Finanzen + Vorsorge Mieten und Immobilien: Experten erwarten weitere Preissteigerungen

Die Fassade eines modernen Mehrfamilienhauses.

Die Fassade eines modernen Mehrfamilienhauses.© Ralf Gosch - Fotolia.com

Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist ungebremst: Vor allem die Ballungszentren ziehen immer mehr Menschen an, und Mini-Zinsen erleichtern die Finanzierung der eigenen vier Wände. Die Preise dürften also weiter steigen, wenn auch weniger rasant als zuletzt.

Baugeld ist günstig wie nie, der Anlagenotstand aufgrund der Mini-Zinsen groß. Weil insbesondere die Ballungsräume auch immer mehr Menschen anziehen, dürfte die Nachfrage nach Wohnraum im kommenden Jahr hoch bleiben. Experten erwarten aber, dass sich die kräftigen Preissprünge der vergangenen Jahre nicht wiederholen.

Denn nach der mehrjährigen Aufholjagd hat der Preisauftrieb bei Wohnimmobilien in Deutschland schon 2014 etwas nachgelassen, wie die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht November feststellt: „Nicht zuletzt im Zuge der Beruhigung teilweise heiß gelaufener regionaler Immobilienmärkte steigen die Kaufpreise selbst genutzten Wohneigentums inzwischen nur noch vergleichsweise moderat an.“

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Ein Ende des seit 2010 anhaltenden Trends steigender Immobilienpreise ist trotzdem auch 2015 nicht in Sicht. Denn die Finanzierung bleibt günstig und wegen der Mini-Zinsen sehen Investoren keine Alternativen für das Betongold.

Helaba-Experte Stefan Mitropoulos betont: „Die niedrigen Finanzierungszinsen halten den Wohneigentumserwerb trotz steigender Preise erschwinglich. Auch wird das Interesse an Immobilien bei anhaltendem Anlagenotstand im extremen Niedrigzinsumfeld nicht abklingen.“

Schneller Zinsanstieg nicht in Sicht

Vor diesem Hintergrund sollten die Preise am deutschen Wohnungsmarkt 2015 weiter zulegen, wenn auch nicht mehr so stark wie zuletzt, meint Mitropoulos: „Die Bautätigkeit nimmt weiter zu, wird aber wohl auch 2015 unter dem Bedarf liegen.“

Ein schneller Zinsanstieg ist jedenfalls nicht in Sicht: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt und angekündigt, ihn für längere Zeit nicht zu

erhöhen. In der Folge kann der Immobilienkauf extrem günstig finanziert werden. Hypotheken mit zehn Jahren Laufzeit sind aktuell mit einem durchschnittlichen Zins von 1,71 Prozent zu haben – vor einem Jahr lag das Niveau nach Angaben der FMH Finanzberatung noch bei 2,64 Prozent, vor fünf Jahren bei 4,15 Prozent.

Trotzdem sprechen die Experten der Bundesbank bereits von einem Abschwung am Immobilienmarkt. So seien in sieben Großstädten die Wohnungspreise im dritten Quartal 2014 um 5,75 Prozent binnen Jahresfrist gestiegen, nach 7 Prozent in der ersten Jahreshälfte und noch 9 Prozent im Jahr 2013: „Die Verlangsamung der Preissteigerungen auf den städtischen Wohnungsmärkten hat wesentlichen Anteil daran, dass die Kaufpreise selbst genutzten Wohneigentums im bisherigen Jahresverlauf vergleichsweise moderat angestiegen sind.“

2015: Große Preissprünge im Großraum Berlin

Die Ratingagentur Standard & Poor’s sagt für 2015 eine Erhöhung der Immobilienpreise von vier Prozent voraus. In Ballungszentren wie im Großraum Berlin seien aber deutlich höhere Preissprünge möglich.

Schon im November hatte der Immobilienverband IVD eine nachlassende Dynamik beim Preisanstieg von Wohneigentum gemeldet. Demnach kostet eine bestehende Eigentumswohnung mit mittlerem Wohnwert im Schnitt 1082 Euro pro Quadratmeter und damit 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

2013 waren die Preise noch um 5,3 Prozent gestiegen. „Damit liegt das durchschnittliche Preisniveau für Eigentumswohnungen immer noch zehn Prozent niedriger als vor 20 Jahren“, betont IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick. Denn nach dem Immobilienboom der 1990er Jahre seien die Preise für Wohneigentum lange Zeit überproportional zurückgegangen – bis 2010 ein Aufholprozess begann.

Nach einer Analyse der Deutschen Bank sind die nationalen Immobilienindizes in den letzten fünf Jahren von ihren Tiefpunkten um rund 20 Prozent gestiegen. In den Großstädten seien die Preise sogar um über 40 Prozent geklettert.

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