Finanzen + Vorsorge Strafzinsen: Wenn es Geld kostet, zu sparen

Valerie Brönström, Gründerin der Fitness-Kette Mrs. Sporty, sieht die Minus-Zinsen skeptisch: „Wenn ich nicht davon profitiere, dass mein Geld bei der Bank arbeitet: Was ist dann das Geld noch wert?“

Valerie Brönström, Gründerin der Fitness-Kette Mrs. Sporty, sieht die Minus-Zinsen skeptisch: „Wenn ich nicht davon profitiere, dass mein Geld bei der Bank arbeitet: Was ist dann das Geld noch wert?“© Werner Schuering

Die Zinsen sinken und sinken – erstmals auch unter null. Einige Banken verlangen bereits Extra-Gebühren für größere Guthaben. Die Negativzinsen sorgen für Unruhe bei mittelständischen Firmen. Wie Unternehmer wie Mrs. Sporty-Chefin Valerie Brönström jetzt reagieren.

Wer sein Geld zur Bank bringt, bekommt dafür Zinsen – so ist es in normalen Zeiten. Doch seit kurzem verlangen einige Geldinstitute Gebühren von Firmenkunden, wenn sie größere Guthaben auf einem Konto parken wollen. Das Geld wird somit negativ verzinst. Den Anfang machte Ende des vergangenen Jahres die thüringische Skatbank, die Tagesgeldkonten mit Guthaben ab 500.000 Euro mit einem Strafzins von 0,25 Prozent belegt. Bekanntere Institute wie die Commerzbank haben angekündigt, statt Strafzinsen zu verhängen bestimmte Gebühren zu erhöhen. „Immer mehr Banken werden an dieser Schraube drehen“, prognostiziert der unabhängige Finanzierungsberater Peter Barkow, Gründer von Barkow Consulting. Was bedeutet das für den Mittelstand? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

 
1. Warum passiert das?
Der Grund für die Minus-Zinsen: Die Banken wissen nicht, wohin mit dem Geld. Normalerweise können sie beinahe unbegrenzt Kapital bei der Europäischen Zentralbank parken, die ihnen darauf Zinsen zahlt. Doch die EZB setzt auf Mini-Zinsen, um die Konjunktur anzukurbeln. Seit kurzem verlangt sie von den Banken Gebühren, wenn diese Geld bei ihr anlegen. Diesen Negativzins reichen die Banken nun an die Kunden weiter. „Banken und Anleger stehen zurzeit gemeinsam auf der Verliererseite“, sagt Finanzierungsexperte Barkow. „Dass Zinsen überhaupt negativ sein können, ist nicht nur für Laien, sondern auch für viele Unternehmer eine mehr als unangenehme Überraschung.“

 
2. Werden die Zinsen schnell wieder steigen?
Das glaubt keiner der von impulse befragten Experten. Denn mit ihrer außergewöhnlichen Niedrigzins-Politik will die EZB die Wirtschaft in Europa stützen, Investitionen erleichtern und den Konsum ankurbeln. „Da es mit Ausnahme von Deutschland insgesamt weiterhin nicht rund läuft und keiner der Indikatoren auf einen baldigen, nachhaltigen Aufschwung in ganz Europa hindeutet, werden die Zinsen in den nächsten Jahren auf diesem Niveau verharren“, sagt Thomas Leopold von der Finanzberatung Rüddenklau & Partner. „Für die nächsten drei, vier, vielleicht auch fünf Jahre sehe ich da keine großen Veränderungen.“

 
3. Welche Folgen hat der Minus-Zins für Unternehmer?
Beim Zentralverband des Deutschen Handwerks, der Interessenvertretung von mehr als einer Million zumeist kleinen Betrieben, sieht man die Niedrigzinsen mit gemischten Gefühlen. „Die Zinsentwicklung befördert einerseits private Investitionen. Davon profitieren viele Gewerke im Handwerk“, sagt Präsident Hans Peter Wollseifer. „Der private Konsum und die Investitionen in privat genutzte Immobilien tragen entscheidend zur positiven konjunkturellen Entwicklung im Handwerk bei.“ Andererseits komme die Zinsentwicklung einer Enteignung von Geldvermögen gleich. „Das gefährdet zum Beispiel die private und betriebliche Altersvorsorge, auch im Handwerk“, so Wollseifer.

Negativzinsen sind nicht nur rein wirtschaftlich schwierig“, sagt Valerie Bönström, Gründerin der Fitnesskette Mrs. Sporty. „Das größere Problem ist die Signalwirkung: Wenn ich nicht davon profitiere, dass mein Geld bei der Bank arbeitet, dann fragt man sich schnell was dann das Geld noch wert ist.“

 
4. Welche Alternativen gibt es?
Viele Ausweichmöglichkeiten zum Guthabenkonto haben gerade kleinere Firmen zurzeit nicht. „Das wichtigste Ziel für Unternehmen bleibt es, liquide zu sein“, sagt Finanzexperte Leopold, „weshalb die meisten Mittelständler es in Kauf nehmen, dass diese Liquidität sie zurzeit etwas kostet.“ Zwar lohne es sich im Einzelfall die Hausbank zu wechseln, doch bislang beobachte er wenig Aktionismus bei kleinen und mittleren Firmen. Was sich jedoch anbiete: Alte, teure Kredite ablösen und durch neue, günstigere ersetzen. Oder: Das Kapital jetzt in Investitionen stecken, die das Unternehmen stärken.

Mathis Menzel aus Berlin macht genau das: Er steckt Kapital in den Zukauf von Firmen, die gut zu seiner Menzel Elektromotoren GmbH passen. Dabei profitiert er sogar von den niedrigen Zinsen. „Wir bringen eine gesunde Portion Eigenkapital ein, nutzen aber auch die Möglichkeit, günstiger Kredite für eine komfortable Kapitalausstattung der übernommenen Unternehmen.“ Für Menzels Familienunternehmen zahlt sich diese Strategie jetzt schon aus: „So haben wir vergangenes Jahr ein Umsatzwachstum von 20,5 Prozent erreicht.“

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