Finanzen + Vorsorge Preisanstieg: Wem der starke Franken nützt – und wem er schadet

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Der Schweizer Franken ist in dieser Woche schlagartig um ein Fünftel teurer geworden. Schweizer Firmen sind in Sorge, der ganzen Wirtschaft droht Ökonomen zufolge ein Einbruch. Deutsche Firmen dagegen profitieren. Wem der Preisanstieg nützt - und wer zu den Verlierern gehört.

Jahrelang kostete die Schweizer Währung zwischen 80 und 83 Cent. Auf einmal muss für einen Franken fast ein Euro bezahlt werden. Im Gegenzug ist der Euro für Schweizer rasant billiger geworden. Wem nützt das – und wem schadet es? Ein Überblick.

 
GEWINNER:

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DEUTSCHE UNTERNEHMEN: Wer seine Waren in der Schweiz anbietet, kann auf einmal fast 20 Prozent billiger verkaufen. Das dürfte für viele Firmen ein Thema sein, denn die Schweiz ist mit einem Volumen von 47 Milliarden Euro immerhin der achtwichtigste Absatzmarkt für den deutschen Export.

HÄNDLER: Deutsche Einzelhändler in der Nähe der Grenze freuen sich deswegen schon auf ihre Kunden aus der Schweiz. Die machen bei ihnen ohnehin schon ein Drittel der Kundschaft aus – Tendenz steigend.

KONSUMENTEN: Verbraucher profitieren – allerdings nur, wenn sie aus der Schweiz kommen und zum Beispiel im deutschen Grenzgebiet einkaufen. Für sie werden die Shoppingtouren und Restaurantbesuche in Konstanz und Co auf einen Schlag erheblich günstiger.

PENDLER: Deutsche, Franzosen, Österreicher und Italiener, die in die Schweiz zur Arbeit pendeln haben über Nacht quasi eine üppige Gehaltserhöhung bekommen – sofern sie in Schweizer Franken bezahlt werden. Insgesamt gibt es nach Angaben der Schweizer Statistiker fast 290.000 Grenzgänger, davon knapp 59.000 aus Deutschland.

 
VERLIERER:

EXPORTEURE: Für die kleine Schweiz ist der Weltmarkt lebenswichtig. Exportgüter werden nun auf einen Schlag erheblich teurer, und zwar nicht nur in der Eurozone. Auch zu anderen wichtigen Währungen, wie Dollar, Yen oder Pfund wurde der Franken um rund ein Fünftel teurer.

SCHWEIZER WIRTSCHAFT: Damit droht der ganzen Schweizer Wirtschaft ein Einbruch. Die Großbank UBS hat bereits ihre Wachstumsprognose für 2015 von 1,8 auf 0,5 Prozent zurückgenommen.

KONSUMENTEN: Schokolade, Käse, Uhren – Schweizer Produkte sind beliebt, könnten aber künftig weniger erschwinglich werden. Zumindest dann, wenn die deutschen Händler steigende Einkaufspreise an ihre Kunden weiterreichen können. Swatch-Chef Nick Hayek sprach denn auch von einem «Tsunami», den die Notenbank mit der Freigabe des Frankenkurses zum Euro ausgelöst habe.

URLAUBER: Die Schweiz gilt ohnehin als teures Urlaubsland. Für Touristen dürfte die Reise in die Schweiz nun noch teurer werden. Nur ein Beispiel: Für Skipass in Zermatt für sieben Tage müssen deutsche Urlauber jetzt ungefähr 380 Euro eintauschen. Vor der Freigabe des Franken waren es rund 322 Euro.

KREDITNEHMER: Hunderttausende Kreditnehmer vor allem in Osteuropa hatten Kredite in Schweizer Franken aufgenommen. Die schienen wegen niedriger Zinsen attraktiv. Nun wird die Rückzahlung für viele ein Problem, weil die Kreditraten auf einmal – in polnischer oder kroatischer Währung – sehr viel teurer werden.

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