Finanzen + Vorsorge „Ich hoffe, dass es 2020 noch Bargeld geben wird“

An technischen Lösungen mangelt es beim mobilen Bezahlen nicht.

An technischen Lösungen mangelt es beim mobilen Bezahlen nicht.© Payleven

Die Ausbreitung von Smartphones und Tablets wird unser Bezahlverhalten in den nächsten Jahren verändern. Noch lahmt der Markt für Mobile Payment in Deutschland allerdings. Doch wie wird es am Ende des Jahrzehnts sein? Drei Experten schauen für impulse in die Zukunft.

Wer die Zukunft des Bezahlens bestimmt, der bewegt einen Markt mit zwölf Nullen. 15 Billionen US-Dollar, in Zahlen 15.000.000.000.000 US-Dollar, haben Menschen vergangenes Jahr weltweit im Handel ausgegeben – das meiste davon in bar oder mit Plastikkarten.

Mit der Ausbreitung von Smartphones und Tablets dürfte sich die Art und Weise, wie wir bezahlen, in Zukunft ändern. Es gibt Aufsteckgeräte, die Handys in Kredit- oder EC-Kartenlesegeräte verwandeln, Apps, mit denen sich per Funkchip kontaktlos bezahlen lässt – und sogar biometrische Verfahren, bei denen Zahlungen per Herzschlag oder Venenscan abgewickelt werden. Einige der Verfahren befinden sich noch in der Testphase oder richten sich an Konsumenten. Andere der mobilen Bezahllösungen können Unternehmern schon heute Mehrwerte bieten.

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Noch hat sich keines der mobilen Bezahlsysteme hierzulande durchsetzen können. Stattdessen tummeln sich Dutzende Anbieter auf dem Markt, verdrängen einander oder schmieden Allianzen. Große Technologiekonzerne wie Google, Apple und Amazon sind darunter. Sie sehen die neuen Bezahlsysteme als Zukunftsgeschäft. Auch Banken, Handel und Mobilfunkanbieter wollen in dem Markt ihren Einfluss wahren. Nicht zuletzt versuchen außerdem eine Reihe innovativer Start-ups, mit eigenen Ideen den ersten Gruppen den Kampf anzusagen.

Wie also werden wir am Ende des Jahrzehnts bezahlen? Das hat die impulse-Redaktion während ihrer Recherche zum aktuellen Heft immer wieder Experten und Mobile-Payment-Anbieter gefragt. Hier sind drei Einschätzungen.
André M. Bajorat

André M. Bajorat, freier Payment-Berater und Autor des Blog paymentandbanking.com

Die Kosten für das bargeldlose Bezahlen werden in Zukunft gen Null laufen. Es wird erwartet, dass die Kreditkartengebühren in Europa drastisch sinken. Die Rahmenbedingungen für bargeldloses, und damit auch für mobiles Bezahlen, sind also besser denn je. Nur: Wie werden wir letztendlich in Zukunft bezahlen?

Ich glaube fest daran, dass in wenigen Jahren immer mehr Menschen so etwas wie eine digitale Bezahlidentität haben werden. Man wird sich einen Anbieter aussuchen, bei dem man zentral Girokonto, Kreditkarteninformationen und persönliche Daten in der Cloud hinterlegt. Egal ob ich dann zum Friseur gehe, einen Kredit beantrage, oder online shoppe: Die Bezahlidentität werde ich überall angeben können – und mithilfe der hinterlegten Daten bezahlen. Mobil, online und offline im Geschäft um die Ecke.
PayPal-Chef Arnulf Keese

Arnulf Keese, Geschäftsführer des Zahlungsdiensts Paypal Deutschland

Wir haben vergangenes Jahr unsere Kunden gefragt, ob sie eigentlich ihr Portemonnaie mit sich herumtragen wollen? Der Tenor war: Wir wollen nicht, aber wir müssen.

Die Frage ist: Warum müssen wir eigentlich?

Unsere Portemonnaies sind zum großen Teil ein Aufbewahrungsbehälter für Identifikationen, die Plastikkarten darin enthalten Nummern, die wir dem Händler beim Kauf auf Verlangen vorzeigen. Diese Zahlenfolgen können aber genauso gut über digitale Medien wie Smartphones abgebildet werden. Auch in Deutschland, wo heute noch das Bargeld regiert, werden in ein paar Jahren immer mehr Menschen diese Technik nutzen.

 

JACOB_DE_GEER

Jacob De Geer, CEO und Gründer des mobilen Kartenleseterminals iZettle

Auch 2020 wird es noch immer Bargeld geben. Ehrlich gesagt: Ich hoffe, dass es so sein wird. Denn es gibt Dinge, die gehen andere Leute nichts an. Welche Krankheiten ich zum Beispiel habe und mit welchen Medikamenten ich diese zu bekämpfen versuche. Für Käufe, die derart Privatsache sind, wird Bargeld immer ein sinnvolles Zahlungsmittel bleiben. Denn Bargeldzahlungen lassen sich – im Gegensatz zur Zahlung per Karte oder Handy – schwieriger zurückverfolgen.

Die Finanzbehörden gehen derweil den entgegengesetzten Weg. Sie wollen unseren Zahlungsverkehr immer transparenter machen. Auch in der EU gibt es solche Bestrebungen, welche zwangsläufig die Art, wie wir in Zukunft bezahlen, weiter digitalisieren werden. In einigen Märkten wie Schweden oder Großbritannien, so glaube ich, dürften am Ende des Jahrzehnts 80 Prozent aller Zahlungen per Karte abgewickelt werden. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, in Zukunft noch leichter zu durchschauen zu sein.

 

impulse 9/2014Mehr zum Thema „Mobiles Bezahlen“ finden Sie in der aktuellen impulse-Ausgabe 09/14.

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