Finanzen + Vorsorge Seltene Erden werden billiger

Eine Förderanlage für Rohstoffe.

Eine Förderanlage für Rohstoffe.© Deutsche Rohstoff AG

Viele Elektronik-Produkte sind ohne seltene Erden undenkbar. China hat die Exportbeschränkungen für diese begehrten Rohstoffe aufgehoben. Sinkende Preise für einige der Hightech-Metalle könnten Hersteller von IT, Handys und E-Autos entlasten.

Die Herstellung etlicher Hightech-Produkte könnte in diesem Jahr günstiger werden. Grund ist der deutliche Preisrückgang bei einigen seltenen Erden – wichtigen Elektronik-Rohstoffen, die zum Beispiel in LCD-Bildschirmen, Handys, Batterien, Energiesparlampen oder Elektromotoren stecken. „Bei den leichten seltenen Erden gibt es jetzt eine etwas breitere Verfügbarkeit, deswegen sind die Preise hier stark zurückgegangen“, sagte Peter Buchholz, Chef der Deutschen Rohstoffagentur (DERA), der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Bei schwereren Elementen sei die Nachfrage eingebrochen. Eine Ursache ist laut Buchholz etwa, dass sich LEDs in der Leuchtmittel-Branche durchsetzen – sie benötigen geringere Mengen der Spezialmetalle. „Auch bei den Rohstoffen für Dauermagneten in Offshore-Windanlagen oder Auto-Lenksystemen machen sich Ersatzstoffe bemerkbar.“

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Ob sich bessere Einkaufskonditionen am Ende in niedrigeren Preisen für Endprodukte widerspiegeln, ist schwer zu sagen. Viele Industrien dürften aber erleichtert darauf reagieren, dass das Hauptförderland China seine Exportbeschränkungen für seltene Erden aufgehoben hat.

Dysprosium, Germanium, Indium und Lithium

In der LCD-Produktion beispielsweise macht der Preis dieser Rohstoffe nach EU-Angaben über die Hälfte der Kosten aus. Von 2006 bis 2011 war Dysprosium, das etwa in der Lasertechnologie verwendet wird, um das Vierzigfache teurer geworden – von 60 auf 2400 Dollar je Kilogramm.

Für weitere Elektronikmetalle ist nach Einschätzung des DERA-Chefs keine Entspannung in Sicht: „Bei Germanium, Indium oder Lithium gab es zuletzt eine deutliche Bewegung nach oben.“ Diese Stoffe fließen in Anwendungen wie Akkus, Sensorik sowie Glasfaser- und IT-Technik.

Lieferrisiken bleiben hoch

„Die Mengen sind aber in der Regel nicht so hoch, dass es zu nennenswert teureren Endprodukten kommen dürfte“, meinte Buchholz.

Unabhängig vom Preistrend blieben die Lieferrisiken für schwere seltene Erden hoch: „China ist Hauptlieferant – daran ändern auch neue Förderstätten in Australien und Kalifornien nichts.“

Stahlpreise bleiben 2015 in der Schwebe

Unklar ist die Lage bei den Stahlrohstoffen, die vor allem für die Auto-, Bau- und Maschinenbaubranche wichtig sind. „Die Preise von Eisenerz und Kohle zeigten in den vergangenen Wochen global einen fallenden Trend“, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, der dpa. Ob dies von Dauer sei und zur Weitergabe geringerer Kosten an Verbraucher führe, bleibe abzuwarten.

„Die Situation auf den Rohstoffmärkten kann sich schnell wieder umkehren“, betonte Kerkhoff. Dies liege auch daran, dass es hier vergleichsweise wenige, aber mächtige Anbieter gebe: „Protektionismus sowie unfaires Marktverhalten nehmen bedrohlich zu.“

Hohe Preisschwankungen bei Stahlveredlern

Europas Stahlkocher kämpfen mit Problemen, Sparbemühungen zum Trotz schreiben viele Firmen rote Zahlen. Im globalen Wettbewerb sehen sie sich auch wegen hoher Energiepreise und Umweltauflagen im Nachteil.

Die Entwicklung bei anderen Stahlrohstoffen abgesehen vom Eisenerz ist ebenfalls kompliziert. „Wir sehen hohe Schwankungen bei Stahlveredlern wie Kobalt, Molybdän, Nickel und Tantal“, berichtete DERA-Chef Buchholz. „Es könnte durchaus kleinere Preispeaks geben.“

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut hatte für den November 2014 von leicht gestiegenen Metallpreisen auf Euro-Basis (plus 4,1 Prozent) gegenüber dem Vormonat berichtet. Grund sei dabei vor allem die Verteuerung des Leichtmetalls (7,6 Prozent) wegen der hohen Nachfrage aus dem Fahrzeugbau gewesen. Seit dem Jahresbeginn 2014 hatte sich der Aluminium-Preisanstieg sogar auf 29 Prozent summiert.

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