Finanzen + Vorsorge Russen in Rubel-Panik

Für die Russen ist es ein Albtraum: Ihr Rubel fällt wie in den 1990er Jahren ins Bodenlose und erschüttert das Vertrauen in das System von Kremlchef Putin. Die Führung in Moskau ist völlig ratlos in der Krise. Ist die Währung noch zu retten?

Nichts geht mehr: Der Rubel rauscht in den Abgrund – trotz massiver Rettungsversuche der russischen Zentralbank. An den Devisenmärkten kam es am Dienstag zu panikartigen Rubelverkäufen. Die Währung fiel zwischenzeitlich um über 20 Prozent bis knapp unter die Marke von 80 Rubel zum US-Dollar, bevor sie sich bis zum Nachmittag auf 72,50 Rubel erholte. Analysten warnen bereits vor einem „Währungskollaps“. Auch die Aktienmärkte brachen an diesem schwarzen Tag ein. Russische Wechselstuben orderten neue Anzeigentableaus, weil ihre vierstelligen Tafeln die neuen Kurse bald nicht mehr anzeigen können.

Seit Mitte Januar hat die russische Währung rund 60 Prozent ihres Wertes verloren – so etwas hat es seit den 1990er Jahren in Russland nicht mehr gegeben. „Die Lage ist kritisch“, sagt der Vizechef der Zentralbank, Sergej Schwezow. Die Rubelkrise spreche für einen massiven Vertrauensverlust der Investoren in die Wirtschaftspolitik der Regierung, klagt der frühere Finanzminister Alexej Kudrin.

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Die Zentralbank hatte in der Nacht mit einer massiven Zinserhöhung um 6,5 Punkte auf 17 Prozent versucht, den Verfall einzudämmen. Der Schritt verpuffte jedoch wirkungslos. Es sollte ein neuer Versuch sein, die Rubel-Talfahrt zu stoppen. Zuvor hatte die Notenbank sechs Milliarden Dollar auf den Markt geschüttet, um die russische Währung vor dem Verfall zu retten. Aber nichts hilft.

Preise in Geschäften steigen täglich

In vielen Moskauer Geschäften gehen Händler wie in den 1990er Jahren dazu über, die Preise in y.e. – einer an den Euro oder Dollar angelehnten Währungseinheit – anzugeben. Das ist per Gesetz eigentlich verboten. Es verhindert allerdings das ständig neue Auspreisen von Waren, die Händler für harte Währung im Ausland eingekauft haben. Die Preise steigen inzwischen täglich.

Viele Russen fühlten sich an das Chaos der 1990er Jahre erinnert, wie die Zeitung „Wedomosti“ schreibt. Vor allem Kremlchef Wladimir Putin verdankt seine Popularität der vergangenen Jahre einem wachsenden Wohlstand. Doch seit der Annexion der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeerhalbinsel Krim im März geht es bergab mit der Rohstoffmacht.

Erst drückten die Sanktionen des Westens auf die ohnehin in Teilen noch sowjetisch rückständige und von Korruption geprägte Wirtschaft. Die Strafmaßnahmen verhindern auch den Zufluss von frischem Kapital. Dann setzte der fallende Ölpreis der Energiegroßmacht zu, deren Haushalt sich traditionell zum Großteil aus den Petrodollars speist. Auch die Kapitalflucht aus dem Riesenreich erreicht Rekordwerte. Und nun kommen noch Währungsspekulanten dazu.

Putin kündigt hartes Vorgehen gegen Spekulanten an

Der Ex-Geheimdienstchef Putin, der vor Panik warnt und sich sonst auffallend zurückhält, hat ein hartes Vorgehen gegen die Spekulanten angedroht. Doch auch diese Drohungen helfen dem Rubel nicht.

Die sonst eher zahme Opposition im russischen Parlament wird dagegen ungewöhnlich deutlich: Der Ultranationalist Wladimir Schirinowski von der Liberaldemokratischen Partei Russlands wettert, Zentralbankchefin Elvira Nabiullina gehe den völlig falschen Weg mit ihrer Geldpolitik. 

Forderung nach einem Rücktritt von Regierungschef Medwedew

Die Abgeordneten kritisieren, dass die Leute zu Panik getrieben würden, an den Wechselstuben ihr Geld gegen ausländische Währung zu tauschen. Wer gern ins Ausland reist, versucht, Angespartes noch in Devisen umzutauschen. Aber für russisches Geld gibt es täglich immer weniger Euro und Dollar.

Angesichts der Krise werden Rufe lauter nach einem Rücktritt von Regierungschef Dmitri Medwedew, der für die Wirtschaftspolitik und das Investitionsklima verantwortlich ist. Der politische Ziehsohn Putins gilt seit langem als ideenlos. Es gibt auch im Machtapparat viele, die auf dem Posten lieber den international geschätzten Ex-Finanzminister und Putin-Vertrauten Kudrin sehen würden.

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