• Stiftungen in der Zwickmühle

    Viele Unternehmer gehen unter die Stifter. Das Kapital der Einrichtungen müssen sie ertragreich und sicher anlegen. Keine leichte Aufgabe, weiß Outdoorausrüster Peter Schöffel.

    Peter Schöffel ist ein vielseitiger Mensch. Geduld beweist der Inhaber des gleichnamigen Ski- und Wanderjackenherstellers aus dem bayerischen Schwabmünchen beim Fliegenfischen – ein Hobby, das er seit einem kurzen Auslandsaufenthalt in Nordamerika betreibt. Doch bisweilen darf es deutlich rasanter zugehen, vor allem beim Tiefschneefahren auf Steilpisten in den Alpen oder in den Rocky Mountains.

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    Mut zum Risiko beweist der 51-jährige Schwabe auch bei der Geldanlage. Schöffel ist bekennender Aktienfan. Der Euro-Krise und allen Kursturbulenzen zum Trotz setzt er auf Dividendentitel. Zuletzt kaufte er vor allem Papiere deutscher Großkonzerne. Den Essener Energieversorger RWE zum Beispiel, die Deutsche Telekom oder den Chemiegiganten BASF aus Ludwigshafen.

    Die Kapitalanlagen sind jedoch nicht für sein Privatportfolio. Er investiert für die Schöffel-Stiftung, die er im vergangenen Jahr gemeinsam mit seinem Vater Hubert gegründet hat. Die gemeinnützige Einrichtung engagiert sich für Soziales, Kinder- und Jugendförderung sowie Umweltschutz.

    Oft bleibt zu wenig Geld übrig

    Stiften ist in. Im Jahr 2011 gab es 817 Neugründungen. Und die Stifter – darunter viele Unternehmer – müssen sich mit der Frage befassen, wie sie Geld sinnvoll am Kapitalmarkt investieren. Traditionell legen Deutschlands Stifter extrem vorsichtig an, vor allem in Staatsanleihen. Ein gravierender Fehler, meint der Bundesverband Deutscher Stiftungen angesichts historisch niedriger Zinsen: “Mit ihrer bewährten, auf Sicherheit ausgerichteten Anlagestrategie schaffen es viele Stiftungen nicht mehr, die Ziele Sicherheit, Vermögenserhalt und ausreichende Erträge für den gemeinnützigen Zweck unter einen Hut zu bringen”, warnte Generalsekretär Hans Fleisch vor einigen Monaten.

    Klar: Wenn sie mit sicheren Staatsanleihen weniger als zwei Prozent Rendite einfahren, bleibt nach Abzug der Verwaltungskosten oft kaum noch etwas übrig, um Projekte zu unterstützen. Vom realen Wertverlust durch die Inflation, die derzeit bei rund zwei Prozent liegt, ganz zu schweigen.

    Schöffel will dem mit Substanzwerten begegnen: “Die Aktienquote des Stiftungsportfolios liegt aktuell bei rund 50 Prozent”, sagt er. Auch Experten raten Stiftern, trotz des Auf und Ab an den Börsen verstärkt auf die Firmenanteilscheine zu setzen. “Aktien großer Konzerne bieten derzeit oft Dividendenrenditen von mehr als vier Prozent”, sagt Peter Reichel, Leiter Private Vermögensverwaltung bei der Berenberg Bank in Hamburg. “Für Stiftungen sind sie deshalb deutlich interessanter geworden.” Wer allein auf sichere Staatsanleihen setze, könne dagegen keine angemessenen Erträge mehr erwirtschaften.

    Vorsicht vor Zockerpapieren

    Aber Vorsicht: Auf Zockerpapiere, die stark schwanken, sollte niemand setzen. “Die Landesstiftungsgesetze schreiben vor, dass Stiftungen ihr Vermögen sicher und ertragreich anlegen müssen”, sagt Martina Erlwein, Leiterin Stiftungsoffice bei der Berenberg Bank. Was das bedeutet, ist zwar nicht definiert. Aber wer das Portfolio mit Finanzoptionen, Hedge-Fonds oder anderen hoch volatilen Anlagen bestückt, wandelt auf einem schmalen Grat. Denn wenn eine gemeinnützige Einrichtung über einen längeren Zeitraum Verluste meldet, kann das die Stiftungsaufsicht auf den Plan rufen. Schlimmstenfalls haften die Vorstände sogar persönlich, so Erlwein.

