Finanzen + Vorsorge Strafgebühren bei Banken: Müssen Sparer sich Sorgen machen?

Das Commerzbank-Logo an der Zentrale in Frankfurt am Main

Das Commerzbank-Logo an der Zentrale in Frankfurt am Main© Commerzbank

Es ist ein Novum: Wer Geld bei der Bank anlegt, muss dafür Gebühren zahlen, statt Zinsen zu kassieren. Noch trifft es nur ausgewählte Kunden. Viele Sparer fragen sich, ob es dabei bleibt.

Lange galten Strafzinsen in der Branche als Tabu. Doch nach der bis dato kaum bekannten Thüringer Skatbank führt die Commerzbank als deutsche Nummer zwei Gebühren für hohe Geschäftsguthaben ein. Nun folgt die Düsseldorfer WGZ. Ein Trend?

Drohen Millionen Sparer jetzt negative Zinsen?

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Verbraucherschützer erwarten nicht, dass die Banken solche Strafzinsen in Zukunft auch für kleinere Sparguthaben einführen werden. „Verbraucher würden ihr Geld dann schnell bei einer anderen Bank aufs Sparkonto legen“, sagt Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Nein, meint auch Branchenkenner Max Herbst von der Finanzberatung FMH: „Es dürfte Jahre dauern, bis Einlagen unter 250.000 Euro betroffen sein werden.“ Spareinlagen bis 100.000 Euro hält der Frankfurter Experte für gänzlich ungefährdet von den aktuellen Beschlüssen einzelner Banken: „Der Kleinsparer muss keine Angst haben, dass morgen sein Sparbuch mit 30.000 Euro mit Negativzinsen belastet wird.“ Auch Commerzbank und WGZ versichern: Privatkunden und Mittelstand würden von der Strafgebühr verschont.

Wie sieht es in der Branche insgesamt aus?

„Die Deutsche Kreditwirtschaft erwartet nicht, dass es zu negativen Einlagenzinsen für Privatkunden kommen wird“, sagt BVR-Präsident Uwe Fröhlich als Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft. Der harte Wettbewerb im engen deutschen Bankenmarkt dürfte viele Institute vor Minus-Zinsen für Privatkunden zurückschrecken lassen. Branchenprimus Deutsche Bank plant nach Angaben eines Sprechers derzeit nicht, „im breiten Kundengeschäft“ Gebühren für Einlagen einzuführen. Der Sprecher erklärt: „Für institutionelle Kunden mit zusätzlichem Bedarf an Einlageprodukten bietet die Bank verschiedene Anlagealternativen an, um auf das geänderte Zinsumfeld reagieren zu können.“

Welche Kunden sind von Strafzinsen betroffen?

Die Commerzbank behält sich eine „Guthabengebühr“ nach Angaben eines Sprechers „bei einzelnen großen Firmenkunden mit hohen Guthaben sowie bei Großkonzernen und institutionellen Anlegern“ vor. Greifen soll das ab Dezember. Auch die Düsseldorfer WGZ – die Zentralbank der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen – will einzelnen institutionellen Kunden negative Zinsen berechnen. Die Deutsche Skatbank – eine Direktbank-Tochter der Volks- und Raiffeisenbank Altenburger Land in Thüringen – erhebt seit November für Beträge auf Tagesgeldkonten von mehr als 500.000 Euro einen Negativzins von 0,25 Prozent. Dieser wird aber erst fällig, wenn die Gesamteinlagen des Kunden drei Millionen Euro überschreiten.

Warum verlangen Banken plötzlich Geld für Guthaben ihrer Kunden?

Die Institute begründen das mit der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Als erste größere Notenbank der Welt bittet die EZB seit Juni Geschäftsbanken zur Kasse, wenn diese Geld bei ihr parken. Zunächst waren es 0,1 Prozent, im September erhöhten die Währungshüter den Strafzins auf 0,2 Prozent. Diese Gebühr geben erste Banken etwa an Firmenkunden weiter, für die sie große Geldbestände vorhalten. „Großinvestoren legen ihr Geld auch wegen der üppigen Einlagensicherung in Deutschland an“, erklärt Branchenkenner Herbst.

Trifft das nicht letztlich doch alle Bankkunden?

Auf Umwegen könnten Strafzinsen bei Kleinsparern und Verbrauchern ankommen: Großkunden der Banken sind auch Fondsgesellschaften. Denkbar ist, dass Fonds für Anleger weniger Rendite abwerfen, weil deren Anbieter bei ihrer Bank Gebühren für die Geldanlage zahlen müssen. Die Fondsgesellschaft Union Investment erklärt, sie halte möglichst nicht mehr Liquidität vor als unbedingt notwendig und versuche aktuell, Gelder etwa in Festgeld umzuschichten. Ähnlich sieht es bei Versicherern aus, die als institutionelle Investoren ebenfalls betroffen sind. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hält Strafzinsen für „ein fatales Signal an alle Sparer: Sie schaden dem privaten Vorsorgegedanken und erschüttern das Vertrauen in die gesamte Finanzbranche.“

Was soll der EZB-Strafzins überhaupt bezwecken?

Die Währungshüter wollen Banken dazu bringen, überschüssiges Geld nicht zu horten, sondern mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu geben. Das könnte die lahmende Konjunktur im Euroraum ankurbeln und die für den Wirtschaftsaufschwung gefährlich niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp 2,0 Prozent heben.

Geht das Kalkül der Währungshüter auf?

Banken haben ihre Übernacht-Einlagen bei der EZB kräftig verringert. Nach jüngsten Daten parken die Institute noch gut 25 Milliarden Euro bei der EZB. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, als das Misstrauen der Banken untereinander groß war, waren es mehr als 800 Milliarden Euro. Die Kreditvergabe jedoch hat nicht so angezogen wie erhofft. Viele deutsche Mittelständler etwa haben ausreichend eigene Gelder, um neue Maschinen und Fabrikhallen zu finanzieren. Und weil die konjunkturelle Lage insgesamt unsicher bleibt, stehen viele Manager beim Thema Investitionen grundsätzlich auf der Bremse.

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