Finanzen + Vorsorge Banken hüten horrende Dispozinsen wie ein Staatsgeheimnis

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Wird das Konto überzogen, kann es unverschämt teuer werden - wie teuer genau, geben die Banken laut Stiftung Warentest ungern preis. Die Tester haben die Dispozinsen deutscher Banken untersucht.

Die Zinsen für Dispositionskredite sind nach Ansicht der Stiftung Warentest noch immer viel zu hoch. Die Verbraucherexperten ermittelten im Durchschnitt einen Zinssatz von 10,25 Prozent, wie die Stiftung am Dienstag mitteilte. Vor einem Jahr waren es 10,65 Prozent.

Der Höchstwert bei der aktuellen Untersuchung lag bei 16 Prozent, elf Banken verlangen mehr als 13 Prozent Zinsen, wenn ein Kunde sein Girokonto überzieht. Für die Stiftung Warentest eine unverschämte Forderung: Als fairen Wert bezeichneten die Tester einen Zinssatz „deutlich unter zehn Prozent“ – zumal „die Ausfallquote beim Dispo nur gut ein Prozent betrage.

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Die Stiftung hatte die Dispozinsen bei fast 1500 Banken abgefragt, gut zwei Drittel der Kreditinstitute beantworteten die Anfrage nicht. Bei einem Drittel mussten die Tester Filialen besuchen, um die Dispo-Zinssätze herauszufinden. Der Vorstand der Stiftung, Hubertus Primus, kritisierte die mangelnde Transparenz zahlreicher Banken. Wenn es den Testern nicht gelang, dürfte es auch für Bankkunden schwierig sein, die Dispozinsen herauszufinden.

„Die Banken verdienen prächtig“, schreibt die Stiftung Warentest. Immerhin überziehen sechs Prozent der Verbraucher in Deutsch­land ihr Konto wenige Male pro Jahr, rund 17 Prozent sogar regel­mäßig.

Banken sehen Dispozinsen auf dem tiefsten Wert seit zehn Jahren

Die Deutsche Kreditwirtschaft, ein Zusammenschluss der Banken- und Sparkassenverbände, wiegelt ab: Man müsse „die Konditionen für den Dispokredit als einen Teil des Gesamtpakets Girokonto, also nicht losgelöst von den anderen Leistungen betrachten“. Laut Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2015 habe zudem der durchschnittliche Dispozinssatz im Mai 2015 bei 8,83 Prozent gelegen, das sei der tiefste Wert seit mindestens zehn Jahren.

Auch wenn die Stiftung Warentest diese Einschätzung nicht teilt, so sieht sie doch eine positive Entwicklung: Immerhin waren es 2014 noch 35 Banken, die mehr als 13 Prozent Dispozinsen verlangten. Im Schnitt sanken die Dispozinsen um 0,4 Prozentpunkte. Die günstigsten Dispozinsen im Test verlangte wie schon in den vergangenen Jahren die Deutsche Skatbank für ihr online geführtes Konto: Hier werden 4,49 Prozent fällig, wenn das Konto überzogen wird. Eine der teuersten war die Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut (Bayern). Sie verlangt – abhängig von der Bonität der Kunden – bis zu 16 Prozent Zinsen für den Dispokredit.

Neues Gesetz soll Bankkunden besser schützen

Vor überhöhten Dispozinsen will auch der Gesetzgeber Bankkunden künftig besser schützen: Mitte Juli brachte die Bundesregierung ein Gesetz auf den Weg, das für mehr Transparenz sorgen soll. Demnach sollen die Kreditinstitute verpflichtet werden, die aktuellen Zinssätze gut sichtbar auf ihre Internetseite zu stellen. Das soll Verbrauchern den direkten Vergleich erleichtern.

 

Welche Banken noch unverschämt viel von ihren Kunden verlangen – und welche einen günstigen Dispozins haben, sehen Sie auf der Website der Stiftung Warentest.

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