Finanzen + Vorsorge Swatch-Chef Hayek: Schweizer Notenbank löst „Tsunami“ aus

Die Schweizer Flagge

Die Schweizer Flagge© JWS - Fotolia.com

Jahrelang hat die Schweizer Notenbank (SNB) den Franken mit Euro-Käufen künstlich billig gehalten. Denn: Je mehr der Franken kostet, desto schlechter ist das für Export-Unternehmen. Am Donnerstag stoppte die Notenbank völlig überraschend ihre bisherige Politik - zum Entsetzen vieler Unternehmen.

Was hat die Nationalbank entschieden?

Um die eigene Währung schwächer zu machen, hat die Schweizer Notenbank (Schweizerische Nationalbank, SNB) seit 2011 an den Devisenmärkten immer wieder Euro gekauft, damit der Euro mindestens 1,20 Franken kostet. Immer wenn für einen Euro weniger gezahlt werden musste – der Franken also stärker war – griff die Notenbank ein. Diese Politik gibt sie jetzt auf. Prompt schoss der Franken in Höhe.

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Die Notenbank entschied am Donnerstag aber noch etwas anderes: Die Währungshüter erhöhten den „Strafzins“ für Guthaben auf Girokonten bei der Nationalbank. Wird ein bestimmter Freibetrag überstiegen, werden statt bisher 0,25 Prozent jetzt 0,75 Prozent fällig. Zugleich hält sich die Notenbank den Ankauf ausländischer Währungen offen.

Gibt es weitere Gründe für die Entscheidung?

Ja, zum Beispiel die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank: Die Europäische Zentralbank dürfte am 22. Januar entscheiden, mit Anleihekäufen weitere Milliarden in den Markt zu pumpen. Das könnte den Euro schwächen. Die SNB müsste noch mehr Euro kaufen, um den Franken schwach zu halten. Die Zentralbank habe erkennen müssen, wie schwer es ist, eine solche Marke zu halten. Nun habe sie das Ende mit Schrecken statt des Schreckens ohne Ende gewählt, sagte Währungsexperte Dirk Aufderheide von der Deutschen Bank.

Warum ist der Franken so stark?

Neben Gold gilt der Franken vielen Anlegern als „sicherer Hafen“ in unsicherer Zeit. Vor allem darum kaufen Anleger die Schweizer Währung.

Warum ist ein starker Franken ein Problem für die Wirtschaft?

Für die Exportwirtschaft des Alpenlandes ist die starke Währung eine enorme Belastung. Verbrauchern ist die Schweiz vor allem durch Käse, Schokolade und Uhren bekannt – viel wichtiger sind aber Exportgüter wie Pharmaprodukte und Maschinen. Ein starker Franken verteuert die Ausfuhr der Waren und nagt so an der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Swatch-Chef Nick Hayek kritisierte die Schweizerische Nationalbank nach der Entscheidung heftig. „Es fehlen mir die Worte“, sagte der Chef des Uhrenkonzerns der Schweizer Nachrichtenagentur sda. Jordan sei nicht nur der Name des Nationalbankpräsidenten, sondern auch der eines Flusses. Das, was die Notenbank da ausgelöst habe, sei ein „Tsunami“. Dies gelte nicht nur für die Exportindustrie und den Tourismus, sondern für die ganze Schweiz, sagte Hayek weiter.

An der Börse in Zürich gab es nach der Entscheidung schwere Turbulenzen: Im 20 Unternehmen umfassenden Leitindex SMI rutschten mit Ausnahme des Telekomkonzerns Swisscom alle Werte massiv ab. Die Anteile am Luxusgüterhersteller Richemont und an Swatch verloren jeweils mehr als 15 Prozent.

Die Euro-Länder sind die wichtigsten Handelspartner der Schweiz. Im Jahr 2013 gingen nach Angaben des Bundesamtes für Statistik 39,3 Prozent der Schweizer Exporte nach Deutschland, auf Rang zwei folgten die USA und dann die Euro-Länder Frankreich und Italien. Auch die Tourismus-Branche bekommt die Stärke des Frankens zu spüren, weil Urlaub in dem Alpenland teurer wird. In den letzten Jahren sei die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus Europa stetig gesunken, erklärten die Statistiker. Für die Touristen werde die bereits teure Schweiz jetzt noch teurer, warnte der Schweizer Tourismus-Verband (STV).

Wer profitiert von der Entscheidung?

Durch die Freigabe des Schweizer Franken zum Euro rechnen Einzelhändler in Baden-Württemberg besonders in Grenznähe mit wachsendem Shoppingtourismus. Einkaufen in Deutschland werde für Schweizer nun noch günstiger, sagte Olaf Kather, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Südbaden. Davon dürften die Händler in Deutschland, aber auch in anderen angrenzenden Euroländern, profitieren.

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