Finanzen + Vorsorge Fed stoppt milliardenschwere Konjunkturhilfen

Fed-Chefin Janet Yellen: Experten zufolge hat die Notenbank einen weiteren Schritt in Richtung Zinsanhebung gemacht.

Fed-Chefin Janet Yellen: Experten zufolge hat die Notenbank einen weiteren Schritt in Richtung Zinsanhebung gemacht.© Getty Images

So optimistisch hat sich die US-Notenbank schon lange nicht mehr geäußert. Die amerikanische Konjunktur und den Jobmarkt hält sie für kräftig - und stoppt deshalb ihr milliardenschweres Konjunkturprogramm. Einer baldigen Zinswende scheint jetzt nur noch die niedrige Inflation im Weg zu stehen.

Ende eines milliardenschweren Konjunkturprogramms: Mehr als fünf Jahre nach der Überwindung der schweren Rezession in den USA beendet die Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Anleihekäufe. Die Aussichten für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Preisstabilität in den Vereinigten Staaten hätten sich weiter verbessert, erklärte die Zentralbank am Mittwoch in Washington. Volkswirte hatten mit diesem Schritt gerechnet.

Den Leitzins ließ der Offenmarktausschuss der Zentralbank dennoch unverändert zwischen null und 0,25 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt er seit Ende 2008. Die Notenbank blieb in ihrer Mitteilung auch bei dem Versprechen, den Zins noch für „beträchtliche Zeit“ in dieser Spanne zu halten. Ursache dafür sei vor allem die weiterhin zu geringe Inflation. Die Teuerungsrate liegt laut der Fed bei 1,5 Prozent – und damit 0,5 Prozentpunkte unter ihrem Zielwert.

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Zugleich zeigten sich die Notenbanker aber offener denn je für die erste Zinserhöhung seit rund acht Jahren. Sollten sich die Inflation und der Arbeitsmarkt schneller in Richtung der Fed-Ziele bewegen als momentan abzusehen, werde sich eine Anhebung des Leitzinses „wahrscheinlich schneller ereignen als derzeit erwartet“, schrieb die Fed in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Kommuniqué. Analysten schätzen, dass eine solche Zinswende Mitte 2015 zu erwarten ist.

Einen konkreten Hinweis, ob die gegenwärtige Stärke der US-Konjunktur anhält, erhält die Fed bereits an diesem Donnerstag, wenn erstmals Daten zum Wirtschaftswachstum im dritten Quartal vorgelegt werden. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt aufs Jahr gerechnet um 4,6 Prozent gestiegen. Im Quartal davor war es noch um 2,1 Prozent gesunken.

Fed kaufte monatlich Wertpapiere im Wert von 85 Milliarden Dollar

Am 7. November wird zudem die Arbeitslosenquote für den Oktober veröffentlicht. Sie lag zuletzt bei 5,9 Prozent und damit so niedrig wie seit Juli 2008 nicht mehr. Die Fed strich daher den Passus aus ihrer Mitteilung, dass eine „bedeutende Unterauslastung“ auf dem Jobmarkt herrsche. Stattdessen spricht sie nun von weiter verbesserten Bedingungen.

Die Zentralbank hatte im Herbst 2012 begonnen, langfristige Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Wert von 85 Milliarden Dollar (66 Mrd Euro) monatlich zu kaufen. Die Maßnahme, mit der gewaltige Geldsummen in die Wirtschaft gepumpt wurden, sollte helfen, den langfristigen Zins zu drücken. Entsprechend günstige Kredite sollten Unternehmen zum Investieren und Bürger zum Hauskauf ermuntern.

Es war das dritte Programm der sogenannten quantitativen Lockerung (Quantitative Easing/QE) in der US-Geldpolitik seit dem Beginn der zurückliegenden schweren Finanzkrise. Bereits im Rahmen der ersten beiden Programme hatte die Fed mehr als zwei Billionen Dollar an frischem Geld „gedruckt“. Seit Anfang dieses Jahres reduzierte sie das „QE3“ in gleichmäßigen Schritten – zuletzt umfasste es noch 15 Milliarden Dollar monatlich.

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