Finanzen + Vorsorge Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Prokon-Insolvenz

Verbraucherschützer hatten seit langem davor gewarnt, Geld in das Windenergie-Unternehmen Prokon zu stecken. Am Tag nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Windenergie-Firma Prokon wird das ganze Ausmaß des Desasters klar. Was Anleger beachten sollten - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Prokon – die Abkürzung steht für Projekte und Konzepte – wurde 1995 von Carsten Rodbertus gegründet – mit dem Unternehmensziel, in erneuerbare Energien zu investieren. Seit 2007 finanzierte sich Prokon überwiegend über Genussrechtsanteile von Anlegern. Am Donnerstag wurde das Insolvenzverfahren gegen Prokon eröffnet.

Was hat Prokon den Anlegern versprochen?

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Das Unternehmen warb mit einer hoch verzinsten Anlage in ökologisch orientierte Sachwerte wie Windparks. Dabei erweckte Prokon in der Vergangenheit den Eindruck, die Anlage sei sehr sicher. Als Rendite versprach Prokon seinen Anlegern mindestens sechs Prozent und zahlte auch bis 2013 zuverlässig. Verbraucherberater und Anlegerschützer bewerteten die Prokon-Genussrechte seit Jahren als intransparent und riskant und rieten vom Kauf ab.

Welche Unternehmen sind von dem Insolvenzverfahren betroffen?

Insolvent ist lediglich die Prokon Regenerative Energien GmbH. Die übrigen Unternehmen der Gruppe arbeiten weiter. Die wirtschaftliche Situation der Tochtergesellschaft Prokon Pflanzenöl GmbH in Magdeburg ist nach Angaben des Insolvenzverwalters Dietmar Penzlin stabil; rund 140 Beschäftigte werden 2014 einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro erwirtschaften. Daneben hat Prokon in rumänische Wälder investiert und dem Palettenwerk HIT Holzindustrie Torgau einen hohen Kredit gegeben. Die Fortführung der Kernbereiche von Prokon sei gesichert, sagte Penzlin. Das gelte für den Betrieb und die Projektierung von Windparks sowie auch weitestgehend für den Stromhandel.

Wie viele Stellen werden gestrichen?

Bei Prokon werden rund 150 von 450 Arbeitsplätzen gestrichen. Rund 80 Arbeitnehmer werden das Unternehmen nach Angaben des Insolvenzverwalters wegen auslaufender Verträge oder eigener Kündigung verlassen; für 70 weitere wird eine Transfergesellschaft vorbereitet.

Was sollten Anleger jetzt machen?

Die Besitzer von Prokon-Genussrechten konnten bislang noch keine Forderungen anmelden. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können sie nun ihre Ansprüche beim Insolvenzverwalter geltend machen. Das Gericht hat dafür eine Frist bis zum 15. September gesetzt. Die Anleger sollen sich nach den Worten Penzlins allerdings bis Mitte Juli gedulden, um ihre Ansprüche anzumelden. Dann würden individuelle Formulare versandt.

Ist das Geld der Anleger ganz oder teilweise verloren?

Die Anleger werden nach Angaben des Insolvenzverwalters mindestens 40 Prozent ihres Kapitals verlieren, vielleicht aber auch 70 Prozent. Nach vorläufiger Einschätzung sei mit einer Insolvenzquote von 30 bis 60 Prozent zu rechnen, sagte Penzlin am Freitag. „Wegen des frühen Verfahrensstadiums und der schwierigen Bewertbarkeit vieler Vermögensgegenstände kann die Quote nicht genauer vorhergesagt werden.“ Klar sei aber auch, dass weder ein Totalverlust der Anlage noch eine volle Rückzahlung zu erwarten seien. Rund 74.000 Anleger haben 1,4 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte investiert.

Diese Forderungen der Anleger sowie rund 75 Millionen Euro weiterer Gläubiger wie Banken, Lieferanten und Sozialversicherungen werden nun im Insolvenzverfahren gleichrangig behandelt, obgleich die Bedingungen für die Genussrechte das anders vorgesehen haben. Das Insolvenzgericht hob die Nachrangigkeit der Forderungen auf, weil damit gegen das Transparenzverbot verstoßen worden sei. „Das ist eine gute Nachricht für die Anleger“, sagte Penzlin.

Die Forderungen der Gläubiger werden bis zum 15. Januar 2015 in einem schriftlichen Verfahren überprüft. Mit ersten Zahlungen aus der Insolvenzquote können die Anleger ebenfalls erst im kommenden Jahr rechnen.

Bei Prokon steht den Angaben zufolge einem Vermögen von rund einer Milliarde Euro Verbindlichkeiten von rund 1,5 Milliarden Euro gegenüber. Das Gericht ermittelte eine Unterdeckung von 474 Millionen Euro.

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