außerordentliches Kündigungsrecht für die Investoren. Dies ist ein Grund, warum Mezzanine-Geber vorab eine aufwendige, meist externe Prüfung des Unternehmens einfordern. Auch nach Vertragsabschluss ist das Reporting sehr detailliert.

Größter Nachteil: Mezzanine-Finanzierungen sind nicht billig, das Unternehmen muss in der Lage sein, die wirtschaftlichen Erwartungen der Investoren zu erfüllen.

Um das eigene Rating nicht zu gefährden, sollte aus dem erzielten Gewinn auch Eigenkapital aufgebaut werden. Mezzanine-Kapital funktioniert als Gewinnthesaurierung, Gewinne dürfen also nicht ausgeschüttet werden, sondern der Unternehmer steht in einer Verantwortung auch den Geldgebern gegenüber.

Und: Bei einer Restlaufzeit von unter einem Jahr verliert das Mezzanine-Kapital den Eigenkapitalcharakter. Daher sollten Unternehmer schon vorab die Anschlussfinanzierung im Blick behalten.

 

4. Für wen lohnt sich Mezzanine?

Mezzinane-Finanzierung lohnt sich vor allem für Unternehmen, die zwar einen stabilen Cash Flow aufweisen, aber über wenig Eigenkapital verfügen.

Im internationalen Vergleich weist gerade der deutsche Mittelstand eine alarmierend schwache Eigenkapitalquote aus – im Durchschnitt liegt diese gerade mal bei 18 Prozent. Das belastet das Rating durch die Bank. Und erschwert somit die Kreditaufnahme.

Kleinere und mittelständische Unternehmen nutzen Mezzanine-Kapital als Projektfinanzierung, für einen Manangement-Buy-out, für die Börsenvorfinanzierung oder für die Umsetzung von Wachstumsstrategien, beispielsweise bei der Erschließung neuer Märkte. Auch bei der Firmensanierung kommt Mezzanine-Kapital zum Einsatz.

Allerdings: Für Start-ups ist Mezzanine-Kapital nicht ratsam, denn bei Neugründung ist die Renditeerwartung nur schwer absehbar – und somit sehr risikoreich. Da sich Mezzanine-Geber die Nachrangigkeit bei einer Firmenpleite durch hohe Renditen versilbern lassen, sollten Gründer sich vorab ausreichend informieren – oder auf andere Finanzierungsformen zurückgreifen.

 

5. Wer sind die Mezzanine-Geber?

Neben den Großbanken treten als Kapitalgeber private Investoren, Fonds, Venture-Capital-Gesellschaften und Versicherungen auf. Das Bundeswirtschaftsministerium hat 2013 gemeinsam mit dem Europäische Investitionsfonds, der Förderbank Bayern und der NRW Bank einen Mezzanine-Dachfonds über 200 Millionen Euro zur Mittelstandsförderung aufgelegt.

1 Kommentar
  • info@ewald-schrag.de 3. Februar 2014 15:34

    Vor- u. Nachteile v. Nachrang-Finanzierungen

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