Finanzen + Vorsorge Statt Niedrigzinsen: Whisky immer beliebtere Wertanlage

Hans Kemenater, Destillateurmeister der SLYRS Destillerie in Oberbayern bei der Qualitätskontrolle. Mittlerweile lagert die Brennerei 2200 Fässer ein.

Hans Kemenater, Destillateurmeister der SLYRS Destillerie in Oberbayern bei der Qualitätskontrolle. Mittlerweile lagert die Brennerei 2200 Fässer ein.© Slyrs

Weil die Zinsen der Banken sinken, suchen Anleger nach Alternativen - und werden beim Whisky fündig. Die steigende Nachfrage lässt die Preise explodieren. Gleichzeitig wächst der Markt der deutschen Whiskybrenner. Ein paar Tipps für die Investition in Hochprozentiges.


Eine Flasche Christopher’s Macallan der Sonderedition von 1977 kostet rund 6000 Euro, die Bottle N° 408 der gleichen Marke von 1950 wird mit 1600 Euro gehandelt. Whisky, die hochprozentige Gerstenmaische, avanciert zum Kultgetränk und gleichzeitig zu einer beliebten Wertanlage. Die Nachfrage in Deutschland steigt rasant und auch die Anzahl der Brennereien. Gab es vor zehn Jahren nur 20, zählt der Verband Deutscher Whiskybrenner heute 150 Destillerien. Gerhard Liebl aus der Bad Kötzting in der Oberpfalz führt eine von ihnen. Seit 2006 stellt der Brennmeister neben Obstbränden den Whisky aus dem Bayerischen Wald her, rund 30.000 Liter im Jahr.

Die Wertsteigerung von Whisky erlebt er mittlerweile auch bei seinen eigenen Produkten. 2009 füllte er die ersten 800 Flaschen seines Bayerwald-Whiskys ab. Er verkaufte sie für 39 Euro. „Diese Flaschen werden auf Ebay jetzt schon für 400 Euro weiterverkauft“, erzählt der Brennmeister. Heute seien die Zinsen so niedrig, dass das Geld auf der Bank nicht mehr rentabel angelegt sei, erklärt sich Liebl den Trend, Whisky als Wertanlage zu nutzen.

Bei alten schottischen Whiskys ist die Preissteigerung noch extremer: Zum Beispiel werden Restbestände der seit den 80er Jahren geschlossenen Brennerei Port Ellen auf der InseI Islay in Schottland verkauft. Kostete eine Flasche vor zehn Jahren 280 Euro im Handel, kostet sie heute über 1400 Euro.

Neben der Wertanlage wird der Whisky auch als Lifestyle-Produkt entdeckt. Mittlerweile gebe es in Deutschland jedes Wochenende Whisky-Messen und unzählige Clubs, in denen sich Liebhaber den Ankauf teurer Flaschen teilen, erzählt Brennmeister Liebl. Sechs Millionen Deutsche würden regelmäßig Whisky kaufen, bestätigt der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI). Wurden 2003 in Deutschland 47 Millionen Flaschen Whisky umgesetzt, waren es 2013 bereits 72 Millionen Flaschen.

Weniger Weintrinker in Deutschland

Gleichzeitig zum Whisky-Trend sinkt in Nachfrage nach Wein in Deutschland: Die verkaufte Menge ist 2014 laut Deutschem Weininstitut im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent zurückgegangen. Deutscher Wein ist im eigenen Land immer noch am beliebtesten, allerdings sank sein Marktanteil um einen Prozentpunkt auf 45 Prozent. Auf Platz zwei folgt Frankreich mit 15 Prozent.

Wein werde wie Whisky bei Auktionen als Investitionsgut gehandelt, aber Whisky habe einige Vorteile, ist Hans Kemenater überzeugt. „Gerstenmalz ist nicht so empfindlich wie die Weintraube“, sagt der Destillateurmeister von des Slyrs Whisky am Schliersee in Oberbayern. Zudem sei Whisky nicht so jahrgangsabhängig wie Wein, der sich in der Flasche ständig verändert und nur selten länger als 20 Jahre gelagert werden könne. Anders beim Whisky: „Einmal vom Fass abgefüllt, verändert er sich kaum noch.“

Ideal sei die Lagerung dunkel, trocken und kühl zwischen zehn und zwölf Grad. Um den Korken zu schützen, sollte die Whiskyflasche stehend gelagert werden und nicht liegend wie der Wein, rät Kemenater. „Der hohe Alkoholgehalt greift den Kork an und löst Bitterstoffe heraus.“ Das mache den Korken undicht und verändere den Geschmack des Whiskys. Aber eine absolute Garantie für konstante Qualität und Wertsteigerung habe man nie. „Es ist wie an der Börse, schließlich ist der Whisky ein Naturprodukt“, sagt der Oberbayer.

Der Wert des Flaschenetiketts

Über 30 bis 40 Jahre Lagerung oder länger sei es normal, dass der Flascheninhalt abnehme. Es gebe zum Beispiel Flaschen aus den 1930er Jahren, in denen ein Viertel des Inhalts fehle. „Trotzdem sind sie 4000 Euro wert. Manchmal ist es irrational“, so der Whisky-Experte. Aber den Sammlern sei das Etikett oft wichtiger als der Inhalt. Überhaupt komme dem Etikett eine Sonderrolle zu. Wer in Whisky anlegt, sollte auf jeden Fall darauf achten, dass das Etikett die Lagerjahre gut überstehe. Ein Whisky ohne Beschriftung ist nichts mehr wert.

Die Wertsteigerungen des Whiskeys findet Destillateur Kemenater trotzdem verwunderlich. „Manchmal schüttelt man den Kopf über das eigene Produkt. Der erste Whisky der Slyrs Destillerie wurde 2002 für 37 Euro die Flasche verkauft. Heute kostet er auf Ebay und Aktionen über 1000″, erzählt er. Die Nachfrage steige beständig. Bei Slyrs am Schliersee werde jedoch nicht mehr produziert. „Es bleibt bei 120.000 Flaschen im Jahr“, sagt Kemenater. „Damit sind wir mit unseren rund 30 Mitarbeitern gut ausgelastet.“

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1 Kommentar
  • Jürgen K. 7. Oktober 2015 10:32

    Sehr informativer und gut geschriebener Artikel. Lob an Frau Eckert. Ich bin auf die Seite auf der Suche nach Information zum Thema gestoßen. Dass auch heimischer Whisky eine lohnende Anlage sein kann, hätte ich bis dato gar nicht auf dem Schirm. Ist einen Versuch wert. Sonst liest man ja auch auf Spezialseiten nur von Schottischen Single Malts als Wertanlage

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