Finanzen + Vorsorge Starker Euro, große Last: Wie Firmen mit Währungsrisiken umgehen

Schwankende Wechselkurse gehören zum Geschäftsalltag weltweit agierender Firmen. Trotzdem haben zuletzt viele Unternehmen darunter gelitten. Wie sich Firmen gegen Wechselkurs-Risiken absichern können.

Der starke Euro hat viele Firmen im vergangenen Jahr ausgebremst. Ohne Währungseffekte wäre zum Beispiel der Umsatz des Autokonzerns Daimler 2013 um sieben statt um drei Prozent gestiegen, der Handelskonzern Metro hätte im ersten Quartal im Ausland keine Erlöseinbußen hinnehmen müssen und das Umsatzplus beim Softwarekonzern SAP wäre weitaus deutlicher ausgefallen. Dabei sind Firmen den Schwankungen nicht schutzlos ausgeliefert.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Währungseffekte:

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Wie entstehen Währungseffekte?
Wenn sich der Wechselkurs einer Währung zu einer anderen verändert, kann sich das in den Bilanzen von Firmen niederschlagen, die in dem anderen Währungsraum Umsatz machen: Steigt beispielsweise der Kurs des Euro zum US-Dollar innerhalb eines Jahres, sind die Umsätze in Dollar weniger Euro wert als vielleicht ursprünglich eingeplant.
Starker Euro, schwacher Dollar: Ist die aktuelle Situation besonders ungewöhnlich?
Der Euro hat im Vergleich zum Dollar in den letzten anderthalb Jahren an Wert gewonnen, sagt Wolfgang Breuer, Finanzwissenschaftler an der RWTH Aachen: „Aber der Anstieg war nicht ungewöhnlich stark, und auch absolut ist der aktuelle Wechselkurs nicht ungewöhnlich: Er war in den letzten Jahren immer wieder einmal auf der aktuellen Höhe, und zum Teil auch deutlich darüber.“ Aktuell befinde sich der Wechselkurs auf einem Level wie schon vor zehn Jahren.
Lassen sich Währungseffekte ausgleichen?
Bei global aufgestellten Firmen passiert das sogar automatisch. Siemens beispielsweise produziert an vielen Standorten weltweit. Wenn dort Geld in einer Währung eingenommen wird, kann das auch direkt vor Ort wieder für Löhne, Material oder die laufende Produktion ausgegeben werden. Das sogenannte Währungsrisiko wird minimiert. „Natural Hedge“ (dt.: natürliche Absicherung) nennt man diesen Mechanismus.
Müssen sich weltweit tätige Firmen gegen Währungseffekte absichern?
Das kommt auf das Geschäftsmodell an: Vor allem exportorientierte Firmen aus dem Maschinenbau, der Automobil- oder der Chemie- und Elektroindustrie, die ihre Produkte im Ausland verkaufen, leiden unter Währungsschwankungen. Die Deutsche Telekom sichert sich einem Sprecher zufolge überhaupt nicht gegen Währungsrisiken ab.
Was kann abgesichert werden, was nicht?
Erwartbare Zahlungsströme wie zum Beispiel die Bezahlung eines Projekts zu einem vereinbarten Liefertermin können abgesichert werden. Schwierig wird es, wenn eine Firma ihre Auslandsumsätze noch nicht kennt, sagt Breuer. Wenn zum Beispiel Ausschreibungen noch gewonnen werden müssen oder die Umsätze stark schwanken. Zudem sind Absicherungen immer nur kurzfristige Lösungen. Der Handelsriese Metro sichert deshalb nur Wechselkurseffekte ab, die im Zusammenhang mit Kosten und Investitionen auf Euro-Basis in den jeweiligen Ländern entstehen, erklärt eine Sprecherin.
Wie können Absicherungsmechanismen aussehen?
Das gängigste Instrument sind Termingeschäfte, sagt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Wenn klar ist, wann etwas in einer bestimmten Währung bezahlt wird, kann ein Unternehmen mit seiner Bank für diesen Termin den Tausch der Währung zu einem bestimmten Wechselkurs vereinbaren.
Bis zu welchem Ausmaß können sich Firmen absichern?
Daimler gab bei der Bilanzpressekonferenz im Februar an, zwei Drittel seiner Währungsrisiken für 2014 und ein Drittel der Effekte für 2015 abgesichert zu haben. Siemens profitiert nach Angaben eines Sprechers größtenteils vom „natural hedge“. Dass Firmen trotzdem unter Wechselkursschwankungen leiden, liegt an nicht planbaren Umsätzen. Und die Absicherung kostet natürlich. Entsprechend müssen die Firmen abwägen, ob die Währungstransaktionen sich lohnen.
Werden Exporteure 2014 von Währungseffekten profitieren?
Das ist noch nicht klar. Große Konzerne rechnen für das laufende Jahr noch einmal mit negativen Effekten: SAP gab erst jüngst bekannt, dass Produktumsätze und Betriebsergebnis um rund vier beziehungsweise fünf Prozentpunkte durch Währungseffekte belastet werden. Auch Daimler rechnet mit einer weiteren Abwertung bei Dollar und Yen.

 

Instrumente zur Währungsabsicherung

Um sich gegen Risiken aus Geschäften in fremden Währungen abzusichern, stehen Firmen verschiedene Möglichkeiten offen:
 
Ein gängiges Instrument sind Termingeschäfte, sogenannte Futures. Dafür vereinbart eine Firma den Tausch bestimmter Währungen zu einem bestimmten Zeitpunkt und einem bestimmten Kurs. Ist die Währung dann weniger wert als in dem Geschäft angenommen, hat sich die Firma gegen Verluste abgesichert. Ist sie mehr wert, geht ihr zwar ein zusätzlicher Ertrag verloren, aber das ist der Preis für die Absicherung, erklärt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Kritisch wird es, wenn ein Zahlungstermin mit einem Kunden vereinbart, aber davon abgewichen wird, weil vielleicht die Qualität für eine bestimmte Maschine nicht stimmt oder andere Einwände erhoben werden.
 
Eine andere Möglichkeit sind sogenannte Währungsoptionskontrakte. In dem Fall haben die Firmen das Recht, aber nicht die Pflicht, Währungen einzutauschen. „Das Problem bei diesem Instrument ist, dass die Prämien sehr hoch sind“, sagt Schiereck.
 
Eine dritte Variante, die vor allem für langfristige Kapitalanlagen genutzt werde, sind sogenannte Währungsswaps. In dem Fall tauschen zwei Vertragspartner Zins- oder andere Verpflichtungen in fremden Währungen gegen ihre eigene Währung. Eine deutsche Firma gibt dann beispielsweise Dollar-Verpflichtungen an eine US-Firma ab.

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