Finanzen + Vorsorge Probleme mit dem Zinstief: Welche Versicherungen betroffen sind

Eine Lebensversicherung ist für viele Deutsche immer noch ein wichtiger Baustein bei der Altersvorsorge.

Eine Lebensversicherung ist für viele Deutsche immer noch ein wichtiger Baustein bei der Altersvorsorge.© Doc Rabe Media - Fotolia.com

Das Dauer-Zinstief im Euroraum belastet Versicherungen und ihre Kunden. Die Renditen von Lebensversicherungen sinken. Auch Kfz- und Hausratversicherungen bleiben von den Niedrigzinsen nicht unberührt.

Die Niedrigzinsen machen Versicherern und ihren Kunden zu schaffen. Lebens- und Rentenversicherungen werfen immer weniger ab. Hält die Niedrigzinsphase an, könnte einige in Schwierigkeiten geraten – so das Ergebnis eines Stresstestes der Europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa. Auch Schaden- und Unfallversicherungen etwa für Kfz und Hausrat bleiben von den Niedrigzinsen nicht unberührt.

Warum bereiten niedrige Zinsen den Versicherern Probleme?

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Lebens- und Rentenversicherungen hatten ihren Kunden in früheren Jahren Zinsgarantien von bis zu vier Prozent zugesagt. Diese müssen sie weiterhin erfüllen, doch in Zeiten niedriger Zinsen werfen sichere Anlagen entsprechende Renditen derzeit nicht mehr ab. Wegen staatlicher Vorgaben legen die Assekuranzen einen Großteil der Gelder in als sicher geltenden Staatsanleihen und Schuldverschreibungen von Banken an. Hohe langfristige Zinsgarantien waren vor allem in Deutschland, Österreich, Malta und Schweden üblich.

Welche Versicherungen sind besonders betroffen?

Bei Lebens- und Rentenversicherungen führt das anhaltende Zinstief seit Jahren zu sinkenden Überschussbeteiligungen. Der Chef des Versicherers Ergo, Torsten Oletzky, beschrieb im „Tagesspiegel“ die Entwicklung so: Im Jahr 2000 habe seine Lebensversicherung noch eine laufende Verzinsung – Garantiezins und Überschussbeteiligung – von 7,3 Prozent gebracht. Inzwischen könne er nur noch mit der Hälfte rechnen.

Der Garantiezins, der vom Bundesfinanzministerium festgelegt wird, liegt für Verträge, die seit dem Jahr 2012 abgeschlossen wurden bei 1,75 Prozent. Zum Jahreswechsel fällt er für Neuverträge auf 1,25 Prozent. Im Schnitt müssen Versicherer jedoch noch Zinsgarantien von mehr als 3 Prozent erfüllen. Was sie für die hochverzinsten Altverträge beiseitelegen, fehlt als Überschussbeteiligung.

Was ist mit anderen Versicherungsarten?

Besonders schwer trifft das Zinstief die klassische Lebens- und Rentenversicherung, auch wenn sie als Riester-Rente oder betriebliche Altersversorgung angelegt sind. Aber auch in der Schaden- und Unfallversicherung machen sich die Niedrigzinsen bemerkbar. Weil Versicherer die Prämieneinnahmen etwa in der Kfz-, Gebäude- oder Hausratversicherung kaum noch durch Zinseinnahmen aufpeppen können, versuchen sie bei den Kunden höhere Beiträge durchzusetzen.

Wie reagieren die Versicherer auf die niedrigen Zinsen?

Die Unternehmen suchen nach alternativen Anlageformen, die höhere Renditen abwerfen als klassische Investitionen in Anleihen. Zudem bringen sie neue Lebensversicherungsprodukte ohne die klassischen Zinsgarantien auf den Markt. So bauen sowohl Marktführer Allianz als auch die Versicherer Ergo und Axa auf solch neuartige Policen, bei denen Kunden im Gegenzug von höheren Renditechancen profitieren sollen.

Bei der Anlage der Versichertengelder geht der Trend zu Investitionen in Infrastruktur wie Autobahnen, Gas- und Stromnetze, Solar- und Windkraftanlagen oder Flughäfen. Die Versicherungsbranche fordert vom Staat, solche Investitionen zu erleichtern. Der Präsident Versicherungsaufsicht Eiopa, Gabriel Bernardino, mahnt die Branche allerdings, nur in Dinge zu investieren, von denen sie etwas verstehe.

2 Kommentare
  • Mönch 12. Dezember 2014 12:38

    Sehr geehrter Herr Ulbrig,

    Sie haben recht, die Kapitalerträge schrumpfen und darum gibt es Probleme im Kapitaldeckungsverfahren. Die schuldigen an den tiefen Zinsen sind allerdings in der
    Politik zu suchen, da diese den Zinssatz bestimmt haben um sich weiterhin billig verschulden zu können.

    Da Sie das Umlageverfahren als goldenen Weg sehen, gehören Sie scheinbar zu der Blümschen Generation oder zu den sogenannten 68er die ja heute auch in Rente gehen und sind der Meinung alles auf die Schultern der jungen Generation legen zu können.
    Diese sind aber nicht in der Lage dies alles zu Schultern, da wenn Sie in Rente kommen
    das System einstürzt, da eben zu wenig Junge da sind. Dies gilt natürlich auch für die gesetzliche Krankenversicherung.

    Leider sind Politiker nur gut darin Geld auszugeben aber nicht über eine Wahlperiode hinaus zu handeln, darum kann man Jungen Menschen nur als Rat geben sich aus dem sozialen System fern zu halten, Kapital anzusammeln und wenns ganz schlimm kommt das Land zu verlassen.
    Der einzige weg das Diktat der Alten und Ihren noblen Versorgungen zu entgehen.

  • Name Frank Ulbrig 10. Dezember 2014 15:56

    Hallo lieber Leser,
    vielleicht gibt es eine nun endlich mal eine ehrliche Person …die nun endlich sagt …..dass das Model der privaten Krankenversicherung im Kapitaldeckungsverfahren …..nun immer mehr anhand dieser Zinsentwicklung scheitert….

    und

    ……sich somit immer verhägnisvoller zum Versicherungsschutz ….im Umlageverfahren entwickelt ….mit Kalkulation auf eine versicherte Person !

    Anhand stäniger Prämienanpassung durch niedrig Zins und ständig neuer Tarife ….wird dies für viele zur sicheren Armutsfalle !

    Hallo ….soll der Versicherungsvertreter dafür haften oder der Sozialstaat …oder reden wir weiter alles GUT ?

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