Finanzen + Vorsorge Studie: Darum werden die Lohnunterschiede immer größer

Welcher Factoring-Anbieter in Frage kommt, hängt von der Branche und der Unternehmensgröße ab.

Welcher Factoring-Anbieter in Frage kommt, hängt von der Branche und der Unternehmensgröße ab.© KfW Bildarchiv

Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Doch nicht alle Beschäftigte in Deutschland profitieren gleichermaßen von der Entwicklung: Die Schere zwischen Gutverdienern und Geringverdienern öffnet sich immer weiter. Was sind die Gründe dafür?

Die Lohnschere in Deutschland klafft immer weiter auseinander. Bei der Suche nach den Ursachen ist sich die Wissenschaft allerdings uneins. Die Bertelsmann-Stiftung aus Gütersloh hat zusammen mit dem Münchner Ifo-Institut mehrere Gründe benannt und einen Hauptpunkt ausgemacht: Die sinkende Tarifbindung in der deutschen Wirtschaft.

Seit Mitte der 1990er-Jahre haben sich immer mehr Unternehmen aus der Tarifbindung verabschiedet. Vor 20 Jahren waren 60 Prozent dabei, jetzt sind es nur noch 35 Prozent. Bei den Mitarbeitern sank der Anteil im selben Zeitraum nicht ganz so dramatisch um 20 Prozentpunkte. 62 Prozent der Beschäftigten sind noch im Tarif. Im gleichen Zeitraum stiegen die Reallöhne inflationsbereinigt im oberen Fünftel der Studie zufolge um 2,5 Prozent, während das Lohnniveau im unteren Fünftel um 2 Prozent zurückging.

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Sinkende Tarifbindung trifft untere Lohngruppen

Die am Mittwoch vorgestellte Studie nennt die seit 20 Jahren sinkende Tarifbindung als Hauptgrund für die Lohn-Spreizung. Wenn Gewerkschaften nicht mehr für gute Löhne kämpfen könnten, treffe das die unteren Lohngruppen besonders hart.

Bei der Schlussfolgerung regt sich unter Wissenschaftlern allerdings Widerspruch. Herbert Dawid von der Uni Bielefeld: „Dass der Effekt der mangelnden Tarifbindung wirklich so groß sein soll, wundert mich schon“. Ob die Wirtschaft auf Kosten der Gerechtigkeit im unteren Lohn-Sektor wachse, sei umstritten. „Das wird heiß diskutiert.“

Als Hauptgrund sieht die Studie die Veränderungen am Arbeitsmarkt. Neue Arbeitsplätze seien vor allem durch flexiblere Bezahlung im Niedriglohnsektor entstanden. Laut Statistischem Bundesamt waren 2006 rund 19 Prozent im unteren Lohnbereich beschäftigt, 2010 waren es fast zwei Prozentpunkte mehr.

DGB sieht sich bestätigt

Auch Bernd Fitzenberger von der Uni Freiburg zieht bei der Analyse der Studiendaten einen anderen Schluss. Den Anstieg bei der Lohnungleichheit bestätigt der Wirtschaftswissenschaftler ausdrücklich. Fitzenberger gerät der Blick nur auf die fehlende Tarifbindung aber zu kurz. „Der Anstieg der Lohnungleichheit begann bereits Mitte der 1990er-Jahre und ging einher mit der Neuorganisation von Produktionsprozessen. Zum Teil wurde ins Ausland ausgelagert, der größere Teil aber wurde im Inland, auch in Abstimmung mit den Gewerkschaften, bei den Lohnkosten dem Wettbewerb angepasst“, sagt Fitzenberger.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht sich durch die Bertelsmann-Studie bestätigt. „Der Mindestlohn war immer nur als erster Schritt gegen den Niedriglohnsektor gedacht. Die Ergebnisse der Studie belegen eindeutig, dass nun weitere Schritte folgen müssen – flächendeckend mehr Tarifbindung. Nur 35 Prozent tarifgebundene Betriebe sind ein Armutszeugnis für die deutsche Wirtschaft“, sagte der Vorsitzende des DGB, Reiner Hoffmann.

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