Finanzen + Vorsorge Trotz billigem Kerosin: Warum Flugtickets kaum billiger werden

Ein A380 in der Luft.

Ein A380 in der Luft. © Airbus S.A.S.

Fliegen wird billiger - nur für wen? Die Fluggesellschaften nutzen die enorm gefallenen Kerosinpreise zunächst zur Sanierung ihrer Gewinne. Passagiere können nur auf günstigere Tickets hoffen, wenn der Wettbewerb funktioniert.

Wie entwickelt sich der Ölpreis?

Der kennt im Moment nur die Richtung nach unten. Die sogenannte „Golf-Opec“ um Saudi-Arabien scheint weiterhin entschlossen, ohne Rücksicht auf fallende Preise ihre Fördermengen beizubehalten und die Marktanteile zu behaupten. Erst in der zweiten Jahreshälfte könnten die Preise wieder steigen, erwarten zum Beispiel die Rohstoffexperten der DZ-Bank. Im Jahresschnitt sehen sie das Fass der Nordseesorte Brent bei knapp 67 Dollar. Aktuell werden um die 45 Dollar verlangt, nur noch ein gutes Drittel der Höchstpreise aus dem Jahr 2012.

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Was bedeutet das für die Fluggesellschaften?

Zunächst einmal eine enorme Kostenentlastung. Zwar ist Kerosin etwas teurer als Brent, aber mit einer kleinen Verzögerung gleichfalls im Sinkflug. Allein die Kerosinrechnung der Lufthansa soll in diesem Jahr fast eine Milliarde Euro günstiger ausfallen als 2014.

Luftverkehrsexperte Otmar Lell vom Bundesverband der Verbraucherzentralen erwartet, dass die Entlastung von den Gesellschaften erst einmal genutzt wird, um die eigenen Gewinnmargen zu erhöhen. Auch die Börse rechnet damit, dass beispielsweise die Lufthansa sich einen guten Teil der Ersparnis selbst einsteckt. Der billige Sprit werde 2015 zum Hauptgewinntreiber, glaubt etwa DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp. Am stärksten profitieren die in Dollar abrechnenden US-Airlines, meint das Analysehaus Moody’s.

Werden die sinkenden Kosten denn nicht an die Kunden weitergegeben?

Voraussichtlich nur mit Verzögerung. Von den niedrigen Spritkosten profitieren schließlich alle Fluggesellschaften, so dass im Wettbewerb schnell neue Spielräume für Preissenkungen entstehen. Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sieht in Europa vor allem Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet in der Rolle erneuter Preisbrecher. „Sie werden die anderen mit sinkenden Ticketpreisen unter Druck setzen.“

Nach Einschätzung des Analysehauses Jefferies sind die jungen Billigflieger gegenüber Gesellschaften wie Lufthansa oder Air France im Vorteil, weil sie von dem ersparten Geld weniger in die Restrukturierung stecken müssen. Mit vielen zusätzlichen Flügen, die weiter auf die Preise drücken würden, rechnet Großbongardt hingegen nicht. Die Branche habe aus Fehlern in der Vergangenheit gelernt. Die Europäer trifft zudem der zunehmend ungünstigere Kurs zum Dollar, in dem Öl-Geschäfte abgerechnet werden.

Wann und wie stark sinken die Ticketpreise denn nun?

Laut IATA-Berechnungen aus dem Dezember könnten die Tickets im Schnitt dieses Jahr um 5,1 Prozent billiger werden als im Jahr 2014 und die Frachtraten sogar um 5,8 Prozent sinken. Allerdings gibt es zumindest für Europa kein System, das aus den abertausenden Tarifen und Relationen einen verlässlichen Durchschnittspreis errechnen würde. Die Airlines betreiben einen hohen Aufwand zur Marktbeobachtung, um ihre Preise jederzeit anpassen zu können. Ihr Marktwissen behalten sie allerdings für sich. Lufthansa hat zuletzt regelmäßig von sinkenden Netto-Erlösen pro Sitzkilometer berichtet.

Warum werden die Kerosinzuschläge nicht gesenkt oder abgeschafft?

Zunächst einmal werden sie nur noch von einem Teil der Gesellschaften überhaupt erhoben. Ryanair oder auch die Lufthansa-Tochter Germanwings verzichten völlig auf dieses Marketinginstrument aus den Zeiten ständig neuer Ölpreiserhöhungsrunden. Die übrigen Airlines argumentieren, dass die Zuschläge für die Kaufentscheidung des Kunden nicht relevant seien, da ohnehin nur auf den Endpreis geschaut werde. Der Kerosinzuschlag sei zu einer eher internen Rechengröße geworden. Im Buchungsvorgang ist er nur schwer zu finden und teils unter anderen Namen versteckt.

Worauf sollten die Kunden achten?

Vor allem auf den Endpreis des Tickets, rät Verbraucherschützer Lell. Eine einschlägige EU-Verordnung hat bereits große Verbesserungen gebracht, so dass der Endpreis in den allermeisten Fällen schon zu Beginn des Buchungsvorgangs sichtbar ist. Beanstandungen und illegale Voreinstellungen zu kostenpflichtigen Extras gibt es laut Verbraucherzentrale am häufigsten noch bei Flug-Vermittlungsportalen im Internet.

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