Finanzen + Vorsorge Stiftung Warentest: Konto-Überziehen noch immer zu teuer

Banken verlangen für den Dispokredit meist hohe Zinsen.

Banken verlangen für den Dispokredit meist hohe Zinsen. © Stefan Rajewski - Fotolia

Rutscht das Konto ins Minus, wird es teuer. Zu teuer, meinen Finanztester - auch wenn einige Banken zuletzt die Dispozinsen gesenkt haben. Dabei leihen sich die Institute das Geld zur Zeit fast umsonst.

Viele Banken verlangen von ihren Kunden laut Stiftung Warentest noch immer überhöhte Zinsen fürs Konto-Überziehen. Wer ins Minus rutscht, muss Dispozinsen von bis zu 14,25 Prozent zahlen, ergab ein am Dienstag veröffentlichter Vergleich für die Zeitschrift „Finanztest“. Nach Ansicht der Tester müsste ein fairer Dispozins deutlich unter zehn Prozent liegen, denn die Banken selbst können sich Geld zu historisch niedrigen Konditionen leihen.

Die Stiftung Warentest hatte die Konditionen von 1504 Banken verglichen und stieß auf große Unterschiede. Der günstigste Anbieter verlangte für den Dispo 4,9 Prozent. Im Schnitt zahlten Kunden zum Stichtag 1. August 10,65 Prozent.

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Im Vorjahr waren es noch 11,31 Prozent gewesen. Bei 250 Banken sei das Konto-Überziehen seitdem um mindestens einen Prozentpunkt günstiger geworden, sagte Stiftungsvorstand Hubertus Primus. Bewegt haben sich vor allem Institute, die zuvor kräftig zugriffen: Von den 100 Banken, die damals Dispozinsen von 13 Prozent und mehr verlangten, blieben nur 35 übrig. Untereinander liehen sich Banken zum Stichtag das Geld für 0,21 Prozent.

Intransparenz der Dispozinsen in der Kritik

Nach der jüngsten Senkung des EZB-Leitzinses auf das Rekordtief von 0,05 Prozent hatten noch einmal mehrere Banken angekündigt, die Dispozinsen zu senken – allerdings nur geringfügig auf immer noch zweistellige Werte.

„Viele Banken nehmen weiterhin unangemessen hohe Dispo-Zinsen und sind auch nicht transparent“, kritisierte Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD). Kunden, die lange im Dispo steckten, müssten verpflichtend zu Alternativen beraten werden, forderte er.

Mögliche Lösung: gesetzliche Deckelung

„Es tut sich nicht besonders viel“, sagte auch Primus. Zu viele Banken nutzten den Dispozins weiterhin, „um ihre Kunden zu schröpfen“. Jeder Prozentpunkt mehr spüle den Instituten knapp 380 Millionen Euro in die Kassen.

Eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen sehen die Tester trotzdem kritisch. „Gerade Banken mit hohen Dispozinsen fahren bereits Ausweichmanöver“, sagte Primus. Der Dispozins werde gesenkt, gleichzeitig aber die Kontoführungsgebühr erhöht. Günstige Dispo-Konditionen gebe es hier nur für teure Konten. Das verzerre auch den im Test ermittelten Durchschnittswert nach unten.

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