    Auch deshalb rät Reichel Stiftern bei Aktien zu Papieren großer Unternehmen, “die bewiesen haben, dass sie in verschiedenen Marktzyklen Geld verdienen können”. Dazu gehört aus seiner Sicht beispielsweise der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé oder der deutsche Dialysespezialist Fresenius.

    Schöffel achtet bei der Auswahl der Papiere vor allem auf die Dividendenrendite, also auf die jährliche Ausschüttung in Relation zum Kurs der Aktie. Die Papiere der Deutschen Telekom und von RWE lockten hier mit jeweils sechs bis sieben Prozent, als er im Sommer einstieg. “Mir geht es um stabile Erträge für gemeinnützige Projekte”, sagt er.

    Und wenn die Kurse doch mal kräftig einbrechen, wie zuletzt 2011 durch die Schuldenkrise, die auch Papiere etablierter Konzerne voll erwischte? “Das kann ich gelassen beobachten”, sagt der Schwabe. “Ich will die Aktien ja nicht wieder verkaufen, sondern dauerhaft als Ertragsbringer im Depot liegen lassen.” Damit erfüllt er auch die Vorgabe, das Stiftungsvermögen “ertragreich” anzulegen – selbst wenn die Dividende vorübergehend ausfallen sollte. Erlwein: “Stiftungen müssen ihr Geld überwiegend in Anlageklassen stecken, die regelmäßig ausschütten.” Thesaurierende Modelle wie etwa Fonds, die Erträge erneut anlegen, seien höchstens als Beimischung zulässig.

    Neben Aktien setzt Schöffel auf Unternehmensanleihen, und zwar ebenfalls von großen Konzernen. Kürzlich erst hat er in ein Papier des weltgrößten Zementherstellers Heidelberg Cement investiert. “Letztes Jahr habe ich wegen der Börsenturbulenzen noch deutlich mehr Anleihen gekauft”, berichtet er. Dadurch habe die Anleihequote im Portfolio 2011 im Schnitt bei 65 Prozent gelegen. Trotz negativem Konjunkturausblick ist er optimistisch für Aktien: “Die Schuldenkrise hat sich beruhigt, und viele Unternehmen verdienen weiter prächtig.”

    Die Berenberg-Experten agieren vorsichtiger und empfehlen weiterhin eine Anleihequote von 60 Prozent – bei lediglich 20 Prozent Aktien und einer Liquiditätsreserve von zehn Prozent. “Die übrigen zehn Prozent sollten Stiftungen in alternative Anlageformen stecken”, sagt Reichel, etwa in Rohstoffe wie Gold, aber auch Devisen. Und: “Wir empfehlen aktuell den US-Dollar, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass er sich positiv entwickelt, wenn andere Anlageformen – etwa Aktien – einbrechen.”

    So breit streut Schöffel das Kapital nicht. “Erst wenn das Stiftungsvermögen – aktuell reden wir über einen sechsstelligen Betrag – die Millionengrenze überschreitet, ergibt eine weitere Diversifizierung des Portfolios Sinn”, sagt er. Dann könne er sich vorstellen, einen professionellen Finanzmanager einzuschalten. Auch Berenberg-Experte Reichel weist darauf hin, dass eine vernünftige, individuelle Vermögensverwaltung in der Regel erst ab einem Betrag von 1 Mio. Euro möglich ist.

    Dieses Limit will Schöffel schon bald knacken. “Die Stiftung wird in den nächsten Jahren kräftig wachsen”, kündigt er an. “Mein Vater und ich haben vereinbart, jedes Jahr ein Prozent des Vorsteuergewinns unseres Unternehmens hineinzustecken.” Wie viel das genau ist, will er nicht verraten. Es dürfte sich aber um eine niedrige sechsstellige Summe pro Jahr handeln: Laut dem zuletzt veröffentlichten Jahresabschluss 2010 erzielte der Outdoorausrüster damals einen Vorsteuergewinn von rund 10 Mio. Euro.

    Wächst die Firma, profitiert die Stiftung

    Und die Zeichen stehen auf Wachstum: Das 1804 als Strumpfhersteller gegründete Familienunternehmen, das die österreichische Skinationalmannschaft ausrüstet, steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr von 84 Mio. auf 93,5 Mio. Euro. “Unser Nahziel ist es, die 100-Mio.-Euro-Marke knacken”, sagt Schöffel.

    Wenn das gelingt und der Gewinn in ähnlichem Maße wächst, wird das auch der Stiftung zugutekommen. Dort hat Schöffel mit seinem Mix aus Aktien und Firmenbonds bislang fünf Prozent jährlich eingefahren – und zwar steuerfrei. “Gemeinnützige Stiftungen sind von der Ertragsteuer befreit, von Zins- und Dividendeneinnahmen wird deshalb keine Abgeltungsteuer einbehalten”, erklärt Martin Fasselt, geschäftsführender Partner der Beratungsgesellschaft PKF Fasselt Schlage, die zahlreiche Stiftungen berät.

    Die Erträge wollen Schöffel und sein Vater Hubert in regionale Projekte rund um Ausgburg stecken. “Dabei konzentrieren wir uns lieber auf wenige Projekte, als das Geld mit der Gießkanne zu verteilen”, sagt Schöffel. Bisher unterstützt die Stiftung zum Beispiel ein Projekt zur ambulanten Versorgung von Demenzkranken sowie eine Wohngruppe für Frauen in Not.

    Die Kosten hält er gezielt niedrig: Die Vermögensverwaltung übernimmt er selbst, und bei der Verwaltung hilft ihm seine persönliche Assistentin – vor allem, wenn es um die Vorauswahl von Projekten geht. Ein wenig Zeit fürs Fliegenfischen und Skifahren soll Schöffel schließlich auch noch bleiben.

    Für Familie und Gemeinwohl
    Stiftungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit, nicht zuletzt wegen der Steuervorteile. Was zu beachten ist
    Große Vielfalt Es gibt etliche Varianten. Für Unternehmer sind zwei Arten besonders interessant. Erstens: Gemeinnützige Stiftungen, die ihre Erträge für wohltätige Zwecke zugunsten der Allgemeinheit, also etwa für soziale Projekte, verwenden. Zweitens: Familienstiftungen, die vor allem dem Erhalt von Vermögen dienen.
    Privileg vom Fiskus Die Übertragung von Betriebsvermögen auf eine Stiftung ist steuerlich attraktiv. “Viele Stiftungen müssen kaum Schenkungsteuer auf das übertragene Vermögen zahlen”, sagt Martin Fasselt von der Beratungsgesellschaft PKF Fasselt Schlage. Allerdings hält der Fiskus alle 30 Jahre erneut die Hand auf – was aber in der Regel günstiger sein dürfte als bei einer Vererbung von Generation zu Generation. Und: Gemeinnützige Stiftungen müssen auf ihre Kapitalmarkterträge keine Abgaben zahlen – sie sind von der Abgeltungsteuer befreit.
    Kosten begrenzen Experten raten, den Aufwand, etwa die Personalkosten, auf maximal 25 bis 30 Prozent der Erträge zu begrenzen. Dann gelten die Verwaltungskosten gerade noch als “angemessen”, wie es die “Grundsätze guter Stiftungspraxis” für gemeinwohlorientierte Einrichtungen fordern. Wer für die Anlage des Stiftungskapitals einen Verwalter engagiert, muss hierfür 0,8 bis ein Prozent des Vermögens kalkulieren.
    Hilfestellung Wer Hilfe bei Gründung und Management der Stiftung braucht, findet auf der Homepage des Bundesverbands Deutscher Stiftungen eine Liste mit spezialisierten Beratern und Verwaltern: www.stiftungen.org
    Aus dem Magazin
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